Zwei Wochen Zwangspause

von Redaktion

Hochwasser am Chiemsee legt Fischerhütte lahm

Prien – Alle Jahre wieder geht der Chiemsee im Hochsommer bei entsprechenden Regenfällen oder bei später Schneeschmelze im Einzugsbereich der Tiroler Achen über. Das weiß jeder, der in Ufernähe wohnt.

Alle Jahre wieder hat Familie Reiter dann Zwangsurlaub. Ihre Fischerhütte mit Biergarten ist nur einen Purzelbaum vom Seeufer entfernt. Und bei Hochwasser nicht zu erreichen. Es sei denn in Gummistiefeln. „Und wer geht schon mit Gummistiefeln in den Biergarten? I ned!“, kommentiert Michael Reiter, der Seniorchef. Deswegen ist der Biergarten an der Fischerhütte auch schon seit 26. Juli geschlossen.

Fische
eingefroren

Brigitte und Kathrin Reiter, die sich um Fischerhütte, Biergarten und Fischverkauf kümmern, haben sofort, als sie merkten, der See geht über, dicht gemacht und alles, was kaputtgehen könnte – Kühlschränke, Eistruhe und so weiter – hochgestellt. Und das Schiff, mit dem sie zum Fischen hinausfahren, umgeparkt. Denn auch der Fischverkauf, den Mutter und Tochter über die Fischerhütte abwickeln, liegt derzeit auf Eis.

Genau wie die gefangenen Fische. Die wurden fangfrisch eingefroren, „die können wir gut brauchen, wenn wir wieder aufmachen“, sagt Brigitte Reiter. Angesichts der schwärmerischen Kommentare in den sozialen Netzwerken über die „sensationellen Steckerlfische“ ist der große Bedarf kein Wunder.

Familie Reiter hofft darauf, dass ihr das Glück im Unglück hold bleibt. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist gut, bis zu 31 Grad sind vorhergesagt. Der See geht langsam zurück. Ein Gewitter sei jetzt nicht dramatisch, sagt Michael Reiter. Ausschlaggebend ist laut Reiters die Tiroler Achen – und deren Pegel fällt. Laut Hochwassernachrichtendienst Bayern zwar nur um etwa zwei Zentimeter pro Stunde, aber immerhin. „Wenn es so weitergeht, sind wir am Wochenende wenigstens von einer Seite wieder zu erreichen“, sagt Brigitte Reiter. Dann sind zwei Wochen Zwangspause vorbei. Vergangenes Jahre waren es zweimal acht Wochen unfreiwilliger „Urlaub“.

Mutter und Tochter stiegen am vergangenen Mittwoch in ihre Gummistiefel und schauten sich die Lage an: Nur die Bänke im Biergarten hatten nasse Füße, die Hütte ist unversehrt. Es gab Jahre, da sah es anders aus. Kathrin Reiter erinnert sich lebhaft an 2013: „Da stand alles unter Wasser!“ Dieses Mal nicht. Denn Glück im Unglück für die Ufer-Anrainer des Chiemsees war auch, dass der See bis zum Beginn des Dauerregens sehr niedrig war. „Er konnte viel Regen aufnehmen“, sagt Brigitte Reiter.

Sonderration
gegen Steckmücken

Hoher Wasserstand heißt in der Regel: Mückenalarm. In Armlänge zum Seeufer erst recht. Da bliebe wohl manch einer der 450 Plätze aus Angst vor den kleinen Blutsaugern leer. Reiters haben vergangenes Wochenende schnell reagiert: Als der bti-Einsatz bekannt wurde, haben sie bei den Verantwortlichen um eine extra Portion Granulat gebeten – und es auch bekommen. „Hilft, wenn man die Verantwortlichen kennt“, sagt Michael Reiter und grinst.