Gollenshausen – Gollenshausen stand jüngst ganz im Zeichen alter DDR-Relikte. Gut einhundert DDR-Mopeds hatten den Weg in die Seegemeinde gefunden, um sich mit mehr oder weniger gut erhaltenen „Simson und Schwalbe“ zu präsentieren.
Die „Schwalbe“ ist ein Kleinkraftrad der ehemaligen DDR, das von Simson hergestellt wurde. Das VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ war ein volkseigener Betrieb in Suhl, einer kreisfreien Mittelstadt im fränkisch geprägten Süden des Freistaats Thüringen. Das Unternehmen stellte von 1968 bis 1990 unter anderem Zweiräder mit verschiedenen Markennamen her.
Ein herausragendes Ereignis in der Simson-Geschichte war die Produktion der Simson Schwalbe, die 1964 begann. Die erste Baureihenbezeichnung des Zweirades lautet KR51. Nachfolgemodelle waren dann die Simson S50 (ab 1975) und S51 (ab 1980).
Das Fahrzeug darf (mit Ausnahme von Re-Importen) in Deutschland trotz der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h als Kleinkraftrad mit einem Versicherungskennzeichen zulassungsfrei und in allen Bundesländern mit 15 Jahren (Führerscheinklasse AM) gefahren werden.
Das Portfolio an Zweirädern reichte von teils ur-gealterten Fahrzeugen bis zu gut restaurierten und motorisch modifizierten Schmuckstücken. Der Leistungsprüfstand von Markus Reiterberger – dem aktuell schnellsten Fahrer in der Langstreckenweltmeisterschaft – förderte bei manchen Gefährten so manche Überraschung zutage.
Hat eine serienmäßige S51 knapp vier Pferdestärken, so brachten „Unikate“ schon mal zwischen 18 und 20 PS auf den Prüfstand. Läuft ein Zweirad im Originalzustand um die 60 Stundenkilometer (km/h), liegen die Werte von modifizierten Fahrzeugen bei bis zu 150 Stundenkilometern in der Spitze. Auch beim maximalen Drehmoment differieren die Werte von 4800 im Werkszustand bis umgemodelt 14000 Umdrehungen pro Minute, so verschiedenste Messergebnisse. Nichtsdestotrotz erklärten die Besitzer im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung einhellig, dass diese Fahrzeuge natürlich nicht für den Straßenverkehr gedacht sind.
Wer sich nach einer teils weiten Anreise stärken wollte, den erwartete eine lukullische DDR-Spezialität: eine Soljanka. Deren Grundlage ist eine kräftige Fleisch- oder Wurstbrühe. Ihren Ursprung hat die würzige Speise in der ukrainischen, belarussischen und baltischen Küche. Typische Zutaten sind Paprika, saure Gurken, Zwiebeln und Tomatenmark, die der Suppe ihre charakteristische Würze und leichte Säure verleihen.
Am Ende des Tages gab es dann noch einige Pokale für unterschiedlichste Nominierungen zu verteilen. Einen für die weiteste Anreise von 109 Kilometern konnte sich Andreas Baumbach mit seiner Schwalbe KR51/2, Baujahr 1981, einheimsen. Mit ein paar Jahren mehr auf dem Buckel – nämlich Baujahr 1965 – konnte sich Manuel Brunner und seine „Simson Star“ den Preis für das „Älteste Fahrzeug“ sichern. Bei den Wertungen für „Höchste Motorleistung“, nämlich 18,9 PS, und „Höchste Motordrehzahl“, hier 13820 Umdrehungen pro Minute, mit jeweils einer Simson S51, standen Tom und Ronny auf den obersten Podestplätzen.
Einen Sonderpokal gab es für Frank Kiel, der mit seiner seltenen „Simson Duo“ – eine Art Krankenfahrstuhl mit reinem Handbetrieb – angereist war. Karl Wastl