Prien setzt auf Zweirad-Prävention

von Redaktion

Mit einer großen Aktion am Marktplatz wirbt die Polizei für mehr gegenseitige Rücksicht und sensibilisiert die Bürger gleichzeitig für Straßenregeln. Grund für die Aktion sind die Zunahme von Radunfällen und Beschwerden in der Marktgemeinde über rücksichtslose Radler.

Prien – Der ein oder andere stutzte am vergangenen Donnerstag, als er am Priener Marktplatz vorbeieilte: Die Polizei war gleich mit zwei Einsatzfahrzeugen und sieben Mann vor Ort. Etwas Schlimmes passiert war Gott sei Dank nicht. Grund für die starke Präsenz der Polizeiinspektion Prien und Rosenheim war vielmehr eine Veranstaltung zur Zweirad-Prävention, um Bürger für die Themen Verkehrssicherheit und den Schutz vor Diebstahl zu sensibilisieren.

Prien als Aktionsort bewusst gewählt

Wie die Rosenheimer Polizeihauptmeisterin Amine Hähnlein erklärte, soll die Aktion die Menschen darauf aufmerksam machen, wie man am besten ausgestattet sein sollte, wenn man mit dem Fahrrad im Straßenverkehr unterwegs ist. Prien als Tourismusort war für diese Präventionsveranstaltung bewusst ausgewählt worden.

Mit im Gepäck hatten die Sicherheitskräfte eine sogenannte Rauschbrille, mit der man einen Rauschzustand simulieren konnte. Setzt man sie auf, zeigt das, wie schwer die Orientierung fällt, wenn man alkoholisiert ist.

Zudem hatten die Beamten ein Gerät dabei, das die Reaktionszeit ermittelt und das anschaulich machte, wie viel Zeit ein Radfahrer für einen Bremsvorgang benötigt. Daneben hatte die Polizei noch jede Menge Flyer, Infomaterial und Leuchtbänder für Radler an ihrem Infostand ausgelegt.

Mehr E-Bikes,
mehr Unfälle

Man wolle mit der Aktion zeigen, so Hähnlein, dass die Polizei nicht nur da sei, um Strafzettel zu verteilen oder Gesetzesverstöße zu ahnden, sondern auch um präventiv im Vorfeld dafür zu sorgen, dass weniger passiere. Denn auch aufgrund der Zunahme von E-Bikes seien Radfahrer immer häufiger in Unfälle verwickelt.

Wichtig war den Sicherheitskräften zudem, auf die richtige Ausstattung der Radfahrer mit Helm, Licht und Reflektoren hinzuweisen. Auch die Aufklärung über Straßenregeln war ein großes Thema, denn das Radfahren in einer Fußgängerzone beispielsweise ist verboten. Dort muss das Rad geschoben werden. Das weiß offensichtlich nicht jeder, denn allein während der Präventionsaktion zwischen 10 und 13 Uhr am Marktplatz mussten die Polizisten rund 20 Radfahrer, die trotz der Präsenz der Polizei über den Marktplatz radelten, an diese Vorschrift „erinnern“.

Situation in Prien
für Radler schwierig

Unabhängig davon kam die Aktion bei den Bürgern jedoch sehr gut an. Viele versuchten, mit der Rauschbrille einen von den Beamten aufgestellten Parcours zu bewältigen oder informierten sich allgemein bei den Polizisten.

Stephan Wahl aus Chieming war mit seinen vier Enkelkindern vor Ort und zeigte sich erstaunt darüber, wie schwierig es war, mit simulierten 0,8 bis 1,1 Promille den Gang durch die aufgestellten Kegel zu bewältigen. Die Jüngsten waren vor allem von den Leuchtbändern begeistert.

Der Priener Fahrradbeauftragte Max Kölbl erklärte, es gehe vor allem um ein rücksichtsvolles Miteinander aller, die am Straßenverkehr beteiligt sind. Die Verkehrssituation in Prien sei für Radfahrer schwierig. Kölbls Meinung nach gibt es in der Marktgemeinde kaum sichere Straßen. „Wir suchen mit der Gemeinde nach Lösungen, die für alle gleichermaßen gut und vor allem kurzfristig umzusetzen sind – auch wenn sie nicht unbedingt den ganz großen Wurf darstellen“, sagte er.

Dem pflichtete die Leiterin des Ordnungsamts, Petra Süsens, bei. Auch vermeintlich kleine Maßnahmen könnten schon viel bewirken. Ihr zufolge waren auch Beschwerden von Patienten der Orthopädischen Klinik Kronprinz mit für die Präventionsveranstaltung ausschlaggebend. Sie hätten sich vermehrt über Radfahrer beklagt, die in hohem Tempo über den Marktplatz fahren würden, sodass die in ihrer Beweglichkeit beschränkten Patienten Schwierigkeiten hätten, ihnen auszuweichen.

Genau diesem Umstand waren auch die Aktionen der Fahrradbeauftragten vergangene Woche geschuldet, die mit ihren Slogans auf Infokarten und Flyern, wie „Zeig Anstand und halt Abstand!“ oder „Licht an und Augen auf!“, darauf abzielen, dass „mit Rücksicht alles geht“ und dann vielleicht auch die Anzahl der Unfälle mit Radlern wieder deutlich sinkt.

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