Breitbrunn – Der Schock steckt ihr immer noch in den Gliedern, wenn die Initiatorin des Breitbrunner Bücherstüberls an ihren letzten Kontrollbesuch im Souterrain des Schulhauses denkt. Über 3500 Euro hat sie bereits an Spenden für örtliche Vereine und bedürftige Personen mit dem Bücherstüberl gesammelt – und erlebt jetzt eine „bodenlose Unverschämtheit“.
Hunderte von Büchern
mitgenommen
Aber von vorne. Die Breitbrunnerin, die lieber anonym bleiben möchte, wandte sich mit einer für sie schockierenden Nachricht an die Chiemgau-Zeitung: Unbekannte entwendeten einige hundert der geschenkten und gespendeten Bücher aus den Räumlichkeiten. Wer die Hobby-Bibliothekarin kennt, weiß von ihr, dass sie dieses Stüberl mit ganz viel Herzblut betreibt. Sie stellt nur einwandfreie, gut erhaltene, teils fast neue Literatur in die Regale.
Angefangen hat alles auf dem Wertstoffhof. Gut erhaltene Bücher deponierte sie dort auf Biertischen. Da in dem Zusammenhang aber immer mehr Unrat abgegeben wurde und der Bauhof damit nur Arbeit hatte, wandte sie sich 2021 an Bürgermeister Anton Baumgartner, ob man nicht beispielsweise eine Telefonzelle, wie in vielen anderen Gemeinden, in ein kleines Bücherstüberl umwandeln könnte. Da keine Telefonzelle zur Verfügung stand, fiel dem Rathauschef das kleine Kammerl unterhalb der Grundschule ein, welches in der Vergangenheit von der örtlichen Feuerwehr benutzt wurde.
In Zusammenarbeit mit dem Bauhof wurden die Wände gestrichen, Regale installiert und ein Schild über dem Eingang montiert. Die Betreiberin schaut seither jeden Tag vorbei, putzt das Stüberl und sortiert die „neue Ware“ ein. Und damit nicht wieder alle nur ihre Keller ausräumen und Bücher in die Regale stellen, hat sich die Buchliebhaberin ausbedungen, dass sämtliche Bücherlieferungen von ihr gesichtet, sortiert und verwaltet werden. Mit dem Hinweis, dass Erlöse aus der Bücherabgabe an örtliche Vereine und dergleichen gespendet werden, wurde eine Geldkassette montiert, die auch sehr rege befüllt wird.
Das Repertoire im Bücherstüberl umfasst nicht nur Reiseführer, Fach- und Kochbücher sowie Kinderbücher/-DVDs, Gedichtbände und Bücher zur Lebenshilfe. Ihr ganzer Stolz waren medizinische Fachbücher, aber auch Religiöses, wie gut erhaltene Bibeln. Groß ist der Diebesschaden aber bei den vielen Bildbänden, sei es über Länder und Landschaften, Berge und Seen, Bauwerke, Künstler und vieles mehr. Diese Bücher haben auch antiquarisch einen Wert, weshalb die Betreiberin auch vermutet, dass der oder die Täter die Bücher wiederverkaufen wollen.
Die Motivation der Stüberlbetreiberin nimmt durch Plünderungen wie diese sukzessive ab, was wiederum dem profunden Nutzer dieses Büchertauschs zum Nachteil wird.
Initiatorin bittet
um Hinweise
Eine Meldung an die Polizei hat leider keinen Erfolg gebracht. Im Sinne des Strafgesetzbuches handelt es sich nicht um Diebstahl. Dennoch bittet die Breitbrunnerin die Bevölkerung um Hinweise, ob nicht doch etwas Auffälliges beobachtet wurde, was am besten direkt bei der Gemeinde oder am Bauhof gemeldet werden kann.