Traunstein – Die Kräfteverhältnisse im Traunsteiner Stadtrat verschieben sich: Robert Sattler verlässt die Fraktion SPD/Die Linke. Schon bei der jüngsten Stadtratssitzung saß er nicht mehr in ihren Reihen. Sattler wechselt zur Fraktion der Unabhängigen Wähler (UW) und gehört ihr dann offiziell ab 1. September an. Sattler im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung: „Ausschlaggebend ist für mich der Linksruck der SPD im Bund. Auch wenn ich nur im Traunsteiner Stadtrat der Fraktion angehöre und kein Parteimitglied bin: Ich will für die SPD nicht mehr die Nase hinhalten.“
Sattler stellt klar: „Mit Traunstein hat das nichts zu tun, für die Stadträte tut es mir eher leid. Und auch mit Denis Holl hab‘ ich mich immer gut verstanden.“ Die elf Jahre in der SPD-Fraktion seien für ihn ein Genuss gewesen. Namentlich stellt er vor allem die Zusammenarbeit mit Traudl Wiesholler-Niederlöhner heraus oder die „guten Ratschläge“, die er von Alt-Oberbürgermeister Fritz Stahl bekommen habe. Traunsteins SPD-Fraktionschef Peter Forster bedankte sich im Stadtrat mit einem Geschenkkorb bei Sattler für die „jahrelange vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit“.
Selbst bezeichnet sich Robert Sattler als „konservativen Sozialdemokraten“. „Seine“ SPD sei jene der ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt oder Gerhard Schröder gewesen. Ihr eigentliches Klientel, nämlich Arbeiter und Angestellte, habe die Partei nicht mehr im Fokus, meint Sattler – „dagegen eher gut verdienende Akademiker“. An der UW, seiner neuen Fraktion, schätzt Sattler die „ideologiefreie Politik“, die besser zu ihm passe. Auch bei den nächsten Kommunalwahlen im März 2026 will er sich über die UW-Liste um ein Stadtratsmandat bemühen.
Ernst Haider, Fraktionschef der UW im Stadtrat, freute sich: „Wir werden unseren lieben Kollegen Sattler sehr herzlich willkommen heißen.“ Haider stellte klar, es habe kein „Abwerben“ und keinerlei andere „Vorfälle“ gegeben, die zum Fraktionswechsel führten. Die Fraktion von SPD und Die Linke hatte bisher fünf Sitze, die UW vier. Jetzt hat sich das Kräfteverhältnis zugunsten der Unabhängigen umgekehrt. Nach CSU und Grünen sind sie damit drittstärkste Kraft im Traunsteiner Stadtrat.
Robert Sattler war bisher Stadtratsreferent für die Stadtgärtnerei, den Waldfriedhof und Forst. Weil der Posten der Fraktion von SPD und Die Linke zusteht, wird Sattler diese Aufgabe verlieren.
„Ich habe darauf hingewirkt, dass jetzt auch Nicht-Traunsteiner bei uns beerdigt werden können“, schaut er zurück. Und Robert Sattler hofft, dass durch sein Engagement auch neuen Bestattungsformen wie Naturbestattungen künftig mehr Platz gegeben wird: „Die klassischen Erdbestattungen machen nur noch zehn Prozent aus.“
Peter Forster wird es sein, der das Referat übernimmt. Der Stadtrat stimmte geschlossen dafür. xe