Traunstein/Österreich/Polen – Zwischen Juli und September 2024 büßten zahlreiche Baumärkte im Bundesgebiet, unter anderem in Traunreut, Garching an der Alz und Dorfen, teure Mähroboter auf zunächst unbekannte Weise aus ihrem Warenbestand ein. Drei geständige Mitglieder einer polnischen Bande aus Legnica verurteilte die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Volker Ziegler am Montag wegen gewerbs- und bandenmäßiger Urkundenfälschung in 19 Fällen sowie wegen gleich vieler Fälle des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs, davon sechs Versuchstaten, zu Freiheitsstrafen ohne Bewährung. Die höchste Strafe mit dreieinhalb Jahren Haft erhielt ein 51-Jähriger. Für zwei Jahre und neun Monate muss ein 29 Jahre alter Pole ins Gefängnis. Zwei Monate weniger bekam ein 53-jähriger Mitangeklagter. Die Strafen bewegten sich durchwegs in dem Strafkorridor, den die Prozessbeteiligten, darunter Staatsanwalt Dr. Simon Fink, bei einem Rechtsgespräch schon vor Verhandlungsbeginn diskutiert hatten. Die Zweite Strafkammer hatte bei Prozessauftakt im Gegenzug für werthaltige Geständnisse entsprechende Zusagen gegeben. Gemäß Urteil müssen die Täter neben den Verfahrenskosten einschließlich ihrer Kosten für ihre Verteidiger aus Berlin, Limburg und Düren gesamtschuldnerisch einen Wertersatz von 12814,08 Euro als Gewinn aus den Straftaten an die Staatskasse zahlen.
Die Bande hatte einen ausgeklügelten Plan entwickelt, wie die elektronischen Systeme der Baumärkte überlistet werden könnten. Mitte 2024 wandten die eigens aus Polen angereisten Angeklagten ihre Methode, an „günstige“ Mähroboter zu gelangen, dann vor allem in Bayern an, aber auch in anderen Bundesländern. 2023 waren sie auch schon in Österreich aktiv gewesen. Sie suchten in Eingangsnähe der Geschäfte einen Parkplatz für ihr Auto, gingen in die Märkte, kauften scheinbar lediglich Gartengeräte anderer Art für unter 100 Euro, hatten später jedoch einen jeweils bis zu über 1800 Euro teuren Mähroboter im Einkaufswagen und schafften die Beute anschließend in ihr Heimatland. Wie die Masche exakt funktionierte, sei hier wegen der Gefahr von Nachahmungstätern nicht verraten.
Tatorte waren zwischen Juli und September 2024 zahlreiche Baumärkte, darunter mehrere im Umkreis von München, in Ebersberg, in Südostbayern, in Nordbayern, aber auch in Hamburg und in anderen Bundesländern.
Die Anklageschrift umfasste zunächst 27 Tatkomplexe mit zum Teil mehreren Einzelvorfällen. Die Zweite Strafkammer stellte jedoch zahlreiche Delikte auf Antrag des Staatsanwalts und in Übereinstimmung mit den Verteidigern ein. Übrig blieben im Urteil letztlich 19 Einzelfälle. kd