Prien an Mariä Himmelfahrt, 12 Uhr Glockenläuten, kurz danach dreifacher Böllersalut. Über den Marktplatz zieht der Duft von Brathendl und Popcorn. Am 15. August feiert Prien traditionell sein Kirchenpatrozinium und im Anschluss das Priener Marktfest. Auf den ersten Blick sieht es dieses Jahr aus wie immer. Der prächtige Festwagen, beladen mit Bierfässern des Hofbräuhauses Traunstein bietet mit seinen vier Kaltblutpferden an der Marktplatzkreuzung ein attraktives Fotomotiv. Dann hatten an selber Stelle etwas später die Böllerschützen der Feuerschützengesellschaft Prien die Eröffnungsböller abgeschossen, als Zeichen dass „O’zapft is“. Und da merkt der Besucher langsam, dass doch irgendetwas anders ist. Nicht, dass Bürgermeister Andreas Friedrich das „erste“ Fass nicht souverän angezapft hätte. Er benötigte drei Schläge. Dann fehlten aber beim Zuprosten die Vertreter des Priener Trachtenvereins auf dem obligatorischen Foto. Und das hatte seinen Grund. Mit dem diesjährigen Fest am Marktplatz an Mariä Himmelfahrt feierte der Skiclub Prien seinen 90. Geburtstag. Vor zwei Monaten hatte der Trachtenverein sein Jubiläum gefeiert und freute sich dieses Jahr darauf, einmal hier nur als Gast das Fest am Marktplatz genießen zu können. Wenn es am Anfang Bedenken gegeben haben sollte, ob der Skiclub das Fest alleine stemmen kann, wurden die schnell widerlegt. Die Organisatoren hatten den Umfang angepasst, nur von Maibaum bis Heimatmuseum bestuhlt. Die Bar war in die Mitte des Marktplatzes gerückt und es gab nur eine Schänke. Trotzdem hatte der Skiclub die Bierversorgung seiner Gäste mit seinen zahlreichen Bierträgern über die ganzen Stunden gut im Griff.
Überhaupt war ihr Engagement einmalig. 130 Skiclubler im Alter zwischen sechs und 80 Jahren beteiligten sich als Helfer. An der Schänke, am Weinstandl, beim Kas- und Radieck der Skiclub-Damen und an der Bar. Die Jugend half beim Spülen, unterstützte beim Abräumen der Tische und betreute die Spielstationen für die Kinder. Besonders beliebt war wie immer der Biathlon-Schießstand mit den Konterfeis der Bürgermeister und der Clubvorstände sowie die neu konstruierte Schokokuss-Wurfmaschine, bei der Zielgenauigkeit und Reaktionsvermögen gefragt waren, um das süße Objekt der Begierde heil einzufangen. Für die Verköstigung mit Hendl, Steckerlfisch und Grillgut sorgte das Team vom Luitpold, für die süßen Nachspeisen die Bäckerei Müller.
Musikalisch hatten dieses Jahr die Hubertus Musikanten das Fest auf der Bühne am Maibaum eröffnet. Als nach Mittag die Hitze dort zu groß wurde und sich die Besucher auf die Bänke im Kirchenschatten zurückgezogen hatten, reagierten die fünf Volksmusikanten und folgten ihren Zuhörern in den Schatten und spielten zu deren Freude inmitten des Publikums mit Ziach, Hackbrett und Co. unplugged weiter auf. Gegen Abend übernahmen die „Sulzberger“ das musikalische Kommando und sorgten unter freiem Himmel für beste Bierzelt-Stimmung. Das Gedränge an der Bar wurde größer und bei den warmen Temperaturen wäre das Fest dort wahrscheinlich noch bis Mitternacht weitergegangen. Der Stimmungstöter kam aber in Form eines Gewitters eine halbe Stunde vor dem offiziellen Ende und so räumte sich schon um 22.30 Uhr der Marktplatz. Am Ende waren alle Skiclub-Mitglieder mit Recht stolz auf ihre Leistung.
Der Erlös des Festes wird in erster Linie in die Kinder- und Jugendarbeit und ein erweitertes Vereinsangebot für die Erwachsenen fließen. Der größte Gewinn dieser Geburtstagsfeier sei aber der gestärkte Zusammenhalt und ein neuer Spirit im Verein, der sich schon in den Tagen der Vorbereitung gezeigt hatte.Fotos Anita Berger