Rege Diskussion um begrünte Dächer in Chieming

von Redaktion

Grasbewuchs statt naturrote Ziegel – Gemeinderat genehmigt nach längerer Debatte Bauantrag

Chieming – In der jüngsten Gemeinderatssitzung in Chieming wurde vom Gremium einvernehmlich eine Stellplatzsatzung für Kraftfahrzeuge erlassen. Die bislang staatlich geregelte Pflicht zur Herstellung von Stellplätzen und Spielplätzen werde ab dem 1. Oktober 2025 auf die Kommunen übertragen, informierte Bürgermeister Stefan Reichelt. Um den Bedarf an Stellplätzen im Gemeindegebiet auch künftig zu decken und die Parkplatzsituation nicht zu verschärfen, schlage die Verwaltung vor, eine entsprechende Satzung zu erlassen, so Reichelt weiter.

Dies sei insbesondere deshalb erforderlich, weil der Gemeinde nicht ausreichend öffentliche Parkflächen zur Verfügung stehen. „Mit dem Erlass der Stellplatzverordnung soll sichergestellt werden, dass auch künftig bei Bauvorhaben auf den jeweiligen Grundstücken ausreichend Stellplätze geschaffen werden und damit die geordnete städtebauliche Entwicklung sowie die Interessen der Bürger gewahrt bleiben.“

Stellplatzsatzung

ab Oktober in Kraft

Im Folgenden wurde die „Satzung zur Einführung einer Pflicht zum Nachweis von Stellplätzen für Kraftfahrzeuge“ von Bürgermeister Reichelt vorgelesen und anschließend einvernehmlich durch den Gemeinderat genehmigt. Die Satzung tritt ab Oktober in Kraft.

Vom Gremium einstimmig beschlossen wurden weiterhin zwei Bauanträge in Laimgrub und Chieming. Auf dem Grundstück Laimgrub 1a wurde der Errichtung eines Carports mit einer Grundfläche von 18 Quadratmetern zugestimmt. Dem Bauantrag auf Errichtung eines Einfamilienwohnhauses mit Carport auf dem Grundstück Theresienstraße 13a in Chieming gab der Gemeinderat ebenfalls grünes Licht.

Auch einer Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplanes „Weißkreuzäcker“ bezüglich Überschreitung der Firstrichtung, der Dachdeckung, der Grundflächenzahl und der Baugrenze wurde zugestimmt. Zu einer längeren Diskussion im Gemeinderat führten allerdings vorab die geplanten begrünten Dächer des Einfamilienhauses und des Carports, weil es eine solche Dachgestaltung im Gemeindegebiet von Chieming bisher noch nicht gibt.

Dem Antragsteller Fabian Willmes, der Fachmann auf dem Gebiet von begrünten Dächern ist, wurde von Bürgermeister Reichelt in der Gemeinderatssitzung Gelegenheit gegeben, sich zu äußern. Das Einfamilienwohnhaus hat eine Grundfläche von 127,72 Quadratmetern, eine seitliche Wandhöhe von 6,04 Meter und ein begrüntes Satteldach von 18 Grad Dachneigung. Der Carport ist auf einer Grundfläche von 33 Quadratmetern angelegt, die seitliche Wandhöhe beträgt 3,05 Meter. Hier ist ein begrüntes Flachdach von zwei Grad Neigung geplant.

Ein mögliches
Vorzeigeprojekt?

„Die Abstandsflächen überschreiten auf der Nordseite die Grundstücksgrenze. Eine Abstandsflächenübernahmeerklärung der Eigentümer des Grundstückes Theresienstraße 13b über 17,01 Quadratmeter liegt vor“, führte Reichelt aus. Der Bebauungsplan „Weißkreuzäcker“ setze eine Grundflächenzahl von maximal 0,30 fest. Die Grundflächenzahl werde um 0,12 überschritten. Zudem setze der Bebauungsplan eine andere Firstrichtung und eine Dacheindeckung aus naturroten Dachziegeln fest. Das geplante Wohnhaus überschreite zudem in Richtung Süd-Westen die Baugrenze in einer Tiefe von einem halben Meter. „Wegen Überschreitung der Festsetzungen im Bebauungsplan ist eine Befreiung erforderlich“, erklärte Reichelt.

Zweiter Bürgermeister Markus Brunner (UW) äußerte sich zur geplanten Begrünung der Dächer. Ihm gefielen begrünte Dächer grundsätzlich nicht, sagte er, auch mit anthraziten Dächern könne er sich nicht anfreunden. Er halte an einer Dacheindeckung mit naturroten Dachziegeln fest. „Mir ist auch kein Ort eingefallen, wo ein begrüntes Hausdach besteht“, so Brunner. Er habe auch über den ökologischen Sinn eines solchen Daches nachgedacht. Dabei stelle er sich die Frage, wie es mit Solaranlagen und der Schneelast auf solchen Dächern ausschaue. Andererseits, so Brunner, wolle er hier auch kein mögliches Vorzeigeprojekt der Zukunft verhindern, das womöglich über Chieming hinaus bekannt werde.

Elisabeth Heimbucher (Grüne) verwies auf eine Bekannte im Raum Regensburg, die mit einem begrünten steilen Hausdach schon seit 35 Jahren sehr zufrieden sei. Einmal sei es dort etwas nass eingegangen, aber das könne bei einem anderen Hausdach auch passieren. „Auf einem begrünten Dach wachsen auch keine Bäume, sondern kleines Gras“, so Heimbucher weiter. In Waging habe sie bereits eine Halle mit einem begrünten Dach gesehen.

„Des is‘ gar
ned greislig“

Bernhard Hecht (Grüne) fragte, ob es Beispiele gebe, wo ein begrüntes Dach nicht mehr gepflegt ausschaue und deshalb nicht stimmig in das Ortsbild passe. Darauf antwortete Franz-Xaver Mayer (BBW): „Meine Schwester hat ihr Garagendach auch begrünt, aber des is‘ gar ned greislig, wenn man vorbeifährt.“

Dritter Bürgermeister Josef Mayer (CSU), Gärtnermeister und Chef eines Gartenbaubetriebes, fügte hinzu: „Bei Verwendung von magerem Substrat wird es nicht so weit her sein mit der Pflege und Wucherung.“ Der Vorteil eines begrünten Daches bestehe darin, dass die Vegetation für ein ausgeglichenes Hausklima sorge: „Im Sommer ist es kühler, im Winter muss man weniger heizen. Ich möchte das Projekt ausdrücklich unterstützen“, so Josef Mayer.

Zuletzt wurde dem Bauherrn Fabian Willmes selbst noch Gelegenheit gegeben, sich zu äußern. „Das Dach ist begeh- und pflegbar. Die Solaranlage wird geständert aufmontiert, die Mehrkosten liegen etwa beim Doppelten gegenüber einem herkömmlichen Dach“, sagte Willmes auf Nachfrage. Ein begrüntes Hausdach sei bis zu einer Dachneigung von 45 Grad möglich, so der Antragsteller abschließend.

Arno Zandl

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