Grassau/Rottau – Das Obergeschoss des Torfbahnhofs in Rottau bot mit der Torfballenpresse im Hintergrund und dem Geruch nach Eisen, Schmieröl und alten Werkzeugen die ideale Kulisse für das Programm. Das ehrenamtliche Team des Torfbahnhofs hatte alles perfekt vorbereitet und den unerwarteten Ansturm der Zuhörer bestens gemeistert. Wetterbedingt musste die Veranstaltung in den Torfbahnhof verlegt werden, obwohl das Generalthema der diesjährigen Chiemgauer Kulturtage „Kunst im Freien“ lautete.
Eine große Zuhörerschaft war gekommen, um Annette Hartmann und Matthias Ruff sowie die Musiker Wolfgang Diem und Johann Schmuck (Alphorn und Posaune) und den Akkordeonspieler Stefan Fußeder zu erleben.
Zu Beginn untermalten die Alphörner das von Annette Hartmann vorgetragene Gedicht „Der Knabe im Moor“ von Annette von Droste-Hülshoff mit einem improvisierten Klangteppich. Erzählerin, Erzähler und die Musiker hatten ihr Programm hervorragend aufeinander abgestimmt. Den Moorgeschichten aus aller Welt standen ausgefallene Musikstücke gegenüber. Eine moderne Komposition für Alphorn-Duo von Robert Zollitsch („Ha!“) löste den Jägerchor aus dem „Freischütz“ ab. Vom Drachenmoor in der Schweiz erklang die Weise „Uf de Krienseregg“ von Franz Fähndrich. Der „Tanz der Geister“ aus dem „Moos
Ruef“ von H. J. Sommer begegnete sängerisch gespielten Melodien des Akkordeons. Die Künstler überraschten mit der Vielseitigkeit ihrer Instrumente.
Die Mischung aus Musik und Geschichten gelang. Annette Hartmann und Matthias Ruff erzählten gruselig-spannende Geschichten aus den Moorgegenden in England, Japan, Tibet und Bayern, eingebettet in eine Rahmengeschichte von einer Gruppe von Menschen, die sich zu Forschungszwecken in einer Hütte im Moor traf. Die Kombination der Erzählungen auf Bairisch (Ruff) und auf Hochdeutsch (Hartmann) funktionierte gut. Die Geschichten dieser Weltreise reihten nächtliche Schrecken in Nebelfeldern aneinander, geheimnisvolle Begegnungen, seltsame Erscheinungen, beängstigende Verwandlungen, das Auftauchen guter und boshafter Tiere, tückische Moosgeister, die die „Frau Mond“ gefangen nehmen und die Erde ins Dunkel stürzen.
In vielen Ländern herrschen Mythen und Märchen über das Moor. Reale Welt und Illusionen vermischten sich und verwirrten die Menschen. Im Publikum regte sich Unruhe: Was ist wahr, was ist unwirklich? Die beiden Erzähler präsentierten ihre Geschichten gekonnt und lebendig, sodass die Zuhörerschaft gebannt lauschte. Das Ambiente des Torfbahnhofes tat sein Übriges. Es war ein gelungener Abend im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage.ugr