Neue Grundschule für Marquartstein

von Redaktion

Gemeinderat entscheidet sich mit großer Mehrheit für das moderne Konzept

Marquartstein – In einer außerordentlichen Gemeinderatssitzung sollte entschieden werden, ob die bestehende Grundschule saniert und erweitert oder ein Neubau der Grundschule auf dem ehemaligen Bahngelände im Ortszentrum geplant werden soll. Der Handlungsbedarf entstand durch die Entscheidung des Gesetzgebers, dass zum Schuljahr 2026/27 beginnend ab der ersten Klasse ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung besteht. Bürgermeister Andreas Scheck (Bürger für Marquartstein) klärte über den genauen Sachverhalt und die Situation für Marquartstein auf. Anspruch besteht auf acht Stunden Betreuung pro Tag, inklusive der Unterrichtszeit, Betreuung an fünf Werktagen und maximal vier Wochen Ferienschließung.

Platzbedarf
wächst stetig

Der Gemeinderat hatte bereits 2022 begonnen, sich Gedanken über die Deckung des damit verbundenen zusätzlichen Platzbedarfs zu machen. Derzeit nehmen 43 von 77 Grundschulkindern die offene Ganztagsschulbetreuung in Anspruch (55 Prozent Betreuungsquote). Laut dem Träger, der Diakonie Jugendhilfe, wären derzeit maximal 50 Kinder möglich.

Die Schülerzahlen für die nächsten vier Schuljahre (bis 2029/30) werden steigen, erwartet werden im nächsten Jahr 88 Schüler, 2027/28 dann 93 und 2028/29 schließlich 103 Schüler. Es wird ebenfalls prognostiziert, dass dann von der Möglichkeit der Ganztagsbetreuung mehr Gebrauch gemacht wird. Laut Empfehlung des Bayerischen Gemeindetags und des Jugendamts Traunstein ist mit einer Betreuungsquote von 80 Prozent zu rechnen.

Das bedeutet für die Marquartsteiner Grundschule: In den ersten beiden Klassen lässt sich mit den bestehenden Plätzen der Rechtsanspruch hinsichtlich der Plätze noch abdecken, wobei jedoch der Freitagnachmittag und die Ferienbetreuung vakant sind. Ab dem Schuljahr 2028/29 wären dann für 70 zu erwartende Kinder in der Betreuung zusätzliche Räume erforderlich.

Unklar ist die rechtliche Vorgabe zum Raumbedarf. Die Aussagen der Behörden gehen von einem Quadratmeter pro Kind bis 2,5 Quadratmeter pro Kind. Nimmt man als Berechnungsgrundlage zwei Quadratmeter, ergäbe sich bei 70 Kindern ein Raumbedarf von 140 Quadratmetern für den Aufenthaltsraum. Vorhanden sind im Dachgeschoss der Grundschule 77 Quadratmeter (inklusive Küche und Büro) sowie der ehemalige Werkraum mit 62 Quadratmetern, also insgesamt 139 Quadratmeter.

Durch die Umnutzung des Werkraums fehlt jedoch der Schule ein Raum für Musik und Differenzierung. Der Bürgermeister führte die jetzige Situation in der Grundschule auf, die etliche Probleme zeigt. Für das Schuljahr 2025/26 ist eine zweite erste Klasse prognostiziert (32 Kinder), das bedeutet bis einschließlich 2028/29 wäre eine Klasse zweizügig, aber es gibt keinen Raum zur Bildung einer etwaigen Kombiklasse. Ebenso gibt es keinen Besprechungsraum für Eltern, der Mehrzweck-/Turnraum ist nur begrenzt nutzbar, da er zu klein ist.

Eine Auslagerung des Sportunterrichts in die Turnhalle der Realschule ist möglich, jedoch aufgrund der langen Gehzeit wenig praktikabel. Laut Schulleitung gibt es generell zu wenig Platz in Nebenräumen, Lehrmittelraum und Putzkammer. Auch der Pausenhof, insbesondere der befestigte Teil, ist für die Anzahl der Schüler zu klein. Am östlichen Ende muss für die Zufahrt für eine Familie eine Fahrtmöglichkeit für das dahinterliegende Grundstück freigehalten werden. Es gibt keinen barrierefreien Zugang zu den Obergeschossen für Kinder mit Krücken, Integrationskinder können nicht geschult werden. Laut den Lehrern herrscht in den Räumen und Gängen eine schlechte Akustik, zusätzlich übertragen sich aufgrund der Fellbodendecken im Altbau die Geräusche in die darunterliegenden Klassenräume. Durch die schmalen Gänge und die Schulmöbel ist eine Umsetzung von neuen pädagogischen Konzepten nicht möglich. Die technische Gebäudeausstattung muss saniert werden, die energetische Verbesserung ist dringend notwendig (Dämmung Dach, Raumklima/Lüftung).

Der Schulweg ist aufgrund der Überquerung der Achenbrücke und durch die steile Burgstraße schwierig. Schon länger gibt es keine Möglichkeit Fahrräder an der Alten Dorfstraße vernünftig abzustellen. Aufgrund der Tonnagenbeschränkung und der eingeschränkten Wendemöglichkeit in der Burgstraße, wird für die Schülerbeförderung ein kleiner Bus benötigt, was bedeutet, dass mehrere Fahrten notwendig sind, um alle Schüler befördern zu können.

Andreas Scheck führte einen weiteren Punkt an, der auch in der folgenden Diskussion bei den meisten Gemeinderatsmitgliedern von größerer Relevanz war, nämlich die Möglichkeiten moderner Pädagogik in Schulen. Er zeigte mehrere Beispiele von der Grundschule/Kita in St. Martin im Gsiesertal und Claudia Kraus (Grüne/Offene Liste) führte die Lernhäuser in München auf. Diese neuen Konzepte ließen sich in dem jetzigen Grundschulgebäude nicht verwirklichen.

Der aktualisierte finanzielle Rahmen für eine Sanierung liegt für den verbleibenden Anteil der Gemeinde grob bei rund 4,4 Millionen Euro, bei einem Neubau verblieben gut sechs Millionen Euro als Anteil für die Gemeinde. Dabei ging man in der Kostenschätzung für den Neubau jedoch noch von einem solitären und komplett allein funktionierenden Schulgebäude aus. Durch die Möglichkeit, mindestens Erschließungsanlagen wie Treppenhäuser, Lift und Stellplätze gemeinsam mit dem Kindergarten nutzen zu können, ergäben sich jedoch Einsparmöglichkeiten, die noch nicht berücksichtigt sind, so der Bürgermeister.

In der anschließenden Beratung haben es sich die Gemeinderäte nicht leicht gemacht. Fast jeder hatte Argumente, Ideen, Meinungen, die in der eindeutigen Mehrzahl für einen Neubau votierten. Von allen wurden die zu erwartenden Synergieeffekte bei einem Neubau auf dem alten Bahngelände gemeinsam mit dem Kindergarten und Bürgersaal hervorgehoben. Das Bahngelände war schon lange eine „offene Stelle“, die nun eine sinnvolle Nutzung mitten im Ort erfahren kann.

Wettbewerb
wird vorbereitet

Am Ende der ausführlichen Diskussion entschieden sich die Gemeinderäte mit 14:2 Stimmen für den Neubau. Nun kann der Einstieg in die Ausarbeitung des Planungswettbewerbs beginnen. Dazu sind umfangreiche Abstimmungen mit den Trägern der Betreuungseinrichtungen und der Schulleitung angedacht.

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