Seniorin malt noch immer mit Leidenschaft

von Redaktion

98-jährige Künstlerin Magdalene Engels zeigt Werke – Ausstellung bis 6. Juli im Siebenbürgerheim Rimsting

Rimsting „Der Augen tiefer See“: Was für ein neugierig machender Titel für eine Ausstellung. Die leider nur von kurzer Dauer ist. Dabei hätten die zehn Bilder durchaus längere Aufmerksamkeit und Beachtung verdient. Denn es sind nicht nur die Werke, die in den Bann ziehen, sondern auch die Künstlerin selbst.

Magdalene Engels ist nämlich 98 Jahre alt. Die rüstige Seniorin, die seit 2020 im Rimstinger Siebenbürgerheim residiert, mag sich zwar lieber mit Rollator als ohne bewegen, aber ihre hellwachen blauen Augen verraten, dass sie geistig topfit am Puls der Zeit ist. Oder wie es Michael Schlander, Geschäftsführer und Heimleiter des Siebenbürgerheims, bei der Vernissage ausdrückte: Magdalene Engels sei „der lebende Beweis dafür, dass das Leben im Alter nicht stillsteht“. Zur Vernissage konnte Schlander neben zahlreichen Mitbewohnern und Mitarbeitern des Hauses auch zahlreiche Kunstfreunde von außerhalb begrüßen. Schlander hob heraus, dass Engels‘ Bilder eine eigene Sprache sprechen. Sie sagten viel über sie, ihre Leidenschaft, ihre Kreativität und ihre Lebensfreude aus, die sie in jedem Pinselstrich widerspiegelt. Es sind Gesichter, die einen mit großen Augen anblicken, die Neugierde und wachen Geist versprühen, die zum stillen Gespräch einladen. Auch ihre Vita ist ein bunter Reigen an schier unerschöpflicher Kreativität: Nach dem Studium des Kunstlehramts an der Akademie der bildenden Künste nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierte sie eine Ausbildung in der Textilwerkstatt/Bildweben, später produzierte sie Unterrichts- und Lehrfilme im eigenen Studio am Ammersee, arbeitete im Bereich Filmgrafik und Zeichengrafik, entdeckte Mitte der 80er-Jahre nach ihrem Umzug nach Prien Intuition und Tanz, beschäftigte sich mit Ausdruckstanz und japanischem Butoh-Tanz, entdeckte für sich die Aquarellmalerei bei Hellmuth Zwecker mit den Schwerpunkten Landschaften, Italien und Santorin, schuf großformatige Arbeiten im Atelier bei Nele von Mengershausen in München und performte Malerei mit Tanz. Auch wenn sie seit fünf Jahren im Siebenbürgerheim lebt, von der Kunst hat sie sich noch lange nicht verabschiedet. Bei der viel beachteten Kunstzeit in Prien 2022 war sie mit einem Oeuvre dabei. Und hat jetzt eine eigene kleine, aber feine Ausstellung im Siebenbürgerheim bekommen. Initiiert hat dies Peter Rappl, Holzbildhauer und im vergangenen Jahr vom Rotary Club Chiemsee zusammen mit Heidi Frank für herausragende künstlerische Positionen ausgezeichnet, der im Siebenbürgerheim mitarbeitet. Zusammen mit Melanie Bornemann, Leiterin soziale Betreuung, hat er Magdalene Engels ermuntert, einige ihrer Bilder auszustellen. Rappl hat auch die Ausstellung kuratiert.

Schlander bezeichnete Engels als eine begabte Künstlerin und lobte sie als festen Bestandteil des Hauses. Sie zeige, dass das Leben im Alter neue Räume für Ausdruck, Begegnung und Inspiration schaffe. Es sei ihm Ehre und Freude zugleich, dass das Siebenbürgerheim, das sowohl rüstige als auch Menschen mit Pflegegrad ansprechen will, hierbei den notwendigen Ausstellungsrahmen biete. Wer sich von „Der Augen tiefer See“ inspirieren lassen will, die Ausstellung ist täglich bis zum 6. Juli von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. elk

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