Bereits zwei Dutzend Trauerkisten spenden Trost

von Redaktion

Symbole, Texte und Materialien zur Krisenbewältigung – Projekt der Seniorenpastoral im Landkreis Traunstein

Traunstein Lachen, gemeinsam essen, spielen, aber auch aus dem Leben gehen, loslassen, verabschieden, Trauer und Tod gehören zum Alltag in den Seniorenheimen. In Absprache mit den Heimleitungen bietet die Seniorenseelsorge im Landkreis Traunstein Verabschiedungs- und Sterberituale an, je nach Wunsch von der Konfession unabhängig gemeinsam mit den Angehörigen am Bett des Verstorbenen. Das hiesige Seniorenseelsorge-Team um die Religionspädagogin Waltraud Jetz-Deser macht dies mit Unterstützung der haupt- und ehrenamtlichen Seelsorger in der Region möglich.

Liegt ein Seniorenheimbewohner im Sterben, steht in den Heimen neben dem Pflegepersonal und den Mitarbeiterinnen der sozialen Betreuung auch eine Pflegefachkraft mit Palliativausbildung zur Verfügung. Fachkräfte aus dem SAPV-Team (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung) werden je nach Bedarf hinzugezogen. Die seelsorgerliche Begleitung ist ein Bestandteil in diesem Dienst und klinkt sich je nach Bedarf und Situation ein.

Auf die nun umgesetzte Idee einer Trauerkiste brachte Jetz-Deser und ihr Team ein Pflegedienstleiter, der sich für sein Heim eine Art „spirituelle Ausrüstung“ für jede Station gewünscht hat. „Wir machten uns dann im Team Gedanken, was alles in so einer Kiste sein sollte und entschieden uns für christliche Symbole, Kreuz, Engel, Weihwasser, ein Türschild, aber auch Symbole wie ein Herz, Stein, Feder, Halbedelsteine und auch ein kleines Licht“, so Jetz-Deser. Weil Seelsorger nicht immer vor Ort sein könnten, liege in der Kiste auch eine Mappe mit Texten zu einer christlichen und weltlichen Verabschiedung. Auch eigene Texte zur Verabschiedung von Bewohnern im Wohnbereich sind darin zu finden.

Die Seniorenseelsorgerin im nördlichen Landkreis, Christina Fraunhofer, betont, dass das Denken an einen verstorbenen Mitbewohner, verbunden mit dem Ablegen eines kleinen Edelsteines bei seinem Bild, allen ein Trost sein könne und das Leben des jeweiligen Mitbewohners wieder herhole. Auch der Gedanke „wenn ich hier versterbe, denken meine Mitbewohner an mich“, tue vielen Sterbenden gut. Monika Kraus, Seniorenseelsorgerin für das Kreisaltenheim Palling, bemerkt, dass man ganz bewusst einfache Holzkisten gewählt und auf natürliche Materialien gesetzt habe. Inzwischen seien schon rund 30 Trauerkisten in diversen Heimen im Landkreis verteilt worden und die Nachfrage sei weiterhin groß. „Uns ist es ein großes Anliegen, dass die Inhalte der Trauerkiste verwendet werden. Je mehr Infos dazu bekannt sind, umso eher ist dies der Fall“, betont die Seniorenseelsorgerin im Traunsteiner Bereich, Barbara Burghartswieser. Ihr zufolge biete man auch eine Einführungseinheit für Pflegekräfte und Mitarbeiterinnen der Sozialen Betreuung zum Trauerkisten-Projekt an, das den Titel „… und immer wieder kommt der Bruder Tod“ trägt. Mit Bildern, Texten und im Gespräch setzen sich hier die Teilnehmer mit ihren eigenen Erfahrungen zum Thema Tod, den Erfahrungen im Heim und den unterschiedlichen Abläufen im Falle eines Todesfalls auseinander.

„Die Trauerkiste ist so schön und hochwertig, so etwas hat uns gefehlt“, betont die Leiterin der Sozialen Betreuung im Kreisaltenheim Grabenstätt, Michaela Hillebrand, und ergänzt, dass sie die Dinge der Trauerkiste im Verabschiedungsraum aufgestellt habe, wo jetzt dadurch eine ganz andere Atmosphäre entstanden sei. Nadine Albrecht, stellvertretende Pflegedienstleiterin im Seniorenheim St. Martin Waging am See, freut sich über die fünf erhaltenen Trauerkisten: „Die Symbole und auch die schriftlichen Handreichungen unterstützen uns, gerade wenn kein Seelsorger anwesend sein kann, unsere Bewohner gut zu verabschieden.“

Das alles sei ganz wichtig, denn „unser Kreislauf des Lebens von Geburt bis zum Tod braucht Rituale. Rituale stärken, helfen mit Symbolen und Zeichenhandlungen, die Knotenpunkte im Leben zu deuten, besser zu verstehen, einen Raum der Weite zu öffnen, Dank und Bitte an ein größeres Ganzes zu geben, und können Trost und Hoffnung in der Trauer spenden“, meint die Seniorenpastoral-Leitung Jetz-Deser, die per E-Mail wjetz-deser@ebmuc.de oder auch unter der Telefonnummer 08681/4793630 zu erreichen ist. mm

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