Traunstein/Prien – Im Landgerichtsverfahren gegen zwei angebliche, 23 und 32 Jahre alte mutmaßliche Callboys, die einen 69-jährigen Rechtsanwalt in dessen Zweitwohnung in Prien eingesperrt, misshandelt und bestohlen haben sollen, findet der kommende 13. Verhandlungstermin der Ersten Jugendkammer mit Vorsitzender Richterin Heike Will am 9. Juli wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wie bei allen bisherigen Anhörungen des Geschädigten, der zum dritten Mal in den Zeugenstand treten muss, darf kein Außenstehender im Sitzungssaal sein. Auf Verlangen des 69-Jährigen gilt das für alle Zeugenvernehmungen, in denen sein Privatleben zur Sprache kommt.
Wie Landgerichtspressesprecherin Cornelia Sattelberger auf Anfrage unserer Zeitung informierte, könnte der übernächste Prozesstag am 28. Juli zunächst für Zuhörer zugelassen sein. Jedoch sei möglich, dass „zum Schutz der Privatsphäre des Geschädigten“ die Öffentlichkeit wieder kurz ausgeschlossen werde. Bislang sind darüber hinaus weitere Hauptverhandlungstage für 18. und 27. August mit Beginn jeweils um 9.30 Uhr anberaumt. Ob an diesen Tagen die Plädoyers von Staatsanwalt Florian Jeserer sowie der Verteidiger – Temba Hoch aus Bremen, Dr. Adam Ahmed aus München und Julian Praun aus Traunreut – folgen, steht noch nicht fest. Entscheidend ist, ob die Anwälte weitere Beweisanträge auf Lager haben.
Wegen des beschränkten Zugangs zu dem Strafprozess, auch für die Medien, sowie wegen des Verbots seitens der Kammer für alle Beteiligten, Vorführbeamte eingeschlossen, über Inhalte aus der mündlichen Verhandlung etwas zu verraten, ist zum Stand des Verfahrens nichts bekannt. Die Angeklagten, ein 23-Jähriger aus Venezuela und ein 32-Jähriger aus Jamaika, beriefen sich beim Auftakt Mitte Februar 2025 auf ihr Schweigerecht. Bei der vorläufigen Festnahme in Frankfurt kurz nach dem Besuch am Chiemsee hatten sie von „einvernehmlichem“ Geschehen in der Wohnung gesprochen – einschließlich Sex und Fesseln.
Der angeblich verheiratete 69-Jährige soll vor gut einem Jahr über eine einschlägige Plattform im Internet Kontakt zu dem jungen Mann aus Venezuela, den er laut Anklage von früheren Treffen kannte, aufgenommen und ihn für das Wochenende, 20./21. Juni 2024, in Prien gebucht haben. Bei seiner Strafanzeige bei der Polizeiinspektion Prien noch am 21. Juni 2024 schilderte der Jurist den weiteren Verlauf des Abends detailliert. Diese Formulierungen wurden später Basis der Anklageschrift von Staatsanwalt Florian Jeserer. Demnach holte der Jurist den 23-Jährigen am 20. Juni abends vom Bahnhof Prien ab. Ohne Wissen des 69-Jährigen soll der junge Mann den 32-Jährigen mitgebracht und über die Terrasse in die Wohnung eingeschleust haben. In jener Nacht soll der „Kunde“ den Angeklagten stundenlang mehr oder weniger hilflos ausgeliefert gewesen sein. Er wurde gemäß eigenen Angaben bei der Polizei mit Handschellen gefesselt, mit einem Messer verletzt und mit „Penis-Abschneiden“ bedroht, als er die PIN zu seinem Paypal-Konto nicht herausrücken wollte. Vor der Flucht per Bahn nach Frankfurt am Main nahmen die mutmaßlichen Callboys Bargeld, teure Uhren und Schmuck im Gesamtwert von rund 28000 Euro mit. Die Beute wurde bei ihrer Festnahme fünf Tage später sichergestellt. kd