Parkplatzstreit am Bahnhof Bernau

von Redaktion

Räte diskutieren Pendlerdruck, Gebühren und Sofortmaßnahmen

Bernau – Schon mehrfach war die Parkplatzsituation am Bernauer Bahnhof Thema im Gemeinderat. Sogar eine Bachelor-Arbeit der TH Rosenheim wurde zu dem Thema im Herbst 2023 erstellt, und doch tat sich wenig. Die letzte Sitzung vor der Sommerpause nutzte Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) nun, um Sofortmaßnahmen vorzustellen und den Beschwerden, sei es hinsichtlich zugeparkter Straßen oder verstärkter Kontrolle und Ahndung durch die Polizei Prien, Herr zu werden.

Viele Autos mit
einem „TS“

Sie benannte mehrere Problemstellen: Im Gegensatz zu den Nachbargemeinden Übersee und Prien gibt es in Bernau noch kostenlose Parkmöglichkeiten. Zudem beginnt ab Bernau das Tarifsystem des MVV, und die Anzahl der Parkplätze auf beiden Seiten des Bahnhofs ist begrenzt. „Jedes zweite Auto hat ein Traunsteiner Kennzeichen.“ Die Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2023 könne man für ein längerfristiges Konzept heranziehen, aber im diesjährigen Haushalt sei „kein Geld für eine Erweiterung des Parkplatzes eingestellt“.

Deswegen schlage die Verwaltung vier Sofortmaßnahmen vor: ein Halteverbot auf der Seite der Bahnhofstraße, um den Durchgangsverkehr sowie den Buswendeplatz zu entlasten, sowie ein weiteres Halteverbot auf der Seite Eichet „An der Bahn“, da dort landwirtschaftliche Fahrzeuge nicht mehr um die Kurve fahren können. Bereits erlassen wurde am Bahnhofplatz ein absolutes beidseitiges Halteverbot, das auch im Kurvenbereich gilt: „Das wird jedoch immer wieder ignoriert.“ Es werde geprüft, ob hier Pfosten oder Pflanztröge das Parken erschweren und ob drei Parkautomaten inklusive Parkgebühr von zwei Euro pro Tag helfen. Dies könnte auch für angrenzende Straßen gelten, für Anwohner gebe es dann allerdings ein Sonderzeichen „frei mit Anwohner-Parkausweis“.

Verwaltungsintern gebe es weitere Vorschläge zur Schaffung von zusätzlichen Parkplätzen wie das Umstellen der Container am bestehenden Parkplatz und die Einrichtung von Querparkern auf der Verkehrsinsel am Bahnhof.

Matthias Vieweger (CSU) kritisierte die Vorschläge als „Schmarrn und null durchdacht“. Es sei doch zu begrüßen, wenn Pendler vermehrt den Zug und weniger das Auto nutzten. Die Maßnahmen seien eher „Abschreckung“. Die Bürgermeisterin wollte wissen: „Was sind denn Ihre Vorschläge?“ Die Verwaltung wolle den Gemeinderat mitnehmen.

Thomas Herian (BL) forderte, über einen anderen gebührenpflichtigen Parkplatz nachzudenken. 2027 stehe die Bahnstreckensanierung an: „Das gibt uns Zeit zum Überlegen.“

Ulla Zeitlmann (Grüne) meinte, dass Radlboxen wichtiger als Autoparkplätze seien. Franz Schnaiter (CSU) begrüßte die zwei Euro Parkgebühr und schlug vor, die Fläche hinter der Pankofer Straße zu pachten.

Jakob Müller (CSU) wollte Längsparken auf der Ostseite der Bahn zugestehen. Auch seien provisorische Parkplätze an der Chiemseestraße bei der Bahnbrücke durchaus möglich. Biebl-Daiber sagte: „Das können wir prüfen.“ Die Fläche hinter der Pankofer Straße werde aber teils als Lagerfläche für die Bahnsanierung 2027 gebraucht. Mit einer Parkgebühr könnte man Pendler eventuell wieder bewegen, in Übersee zu parken. Im Übrigen habe das Gremium schon einmal eine Parkgebühr diskutiert. Und was Radlboxen betrifft: Diese seien möglich und „förderbar, aber teuer.“

Um die Diskussion zu beenden, dröselte sie das Meinungsbild im Gremium in mehrere Beschlussvorschläge auf. Die schwierige Parkplatzsituation im Bereich des Bahnhofs und dass eine grundsätzliche Ertüchtigung der Parkplatzsituation während der Sanierung der Bahnstrecke – abhängig von der Haushaltslage – anzustreben sei, wurde mit 14:2 angenommen.

Mit 2:14 wurde der Vorschlag abgelehnt, kurzfristig Parkplätze auf der Verkehrsinsel zu errichten. Der Errichtung von Längsparkmöglichkeiten an der Straße „An der Bahn“ auf Höhe des östlich endenden Bahnsteigs stimmten 13 von 16 Gemeinderäten zu. Mit einer Gegenstimme stimmte das Gremium für die Errichtung von Halteverboten „An der Bahn 4 bis 12“ zu.

Vielzahl an
Abstimmungen

Einstimmig befürworteten die Gemeinderäte Parkmöglichkeiten rechts unterhalb der Brücke Chiemseestraße (südlich der Bahnstrecke). Die Verwaltung soll die rechtliche Möglichkeit dafür prüfen. Schließlich wurde noch einstimmig der Beschlussvorschlag angenommen, mit dem Grundstückseigentümer über die Flächen an der Pankofer Straße zur Nutzung als Parkplätze zu verhandeln.

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