Rimsting/Chieming/Bernau/
Übersee – Am vergangenen Samstag flog der Hubschrauber im Auftrag des AUV (Abwasser- und Umweltverband) Chiemsee gezielt bestimmte Bereiche um den Chiemsee ab und brachte per Luftfracht den Einsatzstoff Bti aus (wir berichteten). Koordiniert wurde der Einsatz von Matthias Beck von KAPS. Biologe Hans Jerrentrup, ebenfalls von KAPS, erklärte die Bedeutung der Schöpfproben, der Topographie des Chiemseegeländes und dass vermutlich Milliarden an Stechmücken der Region erspart bleiben.
Dieses Mal hat alles gepasst: Der Abwasser- und Umweltverband Chiemsee (AUV), in dem elf Chiemsee-Gemeinden zusammenarbeiten, hatte aufgrund der Starkregenereignisse und des damit verbundenen Anstiegs des Chiemsees schnell reagiert und in Kooperation mit der gemeinnützigen Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnackenplage (KAPS) zum richtigen Zeitpunkt mit den Schöpfproben in den neuralgischen Bereichen in Ufernähe angefangen. Hans Jerrentrup und Helfer waren rund um den Chiemsee unterwegs, nahmen Gewässerproben und stellten schnell fest, dass die Anzahl der Larven die Marke 50 pro Liter oft um das Vierfache überstieg. Rechnet man die Anzahl der Larven in den Schöpfproben hoch auf Kubikmeter, dann schlummern in den Hochwasserfeuchtgebieten, Mulden und Senken Milliarden an Mücken. Aber ausschlaggebend waren, nicht nur der Larvenbefund in den Schöpfproben und das Wetter, sondern auch der Wasserstand der Alz in Seebruck, dem einzigen Ausfluss des Chiemsees.
Dieser muss die Marke von 1,5 Meter erreichen, dann ist das Zeitfenster auf wenige Tage beschränkt, an dem ein Einsatz mit dem Mittel Bti erfolgversprechend ist. Im vergangenen Jahr waren zwar auch diese Auflagen erfüllt, denn die Hürden sind hoch, damit es überhaupt zu einem Einsatz des Hubschraubers mit dem großen Füllbehälter kommen kann. Doch das Personal für die Erfüllung des Auftrags war im Rheingebiet im Einsatz und so kam, was kommen musste: Milliarden von Stechmücken suchten die Gebiete rund um das „Bayerische Meer“ heim und plagten Mensch und Tier.
Der Heli startete in Chieming am Bauhof und flog mehrfach das untersuchte Gebiet zwischen Chieming und Grabenstätt ab. Der große Behälter wurde dazu immer wieder von Mitarbeitern des Chieminger Bauhofs, von KAPS und Quirin Schwaiger vom AUV mit dem kristallinen Eisgranulat befüllt.
Neben Andreas Fenzl, Vorsitzender des AUV und Rimstinger Bürgermeister, waren auch Stefan Reichelt, der Chieminger Bürgermeister, Armin Krämmer (Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee) und Andreas Friedrich, Rathaus-Chef der Marktgemeinde Prien beim Einsatz vor Ort beziehungsweise an den Landeplätzen des Hubschraubers.
2020 kam Bti das letzte Mal zum Einsatz und Biologe Jerrentrup erklärte im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, dass aufgrund der Topographie der seenahen Umgebung auch heuer davon auszugehen sei, dass man nicht alle Brutstätten erwischt habe. Bei dieser unglaublichen Menge blieben zwangsläufig immer noch Hunderttausende übrig, „besser als die Milliarden an Schnacken ohne den Bti-Einsatz“, meint er. Der AUV vertraue dabei auch auf die Expertise der KAPS, die schon seit Jahrzehnten jedes Jahr im Einsatz ist. Der AUV schreibt dazu auf seiner Homepage: „Die Bti-Methode bekämpft gezielt die Larven der Stechmücken und schadet keinem anderen Lebewesen. Auch werde den Vögeln oder Fröschen die Nahrungsgrundlage dadurch nicht entzogen. Die giftige, tödliche Wirkung des Präparates entfaltet sich erst im Zusammenspiel mit dem Stoffwechsel der Larve selbst – nötig dazu ist das Zusammenspiel von Larven eigenen Verdauungsenzymen, Protein-Untereinheiten und Zellrezeptoren an den Darmwänden der Mückenlarven. Somit stellt die Anwendung des Bti-Proteins die bislang umweltschonendste Methode der Stechmückenbekämpfung dar. Der aktive Wirkstoff von Bti ist ein Eiweißkristall (Endotoxin), der von den Bakterien im Laufe ihres Lebenszyklus produziert wird. Um wirksam werden zu können, muss das Protein von den Mückenlarven gefressen werden.“
Die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnackenplage e.V. ist ein eingetragener und als gemeinnützig anerkannter Verein. Die Mitglieder sind Gebietskörperschaften in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz.