„Das Wetter spielen wir weg“

von Redaktion

Bayerischer Crossover auf der Alm schiebt Regenwolken beiseite

Reit im Winkel – Das Chiemgau-Alm-Festival brachte mit der Band „Uferlos“ „die griabigste Boyband im Rupertigau“ – so die Eigenbeschreibung – auf die Terrasse des Hotels Sonnenalm auf der Winklmoosalm. Die Band und das Wetter machten den Nachmittag spannend. „Griabig“ beschrieben am Ende die Zuhörer den Auftritt, andere – der bairischen Sprache nicht mächtig – nannten ihn mitreißend.

Bereits vor Konzertbeginn füllte sich die großzügige Terrasse mit Ausblick auf die Winklmoosalm mit zahlreichen Gästen. Die Luft war warm, die Stimmung erwartungsvoll. Die Musiker hatten ihre Bühne im Winkel der beiden großen Terrassenflügel aufgebaut, bereit für ein akustisches Feuerwerk. Doch kaum erklangen die ersten Töne, meldete sich das Wetter eindrucksvoll zu Wort. Ein kräftiger Windstoß zwang das Personal dazu, Sonnenschirme einzuklappen und schwere Pflanzkübel in Sicherheit zu bringen. Die Band blieb unbeirrt. „Das Wetter spielen wir weg“, lautete die augenzwinkernde Ansage – ein Satz, der sich als Leitmotiv des Abends herausstellte.

Die Band „Uferlos“ steht für einen Musikstil, der sich mit einem Begriff zusammenfassen lässt: „Bavarian Crossover“. Die sechs Musiker verbinden traditionelle bayerische Klangfarben mit modernen Rock- und Pop-Elementen. Die Ziach, gespielt von Andreas Baumgartner, trifft auf prägnante Gitarrenriffs von Felix Hakke ins Knia“, Ramstötter und Rudi Schlosser. Saxofonist Stefan Schillinger setzt jazzige Akzente, während Bassist Philip Lindner und Schlagzeuger Sebastian Gafus das rhythmische Fundament liefern. Diese ungewöhnliche Mischung erzeugt einen Sound, der sowohl vertraut als auch überraschend wirkt – und vor allem mitreißt.

Das Publikum hörte ein pralles Programm, das die Band selbst als „uferlos“ beschrieb: Eigenkompositionen, Coverversionen und augenzwinkernde Medleys wechseln sich ab. Die Texte und Titel bairisch wie „Stammdisch Gschichtn“ oder „Da Irga“ bringen Humor auf die Bühne. Textzeilen wie „Bleim ma heid nu lenga kima nimma denga“ oder „Do hau i mir liaba a Hakke ins Knia“ zeigen: Uferlos nimmt sich nicht zu ernst. Die Musik ist verspielt, lebensfroh und dabei musikalisch sauber arrangiert.

Zehn Jahre machen das die Jungs aus Teisendorf, als Freunde fanden die sechs zusammen. Inzwischen ist „Uferlos“ längst eine musikalische Größe über ihren Gau hinaus. Die Routine ist ihnen anzumerken, doch ganz vorn steht für sie sichtlich die Gaudi. Humorvoll und im Stil der Songs auch die Zwischenmoderation, wechselnd vorgetragen. Ein kleines Sahnehäubchen auf den Nachmittag, vier Burschen, Freunde aus dem Teisendorfer Trachtenverein. Und als die Musiker ein mehr rockiges Stück so richtig Gas gaben, plattelte die vier schneidig, exakt und in unglaublicher Geschwindigkeit und Ausdauer, dass es nur so staubte. Der Beifall dafür gehörte ihnen ganz allein. Es sagt viel über die Qualität der Musiker und ihre Musik aus, dass es ihnen mühelos gelang auch die vielen Feriengäste einzufangen und mitzunehmen.

Nach einer guten halben Stunde zwang einsetzender Regen dazu, das Konzert in der Pause in den Innenraum des Hotels zu verlegen. Auch hier zeigte sich die Stärke der Band: Flexibilität, Nähe zum Publikum und ein Sound, der in jedem Raum funktioniert. Die Gäste rückten zusammen, es wurde enger – aber auch stimmungsvoller. Mit Songs wie „Sunst bast ois“, „Baywatch“ und dem „Wuaschbua Medley“ heizte Uferlos weiter ein. Selbst ein Klassiker wie „Nothing Else Matters“ erhielt durch die besondere Instrumentierung eine neue, überraschende Note.

Authentizität, Spielfreude und eine starke Verwurzelung in ihrer Heimat macht die Formation aus. Das Konzert auf der Winklmoosalm steht exemplarisch dafür. Eine Band, die keine Show abzieht, sondern Nähe schafft. Die sich selbst nicht zu wichtig nimmt, aber ihre Musik ernsthaft betreibt. Die aus Regen keine Panne, sondern ein gemeinsames Erlebnis macht. So klang der Nachmittag im Chiemgau Alm Festival mit dem Gefühl aus, dass Musik manchmal genau dann am meisten berührt, wenn alles ein bisschen anders läuft als geplant. Trotz des Wetters kann der Landkreis als Festival-Veranstalter auch mit diesem Termin äußerst zufrieden sein. lfl

Artikel 1 von 11