Risiken durch Regenmassen

von Redaktion

Erdrutsche, Schäden, Sperrungen – Heftige Schäden in der Region

Landkreis Traunstein – Welche Gewalt die seit Tagen über das Alpenvorland hereinbrechenden Regenmassen haben, hat der Sturz eines 16-Tonnen-Kettenbaggers in einen Rottauer Bach bewiesen. Doch auch in den Wäldern der Region gibt es heftige Schäden und ein wachsendes Gefahrenpotenzial. Das bestätigt Joachim Keßler, Forstbetriebsleiter bei den Bayerischen Staatsforsten der Chiemgau-Zeitung.

Erdrutsch
reißt Bäume mit

„Oberhalb der Stelle, wo der Bagger in den Bach gefallen ist, gab es einen Erdrutsch. Da ist der Teil eines Hangs abgerutscht und hat zwei, drei Bäume mitgerissen“, berichtet Keßler. Zudem gebe es in der Region zwei weitere „Rutschungen, die Wege verschlammt“ hätten. Das ist aber nicht das einzige Problem, was der Waldexperte bei Ortsbegehungen in den Forsten mit seinem Team festgestellt hat. „Es gibt an verschiedenen Stellen Unterspülungen. Wir haben auch zwei Brücken in Forstwegen identifiziert, die für den Schwerlastverkehr vorerst gesperrt werden. Das muss sich erst ein Ingenieur anschauen, wie stabil das noch ist“, erzählt der Forstbetriebsleiter.

Er appelliert eindringlich an Radler und Wanderer, auf Sperrungen von Forstwegen zu achten und bei Ausflügen in den Wald generell sehr aufmerksam zu sein: „Es besteht die Gefahr von Abstürzen von Material und auch von größeren Löchern durch Unterspülungen.“ Betroffen von den Sperrungen seien besonders Forstwege, auf den noch mehr ins natürliche Umfeld eingepassten Wanderwegen gäbe es bislang nur punktuell „Auswaschungen“: „Dort kann das viele Wasser einfach besser versickern.“

Der Schwerpunkt der Unwetterfolgen im Wald befinde sich laut Keßler besonders im Achental in den Bereichen Rottau, Marquartstein und Schleching sowie in der Bergregionen um Kampenwand und Geigelstein. Allein dort seien Schäden zwischen „200000 und 300000 Euro“ identifiziert worden. Aber das könnte erst der Anfang sein, denn die Begutachtung der Wälder im Landkreis Traunstein geht weiter. In diesen Tagen wird das Gebiet der Traun bei Ruhpolding überprüft, auch dort seien Schäden zu erwarten. Die Beseitigung aller Unwetter-Folgen werde „mehrere Wochen“ dauern.

Und das Regenwetter „hat noch lange nicht fertig“. Es soll noch die gesamte Woche weitere Niederschläge geben. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat eine Warnung vor Ausuferungen und Überschwemmungen herausgegeben.

„Aufgrund starker Niederschläge im Einzugsgebiet der Tiroler Achen sowie der Traun sind die Pegelstände stark angestiegen. Der Pegel Staudach (Tiroler Achen) hat die Meldestufe 1 erreicht. Mit einem Erreichen der Meldestufe 2 wird aktuell nicht gerechnet. Für den Pegel Hochberg (Traun) wird derzeit nicht mit dem Erreichen von Meldestufen gerechnet“, hieß es zuletzt.

Auch das Berchtesgadener Land ist betroffen: Der Wasserstand entlang der Saalach könne noch steigen, hieß es. „Der Meldebeginn beim Pegel Unterjettenberg ist erreicht. Das Erreichen der Meldestufe 1 kann nach aktuellen Prognosen nicht ausgeschlossen werden“, teilte das Wasserwirtschaftsamt weiter mit.

Waldboden
ist wassergesättigt

Joachim Keßler sieht die derzeitige Wetterlage nicht als „Weltuntergang“, zumal zuvor immer über die große Trockenheit gejammert wurde: „Aber der Waldboden ist jetzt wassergesättigt, deshalb könnte es durch neuen Regen weitere Schäden geben.“ Generell aber habe der Wald schlimmere Muren-Abgänge wie zuletzt in den Alpen verhindert: „Wir brauchen diese intakten Bergwälder und renaturierte Moore, weil sie das Wasser bei starken Niederschlägen zurückhalten und nur dosiert wieder abgeben.“ Sonst werden dramatische Unwetter-Folgen weiterhin zunehmen.

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