Im Rausch des Raves

von Redaktion

Laut aber sauber: Das Jugendkultur-Festival „Moments“ lockte jetzt knapp 3000 Besucher auf die Naturbühne des nördlichen Chiemsee-Ufers.

Seebruck – In der weitläufigen Seebrucker Strandbadanlage bewegt sich etwas. Und es bewegt sich anders als sonst. Da feiern junge Menschen in ausgefallenem Party-Outfit und einem entspannten Lächeln im Gesicht. Die einen kommen in flattrig langen Röcken oder stylischen Netzstrumpfhosen daher, andere tragen, sicherlich den sommerlichen Temperaturen geschuldet, „nur“ kesse Bademode.

Da sind kunstvoll hochgesteckte Haare zu bestaunen oder wilde, lockige Mähnen auf Männer- oder Frauenköpfen. Die meisten tragen ihre Schuhe in der Hand und gehen barfuß über den Rasen. Alle scheinen sie, innerlich wie äußerlich, vom selben Rhythmus mitgenommen zu sein, dem sich längst auch das Schilf am Chiemsee-Ufer hingegeben hat: Lautstark tönt, live gemischt, elektronische Musik von drei Stages – und, variationsreich wie sie ist, bestimmt sie die Moves und das Raven derer, die für dieses junge Genre brennen.

Das Jugendkultur-Festival „Moments“ ging am Wochenende zum siebten Mal über die Naturbühne des nördlichen Chiemsee-Ufers und lockte über 3000 Besucher an. Alles blieb friedlich, statt Alkoholrausch gab es „be-ravte“ Glücksmomente der ausgelassen feiernden jungen Besucher.

„Collect moments, not things“ – zu Deutsch „Sammle Momente, keine Dinge“ – so die Philosophie des Musik- und Tanz-Festivals für Junge und Junggebliebene. Und tatsächlich schien dieser Plan, miteinander schöne Momente zu genießen, auch in diesem Jahr bei hochsommerlichem Wetter und einem Naturschauspiel zu späterer Stunde voll aufzugehen: Hatte am Nachmittag noch die glutrote Abendsonne die bunte Szenerie in stimmungsvolles Licht getaucht, so übernahm bei eintretender Dunkelheit ein Supermond die umwerfend romantische Illumination friedlich feiernder Menschen.

Die insgesamt 28 Musikkünstler, die ihre jeweils eigene Live-Elektromusik in enormer Genre- und Stilvielfalt mischten, mussten in keinem Moment zweifeln, ob ihre Musik gefiel: Das ausgelassene Raven und Tanzen, immer wieder freudiges Lachen und Jubeln und der einheitlich die Menge bewegende, selbst produzierte Rhythmus waren einer von unzähligen Genuss- „Moments“ des Festivals.

Wobei allein das Zuschauen schon Spaß machte. Die in Bäumen und Büschen flatternden bunten Stoffbänder, riesige schattenspendende Segel, viele lange Lichterketten und Lampions, gemütliche Sitzgelegenheiten und Bars unter alten Lampenschirmen sowie eine wirklich kunstvoll an einem „gestrandeten Holzboot“ arrangierte Schaufensterpuppe waren das passende Bühnenbild eines in unserer Region selten erlebten Schauspiels.

Ein kritischer Blick darauf, ob der vom Veranstalter propagierte Nachhaltigkeitsaspekt umgesetzt wird, zeigt, dass lautstarkes Feiern nicht unbedingt mit Pöbeln, Saufen und Vermüllen einhergehen muss. Immer wieder sind aus der „Awareness-Crew“ Müllsammler zu beobachten, die Kippen oder sonstigen Unrat einsammeln. Auch die Traunsteiner Initiative „mindzone“ – das sind junge Partygänger, die bayernweit im Nachtleben aktiv sind, um junge Menschen über die Gefahren von Sucht zu sensibilisieren – leistete am Seebrucker Chiemsee-Strand wichtige Arbeit.

Eine autarke Bühne, die „Green Stage“, wurde ausschließlich aus Solarenergie gespeist: Sie eint Technologie und Kunst. Damit Lautstärken- und Lichtemission so gering wie möglich gehalten werden, wurde eine vier Meter hohe Lärmschutzwand errichtet – will sich doch das Moments-Team für eine harmonische Verbindung von Musik und Umweltbewusstsein stark machen: Der leuchtende Supermond über dem Gelände hatte da gut lachen. Und irgendwie, so schien es, war auch sein riesiges Mondgesicht vom Rave berauscht.

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