Reit im Winkl – Die Aufregung war vergangenen Samstag im beliebten Drei-Seen-Gebiet zwischen Reit im Winkl und Ruhpolding groß. Zwei Buben (elf und zwölf Jahre) waren als vermisst gemeldet worden, verschwunden auf einer Wanderung vom Weitsee zu den Jochbergalmen. Ein Großaufgebot der Bergwacht und Polizei samt Mitgliedern der Alpinen Einsatzgruppe rückte aus, sogar ein Polizei-Hubschrauber startete, um bei der Suche mitzuhelfen.
Hubschrauber war
schon gestartet
„Der Hubschrauber ist dann aber noch auf dem Weg in die Region umgekehrt, weil die Buben gefunden wurden“, erzählt Leonhard Hanrieder der Chiemgau-Zeitung. Der Bereitschaftsleiter war Chef der Bergwacht-Einsatzgruppe aus Reit im Winkl an diesem Nachmittag, die aus insgesamt 13 Leuten bestand. Dazu kamen Streifen der Alpinen Einsatzgruppe und normale Beamte der Polizei, insgesamt waren über 20 Personen an der Suche beteiligt.
Nachdem der Alarm etwa gegen 14.30 Uhr nach einer Suchmeldung der Eltern des einen Jungen ausgelöst worden war, trafen sich die Einsatzkräfte noch vor 15 Uhr am Weitsee und teilten sich in sechs Trupps auf. Doch kurz nachdem sie mit der Fahndung begonnen hatten, kam gegen 15.30 Uhr schon die erlösende Nachricht, dass die Buben gefunden worden waren – durch Zufall.
„Ein ebenfalls an der Suche beteiligter Polizeihundeführer war in seinem Auto aus Richtung Oberwössen in Richtung Gräbenalm unterwegs und hat die Jungs auf der Forststraße angetroffen“, so Hanrieder, der im Hauptjob Berufsfeuerwehrmann in München ist: Etwa um 15.50 Uhr konnten wir sie dann an die Eltern übergeben.“ Die Erwachsenen waren überglücklich, die Jungs konnten die ganze Aufregung offenbar nicht so recht verstehen. „Die waren gut drauf, die zwei. Die haben jedem der Einsatzkräfte als Dank die Hand gegeben“, so der Einsatzleiter mit einem Grinsen.
Aber wie war es überhaupt zum Verschwinden der beiden Cousins – der eine aus dem Landkreis Starnberg, der andere aus dem Landkreis Traunstein – gekommen? Offenbar konnten die aus der Starnberger Region stammenden Eltern des einen Buben nicht mit dem Tempo der fitten Teenager mithalten, die vorausgegangen waren. Die nahmen dann mutmaßlich einen anderen Abzweig als die Erwachsenen, die sich zunächst vor allem in Person des Mannes allein auf die Suche machten.
Nach eineinhalb oder drei Stunden erfolgloser Suche – hier gibt es unterschiedliche Aussagen – entschlossen sich die Erwachsenen zum Notruf und die groß angelegte Suche begann. „So etwas – eine Vermisstensuche mit Kindern – passiert selten. Ich bin seit zehn Jahren bei der Bergwacht und das ist erst das dritte Mal“, erzählt Hanrieder: „Sonst haben wir verloren gegangene Kinder höchstens mal im Winter, wenn im Skigebiet Winklmoosalm Massen von Menschen unterwegs sind.“ In diesen Pfingstferien habe es mit acht Einsätzen generell ungewöhnlich viele Notfälle gegeben – im Gegensatz zu diesem speziellen Fall waren aber zuvor meist ältere Leute betroffen.
Die Rechnung
kommt noch
Im Fall der beiden vermissten Buben erwartet die Erziehungsberechtigten jetzt noch eine Rechnung der ehrenamtlichen Bergwacht, die im Gegensatz zur Polizei ja bekanntlich nicht vom Steuerzahler unterhalten wird. „Ein Bergwacht-Einsatz kostet dann nichts, wenn jemand verletzt wurde. Dann zahlt es in der Regel die Krankenkasse“, so Hanrieder. Für den Bergwacht-Einsatz bezahlen muss man auch dann nicht, wenn man Alpenvereins-Mitglied oder Bergwacht-Fördermitglied ist. Dann übernimmt die damit verbundene Versicherung die Kosten.
Bergwacht-Einsatzleiter Leonhard Hanrieder möchte zum Schluss noch ein Lob an die Polizei loswerden: „Die Zusammenarbeit ist super gelaufen.“ Diesmal mit einem schönen Happy End für alle Beteiligten.