Prien – „Meine Show hat einen philosophischen Hintergrund“, erzählt Florentin Spötzl der Chiemgau-Zeitung am Telefon. Am heutigen Dienstag hat der 18-jährige Priener einen seiner größten Auftritte als Künstler. Beim Kinder- und Jugend-Varieté-Festival im GOP Varieté-Theater in München tritt er mit seiner Licht- und Jonglage-Show auf. „Ich suche nach dem Licht, also viel mehr nach dem inneren Licht. Nach Dingen, die uns im Leben glücklich machen und uns Freude machen“, erklärt Spötzl den philosophischen Hintergrund. Mit einer Taschenlampe beginnt seine Show, über ein rotes Licht gelangt er zur Keulen-Jonglage.
„Es werden immer mehr Keulen vom Licht angesteckt“, beschreibt der Schüler seine Show, bei der er teilweise mit fünf Keulen gleichzeitig jongliert. Die Grundidee dazu hatte er selbst, an zwei Wochenenden feilte er in einer Talentschmiede in Cham bei Regensburg mit externer Beratung dran. Die Jonglage mit den Keulen brachte er sich selbst bei, an Musikschnitt und Bühnendetails tüftelt er alleine. Beim Kostüm hatte er Unterstützung von seiner Familie, „die gucken sich die Show auch immer wieder an und machen Verbesserungsvorschläge“, erzählt Spötzl.
Bei den Chiemgauklern, einer lokalen Jonglage-Gruppe, startete er seine künstlerische Karriere, damals mit dem Spielgerät bestehend aus zwei Stöcken, einer Schnur und zwei an der Spitze verbundenen Doppelkegeln:
„Dort habe ich mit dem Diabolo angefangen. Beim Priener Straßenkunstfestival habe ich einen Jongleur gesehen und dachte, jetzt muss ich auch lernen, mit Keulen und Bällen zu jonglieren.“ Seither sind die Keulen seine Leidenschaft. Dafür nutzt er die „besten und neuesten auf dem Markt“, ein tschechisches Modell von einer Artistikfirma, mit dem auch der Cirque du Soleil arbeitet.
Bei „Swinging Prien“ hatte der Nachwuchs-Jongleur vergangenen Samstag quasi seine Generalprobe mit einem Auftritt im Kurpark: „Das lief sehr gut für mich, das Publikum war sehr angetan und es waren schöne Reaktionen, auch während der Show im Publikum bei verschiedenen Effekten. Danach kamen noch einige Leute zu mir und haben Fragen gestellt“, blickt Spötzl zurück. Vor dem Auftritt im GOP München ist er aufgeregt, aber nicht „völlig panisch. Ich bin zuversichtlich, dass es gut wird, weil ich die letzten Monate sehr viel Zeit in die Vorbereitung gesteckt habe.“
Bedeutet, dass der junge Künstler sich in den vergangenen Wochen rund zwei Stunden an fünf Wochentagen mit seinem Auftritt beschäftigte. Der Talentwettbewerb wird vom GOP Varieté-Theater bereits zum zwölften Mal veranstaltet, genauso viele Auftritte werden dem Publikum am heutigen Abend auch geboten. Mit einem fünfseitigen Fragebogen, Show- und Bewerbungsvideo stellte sich Spötzl der Jury vor. „Ich bin völlig ausgerastet“, erinnert er sich an den Moment, als er erfuhr, dieses Jahr dabei zu sein: „Ich habe mich so gefreut und habe gleich alle angerufen, denen ich davon erzählt hatte.“
Nach dem Abschluss an der Waldorfschule will er sich der Jonglage und Artistik widmen. Im Sommer möchte er auf verschiedenen Artistik-Festivals unterwegs sein, unter anderem der European Juggling Convention. Dort will er sich bei verschiedenen Leuten über Aufnahmekriterien an Zirkus-Unis in Europa informieren. Spötzl: „Da möchte ich mich vorbereiten, um zu den Aufnahmeprüfungen eingeladen zu werden. Da ist so ein Festival wie jetzt in München auch eine super Referenz.“ Patrick Nägele