Ideen für den Priener Gottesacker

von Redaktion

Die Lücken werden immer größer. Wie diese Lücken auf dem Priener Friedhof sinnvoll gefüllt werden können, dafür werden gerade Ideen entwickelt.

Prien – Immer mehr Lücken im Friedhof – das kann einer Gemeinde nicht gefallen. Schließlich zählen Friedhöfe zu den Einrichtungen, die sich laut Gesetz selbst tragen sollen. Was zunehmend schwieriger wird, denn die Zeit der über Jahrzehnte bezahlten und gepflegten Familiengräber läuft ab. Immer mehr Menschen wollen unter einem Baum, am Berg oder in der See bestattet werden, zumindest aber in einer Urnenwand oder Ähnlichem.

Ein Trend, der sich auch auf dem Priener Friedhof bemerkbar macht. Auch hier werden, das zeigt die Bestandsaufnahme von Michael Hartl vom Friedhofskompetenzzentrum (FKZ), die Lücken immer größer. Ein Grund, warum Angela Kind, Marktgemeinderätin der Grünen, einen Antrag gestellt hatte, sich die Situation mal genauer anzuschauen und Ideen zu entwickeln.

Im Auftrag der
Marktgemeinde

Das taten Hartl und sein Team im Auftrag der Gemeinde. Bevor Hartl in der jüngsten Sitzung ins Detail ging, schickte er noch einiges Grundlegendes voraus: Das FKZ geht immer von endgültigen Bestattungen aus – bei denen die Hinterbliebenen entscheiden, ob diese mit oder ohne Veröffentlichung des Namens erfolgen. Chemische Hilfsmittel werden keine verwendet, die Urnen zum Beispiel zerfallen in der Regel, je nach Beschaffenheit des Erdbodens, nach fünf bis sieben Jahren, die Asche vermischt sich dann mit der Erde. Und, ihm ganz wichtig: „Wir greifen in kein Nutzungsrecht ein.“ Heißt: Ein belegtes und bezahltes Grab bleibt unangetastet.

Hartl präsentierte zwei Varianten: Einmal Bäume in parkähnlichen Freiflächen, wo dann auch Baumbestattungen möglich sind. Dazwischen immer wieder Bänke, das Ganze umrahmt von einer Buchenhecke. Das sei aktuell aber nicht auszuführen, eher eine langfristige Planung. Die Kosten dafür gab er mit etwa 170000 Euro an.

Die zweite Variante kann nach und nach umgesetzt werden, weswegen Hartl ihr auch deutlich mehr Zeit widmete. Auch hier läuft viel auf einen parkähnlichen Friedhof hinaus. Allerdings sollen zunächst nur größere Lücken in Rasenflächen verwandelt werden. Den ganzen Friedhof von den Kieseln auf Wegen und Flächen zu befreien, sei derzeit keine Option, weil die bestehenden Gräber so dicht beieinander sind, dass die Rasenpflege zwischen den Gräbern extrem aufwendig wäre.

Auf diese Weise sei der Friedhof im unterfränkischen Münnerstadt in eine parkähnliche Anlage verwandelt worden. Viele Angehörige hätten sich dort entschieden, die Pflanzflächen ihrer Gräber deutlich zu verkleinern oder sie gar ganz aufzulösen. Die Gräber darunter bleiben unangetastet. Das halte er auch in Prien für möglich, so Hartl.

Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) übernahm kurzfristig den Part des Teufelsadvokaten und meinte, da sei die Kostendeckung schwierig, denn für ein Grab in der Rasenfläche müssten die Angehörigen sehr viel Geld ausgeben. Ja, die Kosten seien für die Angehörigen am Anfang heftig, räumte Hartl ein. Auf Dauer aber werde es für die Hinterbliebenen günstiger, weil die Grabpflege weniger koste beziehungsweise ganz entfalle. Und für die Gemeinde bliebe genug übrig – Bad Feilnbach habe mit den Gebühren des Gedenkwaldgartens die anderen vier gemeindlichen Friedhöfe inklusive Leichenhallen saniert.

In einigen Lücken zwischen den Familiengräbern sei es jetzt schon denkbar, Bäume zu pflanzen und so Baumbestattungen möglich zu machen, so Hartl. Ergänzend könnte später auf den Flächen in Richtung Kita und Parkplätze ein Felsgarten mit Bachlauf, Stauden, Bänken und einem Pavillon, mit Raum für Trauerarbeit, entstehen. Diese Fläche für alternative Bestattungsformen wollten einige Marktgemeinderatsmitglieder, unter anderem Angela Kind und Kersten Lahl (BfP), gerne schnell umgesetzt sehen. Michael Anner (CSU) hingegen meinte, dass doch zuerst die bestehenden leeren Flächen gefüllt werden sollten, nicht der äußere Rand neu gestaltet. Der Steingarten mit Bach könne warten.

Erste Bäume
schon im Herbst

Friedrich regte an, bereits in diesem Herbst die ersten Bäume in Lücken zu pflanzen, und erntete dafür vielfaches Nicken. Ein Beschluss fiel nicht, aber Sonja Werner (Grüne) drängte darauf, dass die Fraktionen die vielen Informationen bis zur Haushaltsklausur noch einmal durcharbeiteten, um dann für 2026 die ersten Mittel bereitzustellen. Auch dafür gab es Kopfnicken aus allen Fraktionen.

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