„Lediglich eine Atempause“

von Redaktion

„Der Regen tut uns schon gut, aber die Böden sind einfach extrem trocken“ – Nach der Hitzewelle jetzt endlich der ersehnte Niederschlag: Bernhard Lederer, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Traunstein, befürchtet aber, dass in den Gewässern nicht viel Wasser ankommen wird. Wie wirkt sich die gesamte Wetterlage 2025 auf unsere Flüsse und Seen aus?

Traunstein – Die Behörde bittet dringend darum, Wasser aus oberirdischen Gewässern nur sehr eingeschränkt zu entnehmen oder besser ganz darauf zu verzichten. Letzte Woche warnte das Wasserwirtschaftsamt Traunstein noch vor zunehmender Wasserknappheit. Betroffen vor allem die Landkreise Traunstein, Altötting und das Berchtesgadener Land.

Tropfen auf
den heißen Stein

„Vor allem kleinere Gewässer, wie zum Beispiel der Höllenbach bei Waging, sind von der Trockenheit besonders betroffen“, erklärt der Leiter des Traunsteiner Wasserwirtschaftsamts, Bernhard Lederer, im Gespräch mit Chiemgau-Zeitung. Der Regen der letzten Tage sei dabei nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Viel würde davon in unseren Gewässern nicht ankommen: „Es bewahrt die Pegelstände zumindest vor weiterem Absinken.“ Ein Blick auf die Pegelmessstände zeigt. An der Messstelle Heilig-Geist in Traunstein ist der Pegel der Traun durch die aktuellen Niederschläge derzeit sichtbar gestiegen. Auch der, von der Trockenheit extrem betroffene Höllenbach bei Waging schwoll zuletzt um einige Zentimeter an.

Inwieweit sich das auf den Pegel und die Temperatur des Waginger Sees auswirkt, bleibt abzuwarten. Die Messung bei Buchwinkel zeigt noch einen rekordverdächtig niedrigen Wasserstand. Bei der derzeitigen Wetterprognose für die kommenden Tage würden die Pegel schnell wieder sinken. Der Regen lasse bereits wieder nach: „Der derzeitige Niederschlag verschafft uns eine kurze Atempause, mehr nicht.“ Auch der Niedrigwasserbericht des Bayerischen Landesamtes für Umwelt macht auf die nach wie vor alarmierende Situation aufmerksam.

Das Jahr 2025 sei bislang extrem trocken gewesen, so Lederer: „Wir haben seit Jahresbeginn nur circa zwei Drittel des Niederschlages, den wir in einem normalen Jahr verzeichnen.“ Mit normal ist der Mittelwert des aufgezeichneten Niederschlages der letzten 30 Jahre gemeint. In den bereits sehr trockenen Jahren der jüngsten Vergangenheit sei Wasserknappheit im Landkreis erst im August ein Thema gewesen, dieses Jahr betreffe es uns bereits früher. Auch das vergleichsweise nasse 2024 konnte laut Landesamt für Umwelt die Defizite in den Grundwasserständen nur mäßig ausgleichen. Auswirkungen hat die Trockenheit vor allem auf Flora und Fauna.

Laut Lederer müsse man zwischen kleinen und großen Gewässern dabei unterscheiden: „Der Waginger See zum Beispiel ist zwar derzeit in einem niedrigen Bereich und weist hohe Temperaturen auf, was zu Stress für Tiere und Pflanzen führt, viel kritischer ist die Lage aber bei kleinen Gewässern.“ Dort würde der Lebensraum dann oft auf ein Minimum reduziert, teilweise seien die Fließtiefen für Fische gar nicht mehr vorhanden. Dazu kommt ein anderer Effekt – der Sauerstoffmangel.

„In erster Linie sind für das Kippen eines Sees die Algenproduktion und der Sauerstoffgehalt verantwortlich“, erklärt Lederer. Eine übermäßige Zufuhr von Nährstoffen in Gewässer, auch Eutrophierung genannt, führt zu übermäßigem Algenwachstum, oft als Algenblüte bezeichnet. Dann verbraucht die Pflanze den Sauerstoff im See und das Gewässer kippt. Oft wird das noch durch den vermehrten Eintrag von landwirtschaftlichem Dünger verstärkt. In der Region sei dies aber bisher nicht der Fall gewesen, so Lederer.

„Zum Glück mussten wir hier noch kein massenhaftes Fischsterben miterleben“, so Lederer. Wichtig zur Durchmischung unserer Gewässer sei zum einen natürlich Niederschlag, aber auch Wind spiele eine zentrale Rolle, um Seen mit Sauerstoff anzureichern. Warme Seen bedeuten also Stress für die darin befindlichen Wasserorganismen. Aber wie sieht es mit uns Menschen aus? Können wir in unseren Seen bedenkenlos baden gehen? Das Traunsteiner Gesundheitsamt gibt Entwarnung.

„Sehr stabile
Wasserqualität“

„Im Landkreis Traunstein sind derzeit keine Seen bekannt, die bei hohen Temperaturen besonders schnell oder regelmäßig negativ auf die Wasserqualität reagieren. Auch in den vergangenen Jahren zeigte sich in den heimischen Seen eine sehr stabile Wasserqualität innerhalb der mikrobiologischen Grenzwerte.“ Also zwar bacherlwarm und nicht mehr wirklich für eine Abkühlung gut, aber bedenkenlos.

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