Unterwössen – Der international anerkannte Holzbildhauer Andreas Kuhnlein hat eine inklusive Führung für schwerhörige, taube und hörende Besucher in seinem Heimatort Unterwössen veranstaltet. Die Informations- und Servicestelle für Menschen mit Hörbehinderung Traunstein des BLWG organisierte das Angebot gemeinsam mit dem Gehörlosenverein Traunstein und Umgebung im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage.
Dank der Förderung durch das Landratsamt Traunstein konnte die Veranstaltung durch eine Gebärdensprach-Dolmetscherin begleitet und somit für gehörlose Teilnehmende barrierefrei gestaltet werden.
Während der Führung gewährte Andreas Kuhnlein Einblicke in seine Kunst, die er sich als gelernter Schreiner autodidaktisch angeeignet hat. Seine Werke, darunter lebensgroße Figuren und Tierdarstellungen, zeichnen sich durch eine zerklüftete, an Eiszapfen erinnernde Formensprache aus. Viele der Skulpturen wirken so agil, dass sie den Eindruck erwecken, im nächsten Moment zum Leben zu erwachen.
Kuhnlein legt besonderen Wert auf einen respektvollen Umgang mit dem Werkstoff Eichenholz, das er nach Sturmschäden erwirbt. Die Bearbeitung erfolgt mit einer Kettensäge, mit der er selbst ausdrucksstarke Mimiken in wenigen Minuten herausarbeitet. Seine Werke wurden bereits in über 200 Ausstellungen in sechzehn Ländern gezeigt, darunter in Kanada und China.
Thematisch beschäftigt sich Kuhnlein häufig mit Fragen der Gerechtigkeit und setzt sich in seinen Skulpturen sowohl mit der Zuneigung als auch mit den Schattenseiten menschlichen Verhaltens auseinander. Auch der kritische Umgang des Menschen mit Tieren findet in seinem Werk Ausdruck. Im Zyklus „Schein und Sein“ stellt Kuhnlein lebensgroße Persönlichkeiten und deren zerklüftete Pendants gegenüber, um die Kluft zwischen äußerem Erscheinungsbild und innerer Realität zu thematisieren.
Bis Herbst sind Ausstellungen von Andreas Kuhnlein auf der Burganlage in Burghausen sowie im Freigelände des Holzknechtmuseums in Ruhpolding zu sehen. Die inklusive Führung ermöglichte den Teilnehmenden einen direkten Austausch mit dem Künstler, zahlreiche Fragen und Einblicke in seinen Lebensweg, der seine Kunst maßgeblich prägt.