Breitbrunn – Neue Wege geht die Erlöserkirche Breitbrunn: Auf einem Touch-Bildschirm kann man im Kirchenraum seine persönliche Zeit der Stille gestalten. Ein Klick, und schon kann man sich über die Geschichte der Erlöserkirche, 1964 erbaut, informieren. Aber auch Informationen zu Gottesdiensten und Veranstaltungen in der Kirchengemeinde sind ganz einfach einzusehen.
Seit dem Umbau vor zwei Jahren will die Erlöserkirche barrierefreier „Treffpunkt für alle“ sein, will neben den Gottesdiensten und Kasualien (Taufen, Trauungen und dergleichen) auch ihre Funktion als Treffpunkt und Ort des sozialen Miteinanders und Austauschs stärken. Die Erlöserkirche, ein Ort der Stille und Ruhe und ein Ort der Begegnung.
Auf dem Bildschirm finden sich deshalb auch die monatlichen Angebote wie Yoga, Meditation, Achtsamkeitsseminare und Vorträge. Es mag befremdlich wirken, dass sich die Kirche sowohl analog als auch digital in Szene setzt. Aber warum nicht? In einer Zeit, in der vieles so schnelllebig ist. Man sonntags lieber ausschlafen, als sich auf den Kirchgang begeben will, und man eher auf den Bildschirm starrt, als einem echten Gegenüber in die Augen schaut, ist es ein interessantes Zeichen. Die Reporterin trifft auf Bernhard Pompel, einen der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Pfarrei. Er empfindet das digitale Angebot als „lebendiges Instrument.“ Einmal habe er eine Familie getroffen, die mit ihrem körperlich eingeschränkten Sohn einen Gottesdienst nur für sich hielt, erzählt er. Der Touch-Bildschirm ermöglicht auch das Abspielen von Kirchen- und Hagiosliedern. Hagios, das muss sich die Reporterin erst mal ergoogeln. Hagios, inspiriert vom altgriechischen Wort Hagios für das „Heilige“, für das Nicht-Nennbare, auf das alle Religionen ausgerichtet sind, ist eine Friedensinitiative des Komponisten und Flötisten Helge Burggrabe. Die ein- bis vierstimmigen Hagios-Friedensgesänge umkreisen wie „gesungene Gebete“ das „Heilige“ und knüpfen an klösterliche Gesangstraditionen an. Leise erschallt das „Hagios ho Theos,“ eine meditative, kontemplative Melodie, die trotz der sommerlichen Hitze draußen für wohltuende „geistige“ Erfrischung sorgt. Doch zurück zum Bildschirm: Was gibt es noch alles zu entdecken?
Unter „evangelisch im Internet“ finden sich aktuelle Impulse der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern zu verschiedensten Bereichen, der Link zum BR-Podcast „Auf ein Wort“ und der Link zur Webseite „ganzhier.“ Dort werden zehn verschiedene Zugänge zu spirituellen Erfahrungsräumen angeboten, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen gerecht werden sollen: Stille, Rituale, Wort, Musik, Kunst, Gemeinschaft, Natur, Körper, Verantwortung und Persönlichkeit. Zeit muss man schon mitbringen, um sich einzulesen und Muse zu finden, sich auf dieses neue Format der Spiritualität einzulassen. Aber wer Kirche mal anders erleben will, dem sei ein Ausflug nach Breitbrunn in die Erlöserkirche empfohlen. Allein schon architektonisch ist die Kirche ein Hingucker: Das pentagonale Kirchenschiff in Zeltform mit offener Dachkonstruktion, der Steinboden mit seiner geordneten Unordnung, das bunte Kirchenfenster, das Motive der Schöpfung zeigt. Auch gibt es keine Kirchenbänke, sondern lose Stühle. Wunderbar glatt geschliffenes Holz, das zum Drüberstreichen animiert. Oder der Blick in den kleinen, aber feinen Kirchengarten. Da lässt man sich doch gern auf ein weiteres Lied aus dem Bildschirm-Gesangbuch ein: „Geh aus mein Herz und suche Freud.“ Kirche to go – Nachhaltigkeit im neuen Format. elk