Widerstand gegen Nachverdichtung

von Redaktion

Die Klage eines Nachbarn stoppt günstige Wohnungen in Prien

Prien – 15 Wohnungen zu erschwinglichen Preisen an der Osternacher Straße. Barrierefrei und energieeffizient noch dazu. 15 Tiefgaragenstellplätze, sieben weitere oberirdisch. Da fiel es den Verantwortlichen leicht, erst im April den Vorbescheid positiv zu bewerten und dann im Juni dem Bauantrag zuzustimmen. Denn bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware. In der Region. In Prien.

So bald wird es wohl nichts mit den 15 günstigen Wohnungen: Bauträger Peter Sprus spricht von zehn Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Ein Nachbar hat geklagt. Er will die beiden Mehrfamilienhäuser nicht in seiner Nachbarschaft. „Aber dann schreit man gleichzeitig nach bezahlbarem Wohnraum“, ärgert sich Bauträger Sprus.

Nachverdichtung
als wichtiges Ziel

Solche Nachbarschaftsklagen wird es künftig wohl häufiger geben, befürchtet Priens Bürgermeister Andreas Friedrich. Denn Bund, Länder und zunehmend die Gemeinden haben das erklärte Ziel der Nachverdichtung. Nicht in allen Gemeinden, hat Sprus festgestellt, manche „tun gar nicht mit“. Bei den anderen hat sich durchgesetzt: anbauen, aufstocken, abreißen und größer neu bauen – alles besser als ein weiteres Baugebiet auf der grünen Wiese.

Die Anwohner finden das nicht immer. Einige Nachbarn des Projektes in der Osternacher Straße saßen im Publikum, als der Bauantrag behandelt wurde, erinnert sich der Bürgermeister, und sie seien durchaus emotional dabei gewesen.

„Die Nachbarn haben allerdings kein Recht auf Unveränderlichkeit der Umgebung“, hält Bürgermeister Friedrich fest.

Er kann nachvollziehen, dass der Kläger „vermutlich nicht amüsiert ist“, dass es auf dem Nachbargrundstück statt eines leer stehenden Altgebäudes 15 Wohnungen geben soll. „Bisher war da Ruhe“. Aber irgendwo müsse ja Wohnraum geschaffen werden. Die Ruhe der Nachbarn ist kein baurechtliches Entscheidungskriterium. Und nur um diese geht es.

Sprus baut gerade ein Wohn- und Sportanlagenhaus in Grassau mit 50 Mitarbeiterwohnungen, wo die Mietpreise nach seiner Aussage sehr weit unter dem Mietspiegel liegen werden. „Und das ging nur über die massive Bebauung und Ausschöpfung des Grundstückes.“ Die Gemeinde hat mitgezogen, das Landratsamt auch und kein einziger Nachbar hat geklagt, berichtet Sprus. Hätten Gemeinde und Landratsamt Traunstein nicht die dichte Bebauung zugelassen, so Sprus gegenüber der Chiemgau-Zeitung, wäre wohl ein doppelt so großes Grundstück notwendig gewesen „und der Mietpreis läge bei zwölf Euro pro Quadratmeter. So liegen wir sehr weit darunter“. 

Das Grundstück an der Osternacher Straße so dicht zu bebauen, wie es das Recht hergibt, das hat Sprus auch in Prien vor. Zwei Mehrfamilienhäuser mit je 220 Quadratmetern Grundfläche inklusive Terrassen und Balkons sollen auf einem mehr als 1000 Quadratmeter großen Grundstück entstehen. „Nichts völlig Überzogenes“, findet der Bürgermeister. Zumal es Bezugsfälle in der direkten Umgebung (etwa 50 Meter südlich sowie 100 Meter nördlich) gebe, was die Größe der Baukörper angehe. Art und Maß passten also. Sprus reize aus, was baurechtlich möglich sei.

Was das Landratsamt Rosenheim, das den Bauantrag genehmigt, genau so sah. Das Baugrundstück liege bauplanungsrechtlich innerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils nach Paragraf 34 Baugesetzbuch. Die geplanten Wohngebäude fügen sich nach Ansicht der Bauabteilung nach Art und Maß in die Eigenart der näheren Umgebung ein. „Nachdem auch die sonst zu prüfenden öffentlich-rechtlichen Vorschriften eingehalten werden, bestand ein Anspruch auf Genehmigung. Deshalb wurde mit Bescheid vom 18. Juli 2025 im Einvernehmen mit dem Markt Prien die Baugenehmigung erteilt“, so Michael Fischer, der Sprecher des Landratsamtes.

Anspruch
auf Genehmigung

Er will die Wohnungen zwar bauen, aber Vermieter will Sprus nicht sein. Seine bevorzugte Lösung: Der Markt Prien könnte als Käufer auftreten und die Wohnungen wiederum zu fairen Preisen vermieten. Er spiele nicht den Samariter, versichert er, „nein, es ist unser Geschäft, und wir möchten das verdienen, was auch jeder Architekt an einem Projekt verdient. Nicht mehr, aber auch nicht weniger“.

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