Chieming – Sonntagmorgens am Dampfersteg. Überall fröhliches Lachen. Das Team des Freundeskreis Heimathaus samt Helfer legte noch letzte Hand an. Sie hatten anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von „Aufgspuit am See“ wieder ein vielfältiges Programm mit Volksmusikgruppen aus nah und fern zusammengestellt. Auch die Crew des Chiemseer Wirtshauses und die Damen des katholischen Frauenbunds waren „schon beim Zeug“. Gemeinsam wurden letzte Dinge besprochen, Programmflyer verteilt, Schirme aufgestellt und zurechtgerückt und darauf geachtet, dass auch an den Spielstätten genug Bankerl standen und für die Musikanten alles bereit war. Elf Stunden lang gab es „Live-Musik NonStop“ auf der Volksmusik-Flaniermeile. Mehrere tausend Besucher nutzten im Laufe des Tages die Gelegenheit, bei freiem Eintritt die verschiedenen Facetten der Musik zu genießen.
Los ging es um 11 Uhr im Biergarten des Chiemseer Wirtshauses mit einer Premiere. Die „Irger Tanzlmusi“ spielte ihr erstes Konzert. Für ihren originellen Humor spach der Hergang der Namensfindung. Da die Vorschläge immer „irger“ wurden (also bayerisch für „ärger“ im Sinne von ausgefallen), entschied sich das Sextett, „irger“ zum Namen zu machen. Nur ein paar Meter weiter auf dem Schlossplatz sorgte die „Äigridschn Muse“ für Stimmung. Hier: ein origineller Name für eine maulwurfsähnliche Nagetierart aus dem niederbayrischen Rottal samt dem dazugehörigen Landwirte-Latein. Auch dieses Sextett also ein Garant für Humor und gute Musik.
Wo man singt, da lass dich nieder: Zum Beispiel an der Schlossmauer mit Blick auf den ruhig dahinfließenden Krebsbach auf der einen und den See auf der anderen Seite. Hier zog zunächst das Edeltrio mit ausgewählten Stücken die Aufmerksamkeit auf sich. Hermann Huber, mehrfacher Weltmeister an der Steirischen Harmonika hatte stets ein Lachen im Gesicht und einen flotten Spruch auf den Lippen. Dazwischen gab es gemeinsames Singen mit Leo Meixner, dem Volksmusikpfleger des Bezirks Oberbayern und auch bekannt mit den „Cubaboarischen 2.0“ sowie den „Chiemgauer Sängern“. Mit für ihre Heimat typische Sing- und Spielweise von Jodlern begeisterte die Salzkammergut Geigenmusi im Wechsel mit dem Schwarzberg Familiendreigesang aus Inzell. An diesem Platz war zeitweise fast kein Durchkommen mehr. Es war nicht nur die romantische Stimmung, sondern für viele Musikfreunde, Interessierte, Spaziergänger und Badegäste eine tolle Gelegenheit, die Vielseitigkeit von alpenländischer Musik zu hören und kennenzulernen. Wer Lust hatte, konnte auch selbst mitsingen. Dazu waren kleine Liederhefte mit einigen klassischen und humorvollen Volksliedern ausgeteilt.
Die „Chieminger Alphornbläser“ Irmi Wallner, Hermann Probst und Albert Asenkerschbaumer erfreuten an diversen Schattenplätzen mit ihrem Spiel. Die Musikschulen aus Grassau, Inzell, Traunstein und Traunwalchen servierten am Bienenlehrpfad in verschiedenen Formationen und Familiengruppen Blasmusik, Harfenmusik und Stubnmusi. Die Kindergruppe des Chieminger Trachtenvereins bekam auf der Biergartenbühne für einige Tänze und Plattler viel Beifall.
Im Biergarten brachte die „Unkna Tanzlmusi“ mit traditioneller Tanzlmusi, Oberkrainer-Feeling und Böhmischer Polka bereits die ersten Tänzer in Position. Offizieller Abschluss und Höhepunkt der Flaniermeile war das Weisenblasen auf dem See mit Schiffsbesetzungen der „Daxnschoata“ und der „Irger Tanzlmusi“ sowie den Alphornbläsern und der Weise „Wurzeln die verbinden“. Im Wirtsbiergarten ging es noch bis weit in die laue Sommernacht mit der „Boarischen Bris“, die auch ganz nahe an die Bühnenabsperrung gerückt war, damit genug Platz für die Tanzfreudigen blieb. or