„Ein Novum, ich bin ein bisschen stolz“

von Redaktion

Die Stichwahl um das Amt des Traunsteiner Landrats ist geschlagen: Andreas Danzer von den Freien Wählern holt 54,6 Prozent und wird neuer Landrat. Martin Lackner (CSU) verbleibt bei 45,4 Prozent. Erstmals seit 1970 steht die CSU damit nicht mehr an der Landkreis-Spitze.

Traunstein – Andreas Danzer aus Grabenstätt ist der neue Landrat im Kreis Traunstein. In der Stichwahl am gestrigen Sonntag holte er 54,6 Prozent aller Stimmen. Der Kandidat der Freien Wähler setzt sich damit relativ klar gegen Martin Lackner von der CSU durch. Für ihn entschieden sich 45,4 Prozent.

Danzer wird damit Nachfolger von Siegfried Walch, der im Februar in den Bundestag gewählt wurde. Erstmals seit 1970 stellt die CSU jetzt nicht mehr den Posten des Landrats in Traunstein. „Es ist ein Novum, etwas für die Geschichtsbücher, da bin ich schon ein bisschen stolz“, so Danzer im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen gestern.

Anhänger lassen Sektkorken knallen

„Hey, hey, da Danzer macht’s“, stimmten Danzers Anhänger im Wahlstudio des Landratsamts an – und ließen die Sektkorken knallen. Entsprechend kurz ließ sich Wahlverlierer Martin Lackner, Bürgermeister von Engelsberg, im Landratsamt blicken. Aber selbstverständlich gratulierte auch er: „Ich wünsche Andreas Danzer alles Gute“, so Lackner. Mit seinem Wahlkampf in den letzten beiden Wochen, seit dem ersten Wahldurchgang am 29. Juni, war er trotzdem zufrieden: „Ich habe alles gegeben.“

Als einen Grund für seine Wahlniederlage nannte der CSU-Kandidat die niedrige Wahlbeteiligung. 31,3 Prozent aller Wahlberechtigten gaben am Sonntag ihre Stimme ab. Trotz der niedrigen Wahlbeteiligung schaffte es Danzer aber, den Rückstand auf Lackner aus dem ersten Wahlgang aufzuholen: Rund 13 Prozent Vorsprung hatte Martin Lackner da noch.

Südlich von Trostberg räumte Danzer ab

Jetzt fällt auf: Lackner schaffte es nur in neun Kommunen im Norden beziehungsweise Nordwesten des Landkreises, die meisten Stimmen zu holen. Südlich von Trostberg hatte überall der Kandidat der Freien Wähler die Nase vorn.

Beispiel Große Kreisstadt Traunstein: da holte Danzer 59,9 Prozent. In Ruhpolding, eigentlich eine CSU-Hochburg, waren es über 66 Prozent für den neuen Landrat, in Siegsdorf 67,1 Prozent. Und in seiner Heimat Grabenstätt holte der 52-Jährige fast 73 Prozent aller Wählerstimmen. „Gerechnet hab ich mit diesem Ergebnis nicht, aber natürlich gehofft“, so Andreas Danzer nach seinem Wahlsieg – „aber ich freu‘ mich!“ Schon im Wahlkampf habe sein Team immer ein gutes Gefühl gehabt und ihm rückversichert, dass er sich gut präsentiere. „Aber zum Schluss fangen die Nerven natürlich zum Flattern an.“

Als Erstes stehen nun wichtige Personalentscheidungen an, so der neue Landrat: Die Posten des Kämmerers und seines Stellvertreters müssen neu besetzt werden. „Aber das Allererste ist, dass jetzt mal meine Leute gelöst sind und wir heute mal ein Gläschen trinken oder zwei und mal alles sacken lassen.“

Noch im ersten Wahlgang waren die Karten recht klar zugunsten von Martin Lackner verteilt: Der CSU-Mann holte 32,9 Prozent, Danzer kam auf 20,1 Prozent. Danzer war schon seit elf Jahren, hinter Josef Konhäuser, Stellvertretender Landrat. In Grabenstätt ist er Zweiter Bürgermeister. Beruflich war Andreas Danzer bisher Firmenkundenberater im Außendienst. Wenn am morgigen Dienstag das amtliche Endergebnis feststeht, wird Andreas Danzer am Mittwoch offiziell das Amt übernehmen.

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