Herrenchiemsee – Allein mit Fledermäusen auf der Herreninsel: Diese besondere Führung bietet das Priener Tourismusbüro seit über zehn Jahren acht- bis zehnmal jährlich an. Ein Reporter begleitete eine dieser Fledermauswanderungen und erlebte eine spannende Suche nach den nachtaktiven Säugetieren.
Bei angenehmen Temperaturen empfängt Inselbewohner und Fledermaus-Guide Stefan Syska die Gruppe direkt nach der Ankunft mit der letzten Fähre.
Garantien gibt
es keine
Er erklärt zu Beginn, dass es keine Garantie für Fledermaussichtungen gebe, da die Tiere in freier Natur leben. Sollte eine Fledermaus direkt auf jemanden zufliegen, sei es am besten, ruhig stehen zu bleiben. Dank ihres Ultraschall-Orientierungssinns weichen die Fledermäuse Hindernissen problemlos aus.
Syska erläutert, warum die Herreninsel ideal für Fledermäuse ist: wenig Störungen, kaum Autoverkehr, alte Bäume und Gebäude, viele Insekten und gute Orientierungsmöglichkeiten. Insgesamt leben 16 Fledermausarten auf der Insel, darunter die kleine Hufeisennase und das große Mausohr, beide heimisch im Neuen Schloss.
Auf dem Weg zum Schloss sehen die Teilnehmer zunächst andere Wildtiere wie Rehe und Hasen. An einem alten Baum mit ehemaligem Spechtloch, das Fledermäusen bereits als Quartier diente, herrscht noch Ruhe, da es zu hell ist.
Am Schloss angekommen, teilt sich die Gruppe: Einige besuchen eine kleine Fledermausausstellung im Innenhof, andere warten draußen und beobachten mögliche Fledermausausgänge. In der Ausstellung zeigen Bildschirme Liveaufnahmen aus dem Dachstuhl des Schlosses, wo große Mausohren und kleine Hufeisennasen zu sehen sind. Die Fledermäuse nutzen ein Schlupfloch vom Keller durch die Ausstellung ins Freie, doch während des Aufenthalts fliegt keine hinaus.
Im Dämmerlicht sucht die Gruppe anschließend rund um das Schloss nach Fledermäusen. Mit einem „bat detector“, der die Ultraschallwellen der Tiere hörbar macht, entdeckt die Gruppe schließlich unter einem Balkon ein Dutzend kleine Hufeisennasen auf Insektenjagd. Auch weiter unten, nahe dem Wasser, sind sie erfolgreich und beobachten Wasserfledermäuse bei der Jagd über dem Teich.
Syska, der seit fünf Jahren Fledermausführungen anbietet, berichtet, dass die Fledermauspopulation auf der Insel zunimmt: 184 kleine Hufeisennasen wurden zuletzt gezählt – 1991 waren es nur zwölf. Die Teilnehmer, aus nah und fern angereist, zeigen sich begeistert vom Erlebnis und der Atmosphäre auf der verlassenen Insel. Unter einem fast vollständigen Erdbeervollmond kehren sie zufrieden nach Prien zurück.
„Saugeil“, fasst ein Junge den Abend zusammen. Auch die Erwachsenen loben die besondere Stimmung und freuen sich über die erfolgreichen Beobachtungen. Der Reporter beendet seinen Abend entspannt auf dem Schiff mit Blick auf den ruhigen Chiemsee und die Insel – ein gelungener Abend in der Heimat.