Grassau – „Jung gefreit, nie gereut“, dieses Sprichwort dürfte auf das Ehepaar Erika und Wolfgang Watzl aus Grassau, die nun seit 60 Jahren verheiratet sind, passen. „Ich würde sie immer wieder heiratet“, so lautet die wohl schönste Liebeserklärung, die ein Mann seiner Ehefrau geben kann.
Er, Wolfgang Watzl, hat seine Frau bereits mit 17 Jahren kennengelernt, in einer Zeit, als er persönlich auf der Suche nach seiner eigenen beruflichen Orientierung war, die Lehre als Kfz-Mechaniker unterbrochen hatte und für wenige Wochen in den „Radio Körting Werken“ sein Glück versuchte. Gerade in dieser kurzen Zeitspanne ist ihm seine Erika nicht nur über den Weg gelaufen, sondern war zudem seine Chefin. Er ein Jugendlicher von 17 Jahren und sie eine junge Frau von 21 Jahren lernten sich zwar kennen, kamen damals aber noch nicht zueinander. „Mir war er einfach zu jung“, so Erika. Es vergingen vier Jahre und Wolfgang ließ nicht locker, meldete sich immer wieder bei der Angebeteten, bis diese ein Einsehen hatte und dem jungen Mann eine Chance gab. Für Wolfgang stand damals schon fest: „Diese eine oder keine“ und so wurden kurze Zeit später Nägel mit Köpfen gemacht und in Salzburg geheiratet. „Wir hatten beide nichts und so gab es nur eine kleine Hochzeit mit zwölf Leuten. Vormittags Standesamt im Mirabell-Garten und nachmittags kirchliche Trauung in der Franziskaner Kirche. Wolfgang Watzl kann sich noch genau an diesen besonderen Tag erinnern, an die schöne Kirche und an den großgewachsenen Pater mit dem Loch in den Socken. Etwas Besonderes war die Hochzeitsreise nach Belgien. Erika Watzl berichtet, dass sie als Kind zweimal ein halbes Jahr nach Belgien verschickt wurde. Mit fünf Kindern zu Hause gab es nur wenig zu essen und unterernährte Kinder durften nach Belgien und wurden dort aufgepäppelt. Ihr gefiel es dort sehr gut und sie schloss viele Bekanntschaften und Freundschaften, die sie dann während ihrer Hochzeitsreise traf.
„Sie brachte eine Schlafcouch und ich meine Oma mit in die Ehe“, erzählt Wolfgang Watzl. Sein Glück war, das sich seine Lieblingsfrauen immer gut verstanden hatten, was das Zusammenleben vereinfachte. 1967 erhielten sie dann eine der Wohnungen, die für die Mitarbeiter der Körting-Werke gebaut wurden, großzügig geschnitten und ideal für eine Familie. Das war auch notwendig, denn die Familie wuchs und neben der Oma gehörten bald auch zwei Mädels zur Familie. Die beiden erzählen von ihren Töchtern und sind glücklich über das gute Verhältnis, auch zu den drei Enkelkindern, die immer wieder gerne zu Besuch kommen.
Es gab Höhen und Tiefen, die gemeinsam überstanden wurden. So berichtet Wolfgang Watzl von einem Unfall, der seinen Arm steif werden ließ und wie er sich zurück ins Leben kämpfte. Er erzählt, wie beide strebsam arbeiteten und wie gut die Kinder von der Oma betreut wurden. Zu seinen schönsten Erinnerungen zählt zudem die Zeit als ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Roten Kreuz München. Nicht einfach war die Zeit, als Erika in Grassau arbeitete und die Kinder versorgte, während er in Schwabing ein Lokal führte. So oft als möglich, kam er nach Grassau zur Familie. Während der Energiekrise hatte er sogar eine Sondergenehmigung und durfte auf der leeren Autobahn fahren. Ein Erlebnis, dass sich heutzutage viele wünschen würden.
Die beiden sind ein eingeschworenes Team. „Wir haben uns auch gestritten“, sagt Watzl. „Aber wir haben uns auch immer wieder vertragen und sind nie im Streit schlafen gegangen.“ Diesen Rat hat er auch an alle Ehepaare. Nie im Streit auseinandergehen, immer alles ausdiskutieren und sich jeden Tag morgens und abends „a Busserl“ geben. tb