Schwarzarbeit? Unterschlagung?

von Redaktion

Nagelstudios vor Gericht wegen Ausbeutung und Lohndumping

Freilassing/Traunreut/Traunstein – Die Gerichtsverhandlung gegen zwei vietnamesische Betreiber von Nagelstudios in Freilassing und Traunreut wurde jüngst fortgesetzt. Den 36- und 25-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, Mitarbeiter ausgebeutet, Sozialversicherungsbeiträge nicht abgeführt und illegale Arbeitnehmer beschäftigt zu haben. Mindestens sechs der elf Mitarbeiter seit November 2023 hatten keine Aufenthaltsgenehmigung.

Vor Gericht wurden erhebliche Lohnunterschiede festgestellt, die meist unterhalb des Mindestlohns lagen. Der Hauptangeklagte erklärte, dass er das Gehalt nach Erfahrung und Leistung bestimmt habe, konnte jedoch keine schriftlichen Nachweise vorlegen. Ein Mitarbeiter sagte aus, statt der behaupteten 2500 Euro nur 1000 Euro erhalten zu haben.

Laut Staatsanwaltschaft gaben Mitarbeiter zudem an, Zahlungen für Schleusungen erhalten zu haben und dadurch in einer finanziellen Abhängigkeit gestanden zu haben. Der Angeklagte bestritt, daran beteiligt gewesen zu sein.

Der Angeklagte räumte ein, den Mindestlohn gekannt, aus finanziellen Gründen aber nicht gezahlt zu haben. Er selbst habe monatlich 2000 Euro verdient. Er habe Mitarbeiter nicht angemeldet, da er vermutete, diese hätten keine gültigen Arbeitspapiere. Seine Ehefrau und seinen Bruder habe er hingegen angemeldet, da diese legale Papiere besaßen.

Die mitangeklagte 25-jährige Partnerin gab an, in den Studios nur Nägel gemacht zu haben. Kundenkontakte seien auf Deutsch erfolgt. Manche Mitarbeiter hätten Deutschkenntnisse gehabt. Sie selbst habe zwei Monate auf ihre Arbeitserlaubnis gewartet. Nach der Verhaftung ihres Mannes habe sie sich auf Anweisung anderer um Rechnungen, Miete und Steuern gekümmert, dafür einen Kredit aufgenommen und sei dabei auf die Hilfe der Steuerberaterin angewiesen gewesen.

Geplante Zeugen erschienen nicht. Die Verhandlung wird am Dienstag, 22. Juli, fortgesetzt. jj

Artikel 1 von 11