„Eine niederschmetternde Situation“

von Redaktion

In der Mittelschule Chieming gibt es künftig keine sechsten und siebten Klassen mehr. Damit gibt es in der für stolze 13,2 Millionen Euro umgebauten Schule bis auf eine fünfte Klasse künftig keine Kinder oberhalb des Grundschulalters mehr. Was wird aus den restlichen Schülern? Die Reaktionen.

Chieming – Keine sechsten und siebten Klassen im Schuljahr 2025/2026 in der Mittelschule Chieming – diese Mitteilung des Schulamtes Traunstein hat die Gemeinde erschüttert. Ab September wird es deshalb nur noch eine fünfte Klasse geben – ansonsten werden hier keine Kinder oberhalb des Grundschulalters mehr lernen. Bürgermeister Stefan Reichelt (CSU) als Vorsitzender des Schulverbands Chieming und Sabine Ramming, Rektorin der Grund- und Mittelschule, nehmen nun dazu Stellung.

Weder genügend
Lehrer noch Schüler

„Wir haben im kommenden Schuljahr keine nachrückende neunte Klasse, denn bereits in diesem Schuljahr hatten wir keine achte Klasse“, sagt Ramming auf OVB-Anfrage, wie sich die Schule im kommenden Schuljahr 2025/26 zusammensetzen wird. Neben den bereits aufgelösten achten bis zehnten Jahrgangsstufen sollen im kommenden Schuljahr 2025/26 auch noch die sechste und siebte Klasse entfallen, weil es weder genügend Lehrer noch Schüler gibt.

Chieminger Schüler, die dem M-Zug angehören, besuchen die Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule in Traunstein. Auf die Frage, wie in der für 13,2 Millionen Euro umgebauten Schule nun die leer stehenden Klassenzimmer genutzt werden, sagt die Schulleiterin: „Aktuell planen wir die Belegung von Unterrichtsräumen für einen Deutsch-Intensivkurs für minderjährige Flüchtlinge mit ein.“

Ramming, die erst seit September letzten Jahres die Chieminger Schule leitet und nach acht Jahren Rektorentätigkeit an der Surberger Grundschule nun eine komplette Mittelschule führen wollte, spricht von einer „niederschmetternden aktuellen Situation“, die durch den Wegzug und den Schulwechsel in weiterführende Schulen von Chieminger Sprengelschülern entstanden sei.

Warum wurde für
viel Geld saniert?

Bürgermeister Reichelt erläutert, dass zum Sachaufwand vor allem die Aufwendungen für die Bereitstellung, Einrichtung, Ausstattung, Bewirtschaftung und Unterhaltung der Schulanlage und die Schülerbeförderung gehören. „Seit der Auflösung der siebten Klasse im letzten Schuljahr führen wir Gespräche mit dem Schulverbund und dem Schulamt, um den Schulstandort Chieming zu sichern. Der Wegfall der künftigen sechsten und siebten Klasse ist sehr schmerzhaft für uns, die Mittelschule bleibt jedoch als solche erhalten. Und wir werden uns weiter für den Erhalt einsetzen.“

Auf die Frage, ob es bei der aufwendigen Schulhaussanierung möglicherweise Planungsfehler hinsichtlich der Schulauslastung und -belegung gegeben habe, sagt Reichelt: „Für die Sanierung des Gebäudes wurde eine schulaufsichtliche Genehmigung erteilt. Ein Planungsfehler seitens der Verantwortlichen kann aus unserer Sicht ausgeschlossen werden“, so der Bürgermeister, der ebenfalls mit der momentanen Situation unzufrieden ist. Ziel sei es, von der bestehenden fünften Klasse ausgehend, in den kommenden Schuljahren wieder Klassen von der fünften bis zur neunten Jahrgangsstufe mit einer Regelbeschulung aufzubauen und den Mittelschulstandort in Chieming zu erhalten.

Auch der neue Traunsteiner Landrat Andreas Danzer (FW), der zuletzt als Zweiter Bürgermeister von Grabenstätt mit dem Schulverband Chieming-Grabenstätt beschäftigt war, äußerte sich auf Anfrage: „Klar ist, das Kernproblem liegt in der unzureichenden Schülerzahl – eine Herausforderung, die sich trotz intensiver Bemühungen vor Ort nicht abwenden ließ. Für das kommende Schuljahr lassen sich kurzfristig keine organisatorischen Änderungen mehr umsetzen. Mittelfristig gilt es, tragfähige Lösungen zu entwickeln. Die Umsetzung schulorganisatorischer Maßnahmen liegt in der Zuständigkeit des Staatlichen Schulamts. Sachaufwandsträger sind die Mitgliedsgemeinden des Schulverbands, Chieming und Grabenstätt. Wo ich als Landrat unterstützen und helfen kann, werde ich das tun – im Schulterschluss mit den Bürgermeistern und den heimischen Abgeordneten im Bayerischen Landtag.“

Von den fünf gewählten Mitgliedern des Elternbeirats der Mittelschule wollte sich nur Michael Zink-Eder zur aktuellen Situation äußern. Als Vater von zwei Kindern aus der ersten und dritten Klasse stehe ihm die Grundschule näher als die Mittelschule. „Die neue Schulleiterin kann am wenigsten dafür, dass die Schülerzahlen der Chieminger Mittelschule schrumpfen“, so Zink-Eder. Für ihn liege das Problem darin, dass sich die Schüler bereits in der vierten Klasse für einen Übertritt ans Gymnasium oder die Realschule entscheiden müssen, sodass in der fünften Klasse nur noch ein Drittel des Schülerpotenzials an der Mittelschule verbleibe. Diese könnten auch in den Folgejahren noch den Übertritt an die weiterführenden Schulen erreichen. „So entstehen Situationen, wie in Chieming momentan.“

Elternbeirat gegen
Kombi-Klassen

Für Zink-Eder ist wichtig, dass es in der Grundschule keine Kombi-Klassen gibt, wie das bereits der Fall war. Es habe in Chieming bereits Klassen gegeben, in denen Schüler aus der dritten und vierten Jahrgangsstufe in eine gemeinsame Klasse kamen. „Die Lehrkraft war dann für zwei Jahrgangsstufen in einer Klasse gleichermaßen zuständig.“

Das sei zwar momentan kein Thema an der Schule, aber das Elternbeiratsmitglied möchte die Möglichkeit nutzen, um darauf hinzuwirken, dass dies auch in Zukunft keine Option mehr sein dürfe, wenn Schülermangel in einer Klassenstufe der Grundschule herrsche. Das schade den Schülern, die in der vierten Klasse im Wettbewerb um den Übertritt an weiterführende Schulen stehen, so Zink-Eder.

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