Ruhpolding – „Einer für alle, alle für einen“, schreien die Kinder auf dem Parkplatz des Holzknechtmuseums bei Ruhpolding. Vor ihnen steht Wolfgang Madl, der Leiter des Bereiches Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und stimmt die Drittklässler auf ihr kommendes Abenteuer ein – mit passendem Outfit: Robin-Hood-Kostüm statt Amtsstubenweste.
Einmal mit dem Förster in den Wald – das ist das erklärte Ziel der Walderlebnisspiele, die das AELF jedes Jahr für alle dritten Grundschulklassen im Dienstgebiet organisiert. „Wir erreichen damit fast alle Drittklässler“, erklärt Wolfgang Madl, alias Robin Hood. Dafür wird das große Event an insgesamt sechs Spieltagen auf mehrere Standorte verteilt, unter anderem in der Laubau bei Ruhpolding. Die Chiemgau-Zeitung durfte die dritte Klasse der Inzeller Grundschule bei ihrer Heldenreise begleiten.
Seit 20 Jahren
bewährte Idee
Die Kinder tauchen ein in die Welt von Robin Hood – ein Konzept, das sich seit 20 Jahren bewährt. Der Wald wird zum Sherwood Forest, wo sie auf Sheriffs, Helfer und Herausforderungen stoßen. „Das Besondere bei uns ist der erlebnisorientierte Ansatz mit einer durchgehenden Geschichte“, sagt Sebastian Blaschke, stellvertretender Leiter des Bergwald-Erlebniszentrums. Dabei stehe laut Blaschke an diesem Tag der Spaß in der Natur im Vordergrund: „Das ist niedrigschwellige Erlebnisorientierung im Wald.“ Jede Schulklasse wird von einem Angestellten des Forstamtes auf ihren Abenteuerwegen durch den Wald begleitet.
Der Schlüssel sei dabei die kindgerechte, spielerische Wissensvermittlung, erklärt Wolfgang Madl vom AELF. Auch wenn nicht jede Station mit Fakten überfrachtet wird, ist der Bildungsanspruch da. Baumarten erkennen, Waldfunktionen verstehen – das passiere oft beiläufig auf dem Weg zwischen den Stationen. Deshalb geht bei jeder Gruppe ein sogenannter Waldpate mit – unserer heißt Thomas Ritter, er ist Förster und Sachbearbeiter zur Revierunterstützung.
Der erste Halt: Die magische Brücke. Hier müssen die Kinder über eine Holzlatte balancieren, aneinander vorbei, um die begehrten Goldtaler einsammeln zu können. Die werden aber am Ende der Reise nicht behalten.
„Wir hatten früher mal mehr Wettbewerbscharakter“, erklärt Madl. Mittlerweile sei aber jeder ein Gewinner, der bei den Walderlebnisspielen mitmacht. Und so geben die jungen Waldabenteurer ihre verdienten Goldtaler am Ende des Tages Robin Hood, der sie unter den Armen verteilt. Wie finden die Kinder eigentlich den Ausflug im ‚Sherwood Forest‘?
Emily bringt es auf den Punkt: „Es macht Spaß.“ Auch Lea nickt zustimmend: „Ja, es ist auch lustig.“ Der achtjährige Benedikt erzählt begeistert von seinem eigenen Wald-Abenteuer: „Ich hab im Wald ein hohes Baumhaus gehabt, aber das ist leider kaputt, weil ein Biber daneben war und alles überschwemmt wurde.“
Für Lukas steht fest: Die Natur gehört zu seinem Leben. „Die Stadt wäre nix für mich.“
In der dritten Klasse der Inzeller Grundschule scheint der Wald als Spiel- und Freizeitstätte noch nicht aus der Mode gekommen zu sein. Und so meistern sie mit Bravour auch das nächste Hindernis: Die Klasse muss ein Seil, das an einem Ende an einem Baum festgebunden ist, stramm ziehen, ein Schüler hangelt sich kopfüber bis zu dem Sack mit den Goldtalern vor und wieder zurück.
Sportlich und auch das Motto ‚einer für alle, alle für einen‘ – für die Inzeller Kinder kein Problem. Applaus auch vom Klassenleiter, Sonny Stollenmayer, der seine Schüler begeistert anfeuert. Um den Kindern einen unvergesslichen Tag im Wald zu ermöglichen, ist hinter den Kulissen viel Organisation gefragt.
„Heute sind es 372 Schüler aus 17 Klassen“, so Sebastian Blaschke. Und das sei noch ein vergleichsweise ruhiger Tag. An anderen Tagen seien es 20 Klassen. „Wir haben Kolleginnen und Kollegen aus den Revierleitungen, Referendare, Ehrenamtliche, sogar Pensionäre und Leute von der Bayerischen Staatsforsten dabei“, erzählt Blaschke. Insgesamt seien es etwa 26 Personen. „Sonst wäre das gar nicht machbar.“
Freude
an der Natur
Fazit: Der Aufwand scheint sich zu lohnen. Strahlende Kindergesichter bei strahlendem Sonnenschein – und ein unvergessliches Erlebnis! „Wir haben nach 20 Jahren Walderlebnisspielen mittlerweile Lehrer, die selbst als Schüler dabei waren und jetzt gern mit ihren Klassen wieder daran teilnehmen, weil es für sie ein unvergesslicher Tag war“, erzählt uns Wolfgang Madl noch zum Abschied. Vielleicht hat Robin Hood ja sogar bei manchen Kindern schon den Weg für eine spätere Karriere beim Forstamt mit dem schönen Erlebnis im Wald geebnet.
Zumindest die Freude am und im Wald wird so manchem Drittklässler nachhaltig im Gedächtnis bleiben.