Der Kini funkt dazwischen

von Redaktion

Das Mobilfunknetz in Prien-Stock lässt zu wünschen übrig. Ein neuer Mast soll her. 42 Meter hoch, schlank. Landschaftsbild gestört? Sichtachse des Unesco-Welterbes Herrenchiemsee beeinträchtigt? Hätte sich der technikbegeisterte Kini amüsiert? Offen. Sicher: Vor 2026 wird‘s nichts mit dem Mast.

Prien – Ein Mobilfunkmast rund 300 Meter vom Chiemseeufer entfernt? In Stock? Nach Ansicht der Marktgemeinde ist der Mast nötig, um die vorhandene Versorgung – inklusive 5G – zu verbessern. Als geeigneter Standort kam nach Ansicht von Verwaltung und Marktgemeinderat eine 156 Quadratmeter große Ecke des großen Parkplatzes „S2“ (Nähe Klinik St. Irmingard) infrage. Denn mitten in die benachbarten Grünflächen wollte man den 42 Meter hohen schlanken Schleuderbetonmast nicht stellen.

Bebauungsplan muss geändert werden

Das wäre allerdings die einfachste Lösung gewesen, denn dazu wäre aufgrund des Mobilfunk-Vorrangs kein aufwendiges Genehmigungsverfahren notwendig. So aber ging die Marktgemeinde in die Änderung des Bebauungsplanes „Stock-Süd“ im vereinfachten Verfahren. Das allerdings lehnte das Landratsamt jetzt ab: Es handele sich nicht um eine typische Maßnahme der Innenentwicklung, deswegen sollte, um einen angreifbaren Verfahrensfehler zu vermeiden, ein Normalverfahren durchgezogen werden. „Wir müssen wieder zurück auf Start“, kommentierte dies Bauamtsleiter Thomas Lindner.

Zum qualifizierten Bebauungsplanverfahren gehört ein Umweltbericht. In dem sind nicht nur alle Pflanzen- und Tiervorkommen enthalten, es geht auch um das Landschaftsbild.

Die Regierung von Oberbayern sieht aufgrund des gewählten Standorts keine große Beeinträchtigung, auch wenn der Funkmast zwölf Meter höher ist als im Regionalplan vorgesehen. So ihr Schreiben bei der Anhörung der Träger öffentlicher Belange. Das möge die Untere Naturschutzbehörde (UNB) am Landratsamt überprüfen, heißt es weiter. Die geht in ihrer Antwort allerdings so gar nicht auf das Landschaftsbild ein. Am wichtigsten ist ihr der Schutz des Wurzelwerks der umgebenden Bäume, wie Bürgermeister Andreas Friedrich im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung und chiemgau24.de festhält. Der Umweltbericht ist noch in Arbeit und wird wohl nicht vor Herbst fertig, fügt der Bürgermeister hinzu.

Wird Schloss Herrenchiemsee zum Problem, Ludwig II. unvollendete Verbeugung vor Versailles und frischgebackenes Unesco-Welterbe? Immerhin war Teil des Bewerbungsprozesses die Verpflichtung der Kommunen, die Sichtachsen um das Bauwerk freizuhalten. Ist der Handy-Spargel vom Königsschloss aus zu sehen?

Die Verwaltung der bayerischen Schlösser, Gärten und Seen hat da mal was vorbereitet. Und dafür ein ursprünglich für Windkraftanlagen gedachtes Visualisierungstool zweckentfremdet. Die damit erstellten Grafiken zeigen: Die zentrale Sichtachse vom Schloss über die Insel aufs Festland wird vom Mobilfunkmast nicht gestört. Er ist vom Schloss aus schlicht nicht zu sehen. Auch vom großen Kanal aus sieht man zwar das Prienavera, nicht aber den Mast. Der ist nur vom Schiff oder von Urfahrn aus zu sehen.

Da allerdings stört er nach Ansicht der Schlösser-, Gärten- und Seen-Verwaltung das Landschaftsbild denn doch. Wenn es keinen geeigneteren Standort gebe, sollte der Mobilfunkmast zumindest nicht in grellen Farben, sondern in gedeckten Tönen gestrichen werden. Was laut Lindner ohnehin geplant ist. Und einen geeigneteren Standort hat die Gemeinde lange gesucht, aber nicht gefunden, erklärt Friedrich auf Nachfrage der Redaktion.

Leistungsstarker Mast auf der Herreninsel

Kuriosum am Rande: Vier Wochen, bevor die Königsschlösser tatsächlich Welterbe wurden, wurde auf der Herreninsel ein leistungsstarker Mobilfunkmast aufgestellt. Der wird laut Schlösser-, Gärten- und Seenverwaltung demnächst in Betrieb genommen. Ob der nicht den Bau des Stocker Masten entbehrlich machte? Tut er nach Ansicht des Priener Bauamtes nicht. Die Leistung reicht nicht aus. Was Ludwig II. zu dem Mast gesagt hätte? Kann nur gemutmaßt werden. Eines ist sicher: Der in vielerlei Hinsicht weltfremde Kini war ein Technik-Narr.

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