Traunstein – Der wohl kleinste Abiturjahrgang, der jemals am Traunsteiner Chiemgau-Gymnasium (CHG) seine Reifezeugnisse entgegennehmen durfte, feierte nun im Schulhaus an der Brunnwiese seinen Abschied. Die Absolventen setzten noch eins drauf: Alle 30 Schüler bestanden die Prüfungen, fünf sogar mit einer Abiturnote von 1,5 und besser. Evi Schrobenhauser schaffte es sogar mit einer glatten 1,0.
Dass die Abschlussklasse so klein ist, hat einen besonderen Hintergrund: Wegen der Umstellung von G8 auf G9 im Gymnasium stellten sich bayernweit nur 5900 statt der sonst üblichen 30000 Schüler den Abiturprüfungen. Die Schule gehörte zum „Auffangnetz“, wo die Abi-Prüfung letztmals nach dem G8-Modell durchgeführt wurde.
Stefan Ruß, Oberstufenkoordinator der Q12, sagte in seinem Rückblick, er könne sich nicht daran erinnern, dass seine Lehrerkollegen in der Oberstufe jemals so eng und abgestimmt zusammengearbeitet hätten. Von einer „eingeschworenen Truppe, die auf sehr individuellen Wegen und von verschiedenen Schulen“ zum Abitur ans CHG gefunden hätte, sprach Oberstufenkoordinator der Q11, Günther Klauser. Er stellte die Findigkeit und Leistungsbereitschaft der Schüler heraus.
Mit deutlichen Entertainer- und Comedian-Qualitäten würzte Schülersprecher Michael Baumann seinen Rückblick auf drei bewegte Jahre. „Wir waren der kleinste Jahrgang, haben aber wohl mehr erlebt als andere in zehn Jahren“, sagte er. In der zehnten Klasse seien alle „bunt durcheinandergewürfelt“ erstmals zusammengekommen, das Ganze habe mehr an eine Casting-Show als Schulalltag erinnert. Der erste Eindruck von „alles easy“ und Kaffeetrinken sei schnell der Gewissheit gewichen, dass das Abitur hart erkämpft sein will. Da wurde in Mathematik schnell aus der Kurvendiskussion ein Grundkurs in Lebensphilosophie oder aus „einer kleinen Zahl ein Riesendrama“. Im Fach Deutsch wurde die Druckbetankung mit Hunderten von Seiten Literatur schnell zum Überlebenskurs, „nach dem uns jetzt aber nichts mehr schrecken kann“.
Schuldirektor Markus Gnad rief die Besonderheiten des Abschlussjahrgangs in Erinnerung. Während die meisten Gymnasien bereits im vergangenen Jahr die letzten G8-Jahrgänge verabschiedet hätten, gab es in den Schulen des Auffangnetzes wie dem CHG auch heuer eine Abiturprüfung. Die meisten der diesjährigen Absolventen seien im Übrigen auch aus der Einführungsklasse gekommen, die sie nach der Mittleren Reife an der Waldorf-, Montessori, Mittel- oder Realschule am CHG als zehnte Klasse besucht hätten. Die Einführungsklasse eröffne jedem den Weg zum gymnasialen Abitur.
Schulleiter Gnad forderte in seiner Festrede weiter zu einer kritischen Überprüfung des Denkens und der Meinungsbildung auf. Am Beispiel der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann und Saul Perlmutter machte er deutlich, dass man gerade durch die Social Media-Blasen mit ihren Algorithmen gerne dem bequemen Weg zur Bestätigung eigener Meinungsbilder folge.eff