Traunstein – Bei der Arbeitsagentur Traunstein waren mit Stand Juli insgesamt 3141 Menschen arbeitslos gemeldet. Rund die Hälfte bezieht Bürgergeld über das Jobcenter, die andere Hälfte landet bei der Agentur für Arbeit. Alle teilen eines gemeinsam: Sie haben ihren Job verloren – durch betriebliche Kündigung, berufliche Neuorientierung, chronische Krankheit oder Flucht.
Extrem schlechte Bewertung bei Google
Das Verbraucherportal Allright hat deutschlandweit 46000 Google-Bewertungen von insgesamt 704 Arbeitsagenturen ermittelt und miteinander verglichen. In die finale Bewertung flossen Arbeitsämter jener Städte ein, für die mindestens 100 Rezensionen abgegeben wurden. Mit nur 2,96 von insgesamt fünf möglichen Punkten schnitten alle 122 schlecht ab. Besonders unzufrieden waren aber die Kunden des Traunsteiner Jobcenters: mit einer Bewertung von 2,3 Punkten auf Platz 118, dem drittletzten Platz.
Ein Blick auf aktuelle Kommentare bei Google bestätigt – bei vielen staut sich der Frust: „Man wird drangsaliert, gemobbt und ins Lächerliche gezogen.“ Ein anderer Google-Benutzer schreibt „Die Beratung ist mega schlecht.“ Und eine Userin zieht das Fazit: „Keine Vermittlung, keine Hilfe, kein Geld.“ Leute sprechen von „Unverschämtheiten“ und „Behandlung als Mensch zweiter Klasse.“
Vereinzelt gibt es aber auch Lob: „Die Beratung war top, sehr freundliche Mitarbeiter, keine langen Wartezeiten. Einen Punkt Abzug, weil Hotline eine Katastrophe ist.“
Von den insgesamt 109 abgegebenen Google-Bewertungen sind nur wenige positiv. Wesentlich besser fiele die Durchschnittsnote beim internen „Kundenreaktionsmanagement“ aus, erklärt der Vorsitzende Geschäftsführer der Traunsteiner Agentur für Arbeit, Michael Vontra.
„Wir nehmen das Feedback in öffentlichen Bewertungsportalen wie Google sehr ernst und stellen uns auch kritischen Stimmen.“ Wichtig sei aber zu betonen, dass diese Bewertungen lediglich einen Ausschnitt der tatsächlichen Kundenerfahrung widerspiegeln. Die Auswertung der Google-Bewertungen sei nicht repräsentativ, so Vontra. Man wisse nicht, ob Personen, die dort Kommentare abgeben, tatsächlich Kunden der Traunsteiner Arbeitsagentur seien, ob sie der Wahrheit entsprächen und welche konkreten Gründe für mögliche Erfahrungen vorlägen.
Das Problem laut Arbeitsagentur: die Anonymität der Kommentierenden, eine Kontaktaufnahme zur Klärung des Problems sei somit unmöglich. Und Vontra versichert, man wolle sehr wohl mit den unzufriedenen Kunden in einen Dialog treten:„Wir möchten daher alle Nutzerinnen und Nutzer dazu ermutigen, uns bei konkreten Problemen direkt zu kontaktieren.“ Dazu könne man das sogenannte Kundenreaktionsmanagement nutzen: Für Lob und Kritik gibt es auf der entsprechenden Internetseite ein Online-Formular, auch eine Telefonnummer ist aufgeführt.
Chiemgau24 macht einen Probeanruf: „Bitte legen Sie nicht auf, der nächste freie Mitarbeiter ist bereits für Sie reserviert“. Nach acht Minuten in der Warteschleife sprechen wir mit einem sehr freundlichen Angestellten der bundesweiten Telefonzentrale der Agentur für Arbeit. Fast alles würde mittlerweile hier abgewickelt werden, um noch mehr Wartezeiten zu vermeiden. Er erklärt, dass in den einzelnen Agenturen vor Ort, wie wohl in vielen andren Branchen auch, oft nur wenige Mitarbeiter vorhanden seien.
Im Falle einer Beschwerde verweist der Angestellte der Arbeitsagentur auf das Formular des Kundenreaktionsmanagements. Bei anderen Themen würde gegebenenfalls entweder er selbst weiterhelfen oder an andere Kollegen weiterleiten. Ein direkter Dialog mit der Traunsteiner Arbeitsagentur ist auf diesem Weg erst mal nicht möglich. Kunden können aber ihre Kontaktdaten bei der Online-Beschwerde hinterlassen und die Arbeitsagentur würde sich dann in Verbindung setzten.
Eine Begründung für den ganzen Frust im Netz gibt das Unternehmen Allright, das die Google-Auswertungen durchgeführt hat: „Gerade nach einer Kündigung ist die Situation für viele Betroffene ohnehin schon emotional belastend“, erklärt Paul Krusenotto, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Allright. „Wenn dann zusätzlich Unsicherheit bei der Beantragung von Arbeitslosengeld oder Unklarheiten im Umgang mit den Behörden entstehen, führt das schnell zu Frustration – und im schlimmsten Fall auch zu realen finanziellen Nachteilen.“
Privatwirtschaftliche Dienstleister wie Hotels oder Restaurants müssten bei negativen Bewertungen schnell nachbessern. Im öffentlichen Sektor fehle häufig ein struktureller Veränderungsdruck. Allright empfiehlt deshalb, sich frühzeitig arbeitsrechtlich zu informieren und Unterstützung einzuholen.
Bewertungen werden künftig ausgewertet
So ließen sich wichtige Fristen wahren, Unsicherheiten im Umgang mit der Arbeitsagentur vermeiden und finanzielle Einbußen verhindern. Und Michael Vontra von der Traunsteiner Agentur für Arbeit verspricht: „Wir werden Google-Bewertungen in Zukunft systematisch auswerten und die Ergebnisse in die Weiterentwicklung unserer Produkte und Services einfließen lassen.“