Wider das Vergessen der NS-Verbrechen

von Redaktion

Historischer Verein verleiht Friedbert Mühldorfer in Traunstein den Max-Fürst-Preis

Traunstein – Seit 50 Jahren engagiert sich Friedbert Mühldorfer intensiv dafür, dass die Verbrechen des NS-Regimes nicht vergessen werden. Durch zahlreiche Bücher, Forschungsprojekte, Ausstellungen und Gedenkinitiativen setzt er sich gegen das Vergessen und Verdrängen ein. Dafür wurde er nun vom Historischen Verein für den Chiemgau mit dem Max-Fürst-Preis ausgezeichnet.

Im Rahmen einer Feierstunde im Kulturforum Klosterkirche wurden zudem mehrere Jugendpreise verliehen. Barbara Gruber begleitete die Veranstaltung musikalisch am Klavier.

Bedeutung für
die Demokratie

Der Vorsitzende des Historischen Vereins, Gernot Pültz, betonte, die Auszeichnung werde seit 2002 an Persönlichkeiten verliehen, die sich besonders um die Erforschung der Chiemgauer Geschichte verdient gemacht hätten. Friedbert Mühldorfer sei durch seine wegweisenden Arbeiten zur NS-Geschichte ein würdiger Preisträger. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer betonte in seinem Grußwort die Bedeutung historischer Erinnerungsarbeit für die Demokratie. Angesichts wachsender Zweifel an demokratischen Werten sei das Engagement von Mühldorfer und den ausgezeichneten Jugendlichen besonders wichtig.

Stellvertretender Landrat Andreas Danzer unterstrich, dass der Jugendpreis den Wert historischer Erinnerung und Verantwortung deutlich mache.

Die Jugendpreise gingen an zwei Schülergruppen: Ein P-Seminar des Chiemgau-Gymnasiums unter Leitung von Stefan Schuch erhielt eine Auszeichnung für eine Multimediashow zum Stadtjubiläum „650 Jahre Stadtrecht Traunstein“. Ein weiteres P-Seminar der FOS/BOS Traunstein unter Leitung von Katharina Friedrich wurde für die Ausstellung „650 Jahre jüdisches Leben in Traunstein“ ausgezeichnet. Außerdem erhielten drei Schülerinnen Einzelpreise für ihre Arbeiten zu jüdischen Themen.

Zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner würdigte in einer Laudatio die Verdienste Mühldorfers. Sie hob hervor, dass seine kritische Haltung durch Kontakte zur Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN–BdA) geprägt wurde. Wegen dieser Mitgliedschaft geriet Mühldorfer unter Beobachtung des Verfassungsschutzes und erhielt in Bayern zeitweise Berufsverbot als Lehrer. Erst nach der Aufhebung des Radikalenerlasses konnte er von 1984 bis 2014 als Gymnasiallehrer arbeiten.

Ausstellungen
in Traunstein

Seit seinem Umzug in den Chiemgau 1982 setzte sich Mühldorfer intensiv mit der lokalen NS-Geschichte auseinander, organisierte Treffen mit Zeitzeugen und veröffentlichte zahlreiche Beiträge.

Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehören Ausstellungen in Traunstein (1986 und 1994) sowie das Standardwerk „Widerstand und Verfolgung in der NS-Zeit im Landkreis Traunstein 1933 – 1945“ von 1992. Zudem initiierte er die jährliche Gedenkfeier in Surberg zur Erinnerung an das SS-Massaker an 66 KZ-Häftlingen. Aufmerksamkeit erhielt auch sein jüngstes Buch zur Vertreibung der jüdischen Familie Holzer aus Traunstein.

Mörtl-Körner dankte Mühldorfer ausdrücklich für sein mutiges und beispielhaftes Engagement gegen Geschichtsvergessenheit. Mühldorfer selbst erinnerte an Schwierigkeiten und Unterstützer seiner Arbeit. Zwar habe die Gedenkarbeit zu einer kritischeren Ortsgeschichtsschreibung geführt, dennoch blieben Lücken – etwa zur Geschichte von Zwangsarbeitern im Landkreis. Er zeigte sich besorgt über den zunehmenden Erfolg rechtsradikaler Kräfte, sah aber im Engagement der Jugend auch eine große Hoffnung.

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