Siegsdorf – Eine umfangreiche Tagesordnung erwartete die Mitglieder des Siegsdorfer Gemeinderates und die zahlreich erschienenen Zuhörer in der jüngsten Sitzung vor der Sommerpause. Neben der Bekanntgabe der endgültigen Jahresrechnung für das Haushaltsjahr 2024 mussten gleich mehrere Bauleitverfahren und Satzungsbeschlüsse bearbeitet oder gestartet werden.
Kämmerer Josef Bauer legte in einer sehr übersichtlichen Zusammenfassung die endgültigen Zahlen der Jahresrechnung für das Haushaltsjahr 2024 vor. Das Rechnungsergebnis von circa 75 Millionen Euro gliederte sich in den Verwaltungshaushalt mit einem Volumen von 52 Millionen Euro und den Vermögenshaushalt mit einem Umfang von 23 Millionen Euro und liegt damit um gut fünf Millionen Euro niedriger als im vergangenen Jahr.
Vermögenshaushalt
sinkt stark
Wie Bauer dazu erläuterte, lag der Verwaltungshaushalt etwa auf dem Niveau des Vorjahres, der Vermögenshaushalt hingegen verringerte sich um 17,33 Prozent. Die laufenden Einnahmen der Gemeinde blieben aber auch 2024, trotz der Gewerbesteuersenkung von 340 auf 300 Punkte, auf einem hohen und stabilen Niveau. Die Gewerbesteuereinnahmen (30,5 Millionen Euro) trugen dabei problemlos alle laufenden Ausgabenbereiche und bleiben somit die zentrale Säule der Haushaltsfinanzierung. Auch die weiteren Einnahmebereiche zeigten sich stabil.
Besonders seien hier die Steigerungen bei den Zinseinnahmen (1,55 Millionen Euro) für das gut angelegte Rücklagenkonto zu erwähnen, freute sich der Kämmerer.
Wie in allen Kommunen gingen und gehen die Ausgaben des Verwaltungshaushaltes aber deutlich nach oben. Neben der Kreisumlage (9,6 Millionen Euro), die aufgrund einer Hebesatzerhöhung und einer Steigerung der Umlagekraft deutlich angestiegen ist, steigen auch die Personalkosten jährlich an und schlugen 2024 mit 6,65 Millionen Euro zu Buche. Als Gründe nannte Bauer dafür die erfolgten Tariferhöhungen und zusätzlichen Personalbedarf durch ständig steigende Aufgabenbereiche. Aber trotz der gestiegenen Ausgaben konnte der Verwaltungshaushalt einen Überschuss von 21,7 Millionen Euro erwirtschaften, der zur Hälfte die Finanzierung der Investitionen sichert, die andere Hälfte konnte den allgemeinen Rücklagen zugeführt werden.
Damit war die Gemeinde Siegsdorf in der Lage, auch 2024 mit circa 12,5 Millionen Euro kräftig in Gebäude und Infrastruktur zu investieren. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Weiterführung und Fertigstellung wichtiger Bauprojekte. Dazu zählen der Mietwohnungsbau in Hörgering/Augraben sowie die Umstrukturierung und Modernisierung des Rathauses ebenso wie die Errichtung einer zusätzlichen Urnenwand im Friedhof oder die neue öffentliche Toilettenanlage in der Ortsmitte. Ein größerer Grunderwerb in Spitzacker konnte über den Nachtragshaushalt abgewickelt werden und im Bereich Tiefbau standen vor allem die Wasserversorgung und weitere Sanierungsarbeiten an den Kanälen und Hausanschlüssen im Fokus. Zudem konnten mit der Sanierung oder Erneuerung der Reichenhaller Straße und des Sparer Weges, aber auch dem Ausbau „Am Venusberg“ und dem Neubau der Brücke über den Rettenbach in Plereit wichtige Straßenprojekte abgearbeitet werden.
Auch in Fahrzeuge und Ausrüstung der Feuerwehren konnte deutlich investiert werden und zudem leistete die Gemeinde einen Investitionskostenzuschuss von 536400 Euro an die Kläranlage der Stadt Traunstein. Aber aufgrund von Verzögerungen bei Planung und Umsetzung konnten nicht alle vorgesehenen Projekte erledigt werden. Für Projekte wie den Feuerwehrhaus-Neubau in Vogling, die Sanierung der Mittelschule, den Neubau des Bürgerhauses oder die Hochbehälter-Sanierung in Mauer und einige Straßenprojekte konnten Haushaltsreste in Höhe von 3,83 Millionen Euro gebildet werden.
Wohlwollend nahm das Gremium mit 18:0 Stimmen die Jahresrechnung 2024 zur Kenntnis und übergab sie zur weiteren Bearbeitung an den Rechnungsprüfungs-Ausschuss des Gemeinderates, der sich nach der Sommerpause dem Zahlenwerk annehmen wird.
Trotz der stabilen finanziellen Leistungsfähigkeit der Gemeinde, auch in einem zunehmend herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld, erinnerten Kämmerer Bauer und Bürgermeister Thomas Kamm an die Verantwortung des Gemeinderates und der Verwaltung zu einem umsichtigen und verantwortlichen Umgang mit den Finanzen. Die allgemeinen Rücklagen in Höhe von 43,4 Millionen Euro bilden jedoch ein solides Fundament, um die künftigen großen Aufgaben der Gemeinde, wie etwa die Sanierung oder den Teilneubau der Mittelschule, das Bürgerhaus mit der Anbindung an den Festsaal und die weitere Instandhaltung der gemeindlichen Infrastruktur, ohne größere Kreditaufnahmen zu stemmen.
Applaus für
den Kämmerer
Unter dem anerkennenden Applaus des Gremiums dankte Bürgermeister Kamm dem Kämmerer und seinem Team für die verständliche und übersichtliche Zusammenfassung der Jahresrechnung.