Bernau – Den Osterhamer Bach im Süden Bernaus an der B305 Richtung Rottau kennt die Feuerwehr Bernau ziemlich gut. „Sobald die Hochwassergefahr hier in der Region größer ist, sind wir dort regelmäßig vor Ort“, sagt Kommandant Stefan Huber der Chiemgau-Zeitung. Es sei nicht der Bach an sich, der Probleme bereitet, sondern ein alter Salinenstollen, durch den das eigentlich harmlose Gewässer fließe. Fazit: Bei großen Regenmassen kommt der Tunnel an seine Grenzen. 2020 und 2024 sorgte Hochwasser für schwere Schäden bei der Familie Garnreiter. Unter ihrem Grundstück, auf dem sie mehrere Ferienwohnungen betreibe, verläuft der Stollen.
Viel Geld „für
nur eine Partei“
2019 entschied das Bayerische Umweltministerium, dass das Rosenheimer Wasserwirtschaftsamt (WWA) für den Wildbach zuständig ist. Auch im verrohrten Bereich. Erst im Mai 2025 schloss das WWA umfangreiche Sanierungsarbeiten am Stollen ab. Geplante Kosten waren dafür rund 210000 Euro. Zuvor wurde bereits ein Gitter angebracht, damit keine Gegenstände – wie Äste – in den Stollen gelangen und es dadurch zu Verstopfungen im Tunnel kommt. Außerdem wurde ein Teil des oberen Tunnels geöffnet, dieser Bereich war akut einsturzgefährdet.
Das WWA teilte der Chiemgau-Zeitung im Februar mit, dass es bereits deutlich mehr Ressourcen in den Osterhamer Bach stecke, als es eigentlich müsste. „Wir sind für die Unterhaltung von Wildbächen zuständig. Dabei verfolgen wir den Zweck, dass eine Gewässerunterhaltung auch ökologische Ziele haben soll. Wir sind eigentlich dafür da, Gewässer aufzuweiten“, sagte Dr. Hadumar Roch vom WWA im Februar. Dazu komme, dass das WWA mit öffentlichen Geldern arbeitet. Das Geld muss daher möglichst effizient eingesetzt werden. „Es ist sehr fraglich, ob wir gegenüber der Regierung oder dem Ministerium begründen können, Hochwasserschutz nur für eine Partei zu betreiben“, so Roch.
Die Arbeiten hatte das WWA rechtzeitig vor einer möglichen Hochwasser-Saison abgeschlossen. Beim letzten großen Regen musste Gottfried Garnreiter erstmals in diesem Jahr die Bernauer Floriansjünger rufen. „In dieser Nacht sind wir von einer Hochzeit heimgekommen und haben schnell festgestellten, dass das Gitter am Tunnelausgang kurz davor war, dichtzumachen“, beschreibt Garnreiter die Situation. Um 2.30 Uhr wurde die Feuerwehr angefordert, eine halbe Stunde später konnte sie das Gitter öffnen. „Als wir ankamen, stellten wir fest, dass das Gitter ein bisschen verstopft war. Das waren Äste und Gewächszweige, also alles, was vom Berg runterkommt“, berichtet Einsatzleiter Huber und schildert das weitere Vorgehen: „Wir haben uns gesichert, haben das Gitter aufgeschraubt und dann war der Abfluss wieder frei.“
Am Gitter am Eingang des Stollens könnten Äste einfach rausgezogen werden, wenn dieses droht zu verstopfen; durch das Gitter am Ausgang könne aber nicht durchgegriffen werden. Ob er das Gitter für sinnvoll halte, wollte Huber nicht kommentieren.
Eine deutliche Antwort darauf gibt Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber: „Das ist nicht gut, ich finde das nicht zielführend.“ Wenn sich Dinge am Ausgang des Gitters verkanten und die Feuerwehr „dahin krabbeln muss, dann ist das saugefährlich, wenn sie den Auslauf aufmachen muss. Das kann es eigentlich nicht sein“.
Deshalb forderte die Bürgermeisterin das WWA per Post dazu auf, das Gitter wieder abzunehmen. „Mit einem Brief hat es vielleicht eine dringlichere Wirkung“, hofft die Bernauer Rathauschefin. Dabei geht es Biebl-Daiber in erster Linie um ihre Feuerwehr: „Es kann nicht sein, dass sie dadurch in eine gefährliche Situation kommen. Das sind meine Leute.“ Auch die Gemeinde Bernau ist nicht untätig, was den Hochwasserschutz am Osterhamer Bach angeht. In diesem Jahr wurde oberhalb des Messeschmiedgrabens ein Kiesfang eingerichtet. Dieser habe am Gefahrentag gut funktioniert. Die Feuerwehr habe das fast komplett mit Kies gefüllte Becken geleert, da weitere Regenfälle angekündigt waren. Auch Feuerwehr-Kommandant Huber lobt den Kiesfang. Gekostet hat das die Gemeinde rund 75000 Euro, das WWA förderte das Projekt.
Gefahr für die
örtliche Feuerwehr
„Wir sind sehr dankbar für die Arbeit der Feuerwehr. Die Gemeinde hat in dieser Nacht ebenfalls Mitarbeiter zur Verfügung gestellt, die auch zum Reinigen des Gitters anrückten. Das war hilfreich“, äußert sich Garnreiter gegenüber der Chiemgau-Zeitung, fügt aber auch hinzu: „Doch besser wäre es gewesen, gar nicht erst in die Situation kommen zu müssen. Das Gitter am Tunnelausgang hat keinen Sinn. Eine Reinigung ist schier unmöglich.“ Das Gitter sei vom WWA bereits wieder verschlossen worden. „Das sehen wir inzwischen als klaren Angriff gegen uns und als Vorsatz.“ Das WWA reagierte bislang nicht auf Fragen der Redaktion.