Traunstein – Zum Start des Demonstrationszuges trafen sich die Teilnehmer am Bahnhofsplatz. Von dort aus setzte sich der bunte Zug in Richtung Innenstadt in Bewegung und querte dabei sowohl den Maxplatz als auch den Stadtplatz. Anschließend versammelten sich die Teilnehmer beim Salinenpark, um dort mit bunten Rauchpatronen einen „Regenbogen über der Stadt“ entstehen zu lassen.
Für Vielfalt und Gleichberechtigung
Das letzte Stück des Weges nahmen die Teilnehmer über die Trauner Straße, ehe der diesjährige CSD im Bereich des „Café Festung“ in sein Rahmenprogramm überging. Der gesamte Zug marschierte als bunte und fröhliche Gruppe durch Traunstein. Viele hatten Fahnen oder Banner dabei, die für Vielfalt, Toleranz und Gleichberechtigung standen oder auf denen klare Statements gegen die „rechte Hetze“ zu lesen waren. Für Aufsehen sorgte auch in diesem Jahr eine Gruppe Dragqueens. Neben vielen staunenden Blicken von den Menschen in der Stadt waren auch immer wieder Applaus und Jubelrufe zu vernehmen.
Als einzigen Wermutstropfen bezeichneten mehrere Mitwirkende die Tatsache, dass das bunte Fest im Anschluss an den Demonstrationszug nicht wie geplant im Stadtpark stattfinden konnte, sondern kurzfristig an den Rand der Innenstadt verlegt werden musste. Als Grund wurden gestiegene Schutzmaßnahmen wie beispielsweise das Aufstellen großer Betonblöcke genannt und die damit verbundenen Kosten seitens der Veranstalter nicht aufgebracht werden konnten. Der Stimmung tat dies jedenfalls keinen Abbruch, wenngleich die Sichtbarkeit für die Öffentlichkeit dadurch deutlich eingeschränkt war. Unter den Kastanienbäumen luden zahlreiche Tische zum Verweilen ein, das Wirtshausteam kümmerte sich um die Verpflegung und zahlreiche Stände von Parteien und Organisationen luden zum Informieren und Diskutieren ein.
Nach der offiziellen Begrüßung durch die Hauptorganisatorin Fiona Sampson trat zunächst Thomas Stadler als Vertreter der Stadt Traunstein ans Mikrofon. „Mit dem diesjährigen CSD setzt ihr ein deutliches Ausrufezeichen zu den Feierlichkeiten rund um das Jubiläumsjahr 650 Jahre Stadtrechte in Traunstein“, freute sich der Stadtrat und betonte: „Traunstein ist bunt, offenherzig und tolerant, aber unsere Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit.“
In seiner Ansprache kritisierte Stadler die Aussagen der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner sowie des Bundeskanzlers Friedrich Merz bezüglich deren Äußerungen rund um die Regenbogenbeflaggung am Reichstagsgebäude. Abschließend appellierte er in Richtung der Organisatoren und Teilnehmer, „bleibt aktiv und schreibt weiter Stadtgeschichte“.
Moritz Maschinsky alias Dragqueen Morita Maschinella aus Berchtesgaden führte als witzig-spritzige Moderatorin durch das Rahmenprogramm und kündigte die unterschiedlichen Redebeiträge an. Zunächst informierte Lukas Hollering vom Dachverband der Queeren Jugend über die Aktion „QueerStart“. Dort hilft man insbesondere Jugendlichen auf dem Land, Gruppen zu bilden und diese am Leben zu erhalten.
Viel Applaus erntete Dragqueen Lilly Hightower für ihre Gesangs- und Tanzeinlage zum Lied „Du hast den Farbfilm vergessen“. Auch „Feli“ mit ihrer bunten Gitarre bekam für ihre musikalischen Beiträge viel Beifall. „Ich verstehe einfach nicht, warum man sich nicht einfach gegenseitig lieben kann“, fragte Sabine Strasser in die Runde und forderte mehr Engagement für Toleranz und Gleichberechtigung.
Luca Barakat, der Begründer und Hauptorganisator der ersten CSD in Traunstein, sagte: „Wir dürfen stolz sein auf das Erreichte, dennoch ist queeres Leben keine Verhandlungsmasse und kein Zirkus.“
Lisa Meier vom Offenen Antifaschistischen Plenum (OAP) Traunstein kritisierte zunächst den „Pferdeeinsatz“ der Polizei am Traunsteiner CSD und bezeichnete dies als „Tierquälerei“. Weiter mahnte sie: „Die CSD werden immer kommerzieller und deren Grundgedanke gehen mehr und mehr verloren.“ Mit einem sehr eindrücklichen Beispiel berichtete sie davon, wie queere Menschen verfolgt werden.
Für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten trat Lina Paulens ans Mikrofon. Sie erinnerte an das Kriegsende am 8. Mai „und damit das Ende des Naziterrors, in dem es unter anderem zu einer systematischen Ausgrenzung Homosexueller kam“. Sie kritisierte auch insbesondere die Aussagen von Björn Höcke, der immer wieder die Wiederentdeckung und Stärkung der Männlichkeit fordert. „Männer sind keine Wölfe und Frauen keine Gebärmaschinen“, betonte die Rednerin.
Abgerundet wurde das offizielle Programm von einer Podiumsdiskussion an der sich Florian Siekmann (MdL, Grüne), Peter Baumann (Volt), der Theologe Michael Brinkschröder, Avery Ortbauer (Linke) und Markus Aicher (SPD) beteiligten. Eloquent moderiert wurde die Runde von Morita Maschinella. Dabei kamen Themen wie das queere Leben auf dem Land und in Traunstein ebenso zur Sprache wie die Sichtweisen der Kirche, der Regierung oder Informationen über Gesetzesentwicklungen wie beispielsweise das Selbstbestimmungsrecht.
Polizei und Veranstalter zufrieden
Den Abschluss des diesjährigen CSD in Traunstein bildete eine After-Show-Party in den Räumlichkeiten des Café Festung. Neben den Hauptorganisationen von Queer Traunstein beteiligten sich auch die Queersteiger Berchtesgaden. Hierzu machte Maschinella explizit Werbung für den ersten CSD in Berchtesgaden, der am 16. August stattfinden wird. Ein Demonstrationszug wird um 14 Uhr vom Bahnhof zum Weihnachtsschützenplatz ziehen, wo es eine abschließende Kundgebung geben wird.
Sowohl die Veranstalter als auch die Polizei zogen am Ende ein sehr positives Fazit des diesjährigen Traunsteiner CSD. Lediglich bei den Teilnehmerzahlen gab es Abweichungen. Polizeieinsatzleiter Dominic Weber berichtete von „gezählten 250 Demonstranten“ und Fiona Sampson betonte „unsere Zählungen ergaben deutlich mehr als 350 Teilnehmende“. Die Polizei kümmerte sich um die Absicherung des Demo-Zuges. Dabei kamen neben einer Reiterstaffel auch Polizeifahrzeuge, aber auch Beamte auf E-Bikes zum Einsatz.