Übersee – Stehende Ovationen, begeisterte Rufe und Tränen in den Gesichtern auf der Bühne – mehr Emotionen wären nach einem derartig fulminanten Abend im Festzelt nach der „Feldwieser Roas“ kaum möglich gewesen. Es war ein gelungener Abschluss einer wunderbaren Gaufestwoche mit vielen Höhepunkten. Die Feldwieser Trachtler zeigten mit Filmemacher Stefan Erdmann, wie schön die Welt ist, aber in der Feldwies ist ihr Zuhause, ihre Wurzeln, weltoffen und allen Nationen zugewandt.
Historische Bilder
aus 110 Jahren
Drei Stunden perfekte Unterhaltung wurden geboten, und den Beginn machte die Trachtenvorsitzende Marianne Jauernig mit einem Dank an alle Paten, Freunde und Unterstützer und versprach „einen Abend mit einer Komposition aus Film, Musik und Tanz“, und sie sollte ihr Versprechen einhalten. Sie lobte den Zusammenhalt im Verein, der es möglich machte, so viel zu schaffen, während im Hintergrund Bilder von den Vorbereitungen liefen. „Wir waren viel unterwegs und so kam die Idee mit einem Hut voller Erinnerungen, gefunden auf dem Dachboden des Wirtshauses ‚d´Feldwies‘, um die Gäste mit auf eine besondere Reise zu nehmen“, so die Vorständin.
Mit historischen Bildern aus der 110-jährigen Vereinsgeschichte überraschten die Feldwieser zu Beginn ihrer filmischen Reise. Thomas Hintereder moderierte humorvoll die Bilder, die den Verein Anfang 1906 noch klein, dann aber 1923 bei der ersten Fahnenweihe schon bedeutend größer zeigten. „Man sieht den Leuten den Stolz auf die Heimat, das Dorf, die Feldwies an“, so Hintereder. Deutlich wurde, dass die Kinder auch in frühen Jahren immer zum Verein dazugehörten, wie auf den Bildern zu sehen war. Und schon früh zeigten die Feldwieser gelebtes Brauchtum, ihre Tänze und Plattler beim Campingplatzfest genauso wie im Schloss Herrenchiemsee. So wie damals tanzte dann auch die Kinder- und Jugendgruppe und sang das Gaufestlied mit ihrem Motto „A scheene Zeit mit guade Leit“.
Dann ging es über zum Hauptfilm. Wie in jeder Gemeinde, so gibt es auch in der Feldwies Plätze, die für Kinder tabu sind. Doch drei der Feldwieser Kinder halten sich nicht an das Verbot und stöbern in einem Stadel in Laxgang, finden dort einen alten Koffer voller Erinnerungen und mit einem besonderen Hut, der voller Anstecker aus unterschiedlichen Ländern ist. Diesen Trachtenhut bringen sie dann zum Gaufest. Nach diesem Einspieler liefen die Kinder auf die Bühne und übergaben Thomas Hintereder den Koffer, der die Kinder dann auf eine Reise durch die Welt mitnahm.
Bereits 1950 waren die Trachtler, damals mit dem Reisebus Kastner, bis hoch in den Norden der Republik unterwegs und tauschten Strandkorb gegen Bierbank. Doch damit wurde die Reiselust der Feldwieser erst recht geweckt und so zog es diese 1976 nach England. Es folgten wunderschöne Filmsequenzen von England, von London und zu jedem Ziel gab es lustige Anekdoten, beschrieben von Zeitzeugen. So wurde im Studentenwohnheim, in dem die Trachtler untergebracht waren, im zehnten Stock die Feldwieser Fahne gehisst. Bereits in den 1960er-Jahren hatte es die Vereinsmitglieder immer wieder in das Folklorefest nach England gelockt und hier trafen sie auf Trachten anderer Länder, wobei immer ein Festumzug aller Nationen der Höhepunkt war und die Feldwieser Deutschland vertraten.
Dass die Völkerverständigung auch zu Missverständnissen führen konnte, wurde belegt. 1989 folgte eine Reise nach Irland zum Folklorefest und auch da gab es bei einem Auftritt eine lustige „Watschenbegegnung“. Von 1965 an waren die Feldwieser insgesamt 14-mal in England und Irland zu Gast, wobei immer das Mühlradl gezeigt wurde, wie auch beim Festabend im Zelt.
Auch in Deutschland waren die Feldwieser gern gesehene Gäste, traten in München und Düsseldorf auf und wurden so einst nach Nordrhein-Westfalen in den Ort Greffen eingeladen. Es entwickelte sich dabei eine Freundschaft. Geschwärmt wurde von der Gastfreundschaft, von der familiären Unterbringung und Umsorgung in Greffen. Allerdings, so wurde berichtet, wollten immer wieder Leute in den Gamsbart am Hut fassen und so wurde die Mähr, es handle sich um Intimhaare, verbreitet, was zu einem Vergleich der Gamsbärte führte und die Gäste im Saal äußerst amüsierte. Sechs unvergessliche Aufenthalte in Greffen wurden gezählt.
Zehnmal um
die Erde gereist
In den 60er-Jahren ging es auch nach Frankreich, nach Grenoble und nach Paris. Schorsch Schobersteiner vollführte dort einen legendären Handstand. Nach Frankreich zog es die Trachtler dann in das 16255 Kilometer entfernte Australien. Hier durfte man 1972 als Botschafter für die Olympischen Spiele in München unterwegs sein. Von Australien war es dann für die Feldwieser nicht mehr weit nach Übersee, nach Amerika. Zwei Wochen lang brachten sie den Amerikanern bayerische Kultur näher. Nach diesen großen Reisen zog es die Feldwieser nach Europa zurück und in die Partnerstadt der Gemeinde Übersee-Feldwies nach Monte San Biagio und schließlich nach Spanien. Erdmann zeigte hierzu wunderschöne Ansichten von Italien und Spanien. So haben die Trachtler seit den 50er-Jahren insgesamt 400000 Kilometer zurückgelegt und sind damit zehnmal um die Welt gereist. Unter anderem waren sie auch im Reich der Mitte, in China, stets streng bewacht.
Der Festabend war so ganz anders. So unterhaltsam und aufschlussreich, ohne große Reden, ohne chronologische Auflistung der Ereignisse, vielmehr zugewandt und mit viel Herz, der perfekte Abschluss einer außergewöhnlichen Woche.