Grassau – Die Wochenendausgabe einer großen überregionalen Zeitung kam bei Godehard Nowak anstatt wie zur geplanten am 26. Juli erst eine Woche später am 2. August an. Auch die nächste Postzustellung ließ laut dem Grassauer bis zum 8. August auf sich warten. Das sei auch zwei Straßen weiter so gewesen. Auch von anderen Stellen habe Nowak erfahren, dass er mit diesem Problem nicht alleine sei. Ein Postproblem in Grassau, woran liegt das?
Zu wenig
Postboten
Der Zustellstützpunkt in Grassau sei verlegt worden, heißt es im Ort, um die zehn Menschen hätten daraufhin gekündigt. Die Regionale Pressestelle Süd der DHL Group bestätigt den Standortwechsel: „Richtig ist, dass der Zustellstützpunkt in Grassau bereits Ende April in den Zustellstützpunkt nach Traunstein umgezogen ist. Für uns ist das gängige betriebliche Praxis und beeinträchtigt die Zustellung nicht.“
Dass es Kündigungen gab, kann die Sprecherin nicht bestätigen. Aktuell sucht die DHL für den Standort Traunstein nach Postboten für Pakete und Briefe, wirbt sogar mit einer Willkommensprämie von bis zu 1000 Euro. Der Weg für die Briefe und Pakete ist in Grassau auf jeden Fall länger geworden: Vom Traunsteiner Postzentrum sind es über die Autobahn über 20 Kilometer bis zu Godehard Nowak, anstatt unter drei Kilometer wie bisher. Dadurch verkürzt sich auch die zur Verfügung stehende Zustellzeit der Post-Mitarbeitenden. Denn diese werden nicht nach Zustellungen bezahlt, sondern nach Stunden, und die Arbeitszeit ist tariflich auf 38,5 Stunden pro Woche festgelegt.
Die DHL-Sprecherin teilt auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung mit: „Eine Laufzeit von bis zu sechs Werktagen können wir nach intensiver Recherche nicht bestätigen. In den vergangenen Wochen kam es im Bereich Grassau punktuell zu Zustellabbrüchen.“ Nach diesen Abbrüchen kommen die nicht bedienten Haushalte am nächsten Tag priorisiert dran, so die Kommunikationsstelle weiter. Im Schreiben der Post steht außerdem, dass aufgrund sinkender Briefmengen die Bearbeitung von Briefsendungen angepasst wurde. So komme es zu einem A- und einem B-Teil. „Damit nutzen wir die Möglichkeit, die Sendungsmengen durch die Sortierung in den Briefzentren möglichst effizient für die Zustellung zu steuern“, so die Sprecherin. Dies führe dazu, „dass Sendungen für einen Haushalt stärker gebündelt und dann zeitgleich ausgeliefert werden. Wir verstehen, wenn der Eindruck entsteht, dass die Hauspost ‚schwallartig‘ ankommt.“ Diese Sortiermethode gelte nur für die Briefzustellung, Pakete seien davon ausgenommen.
Beschwerden werden ernst genommen
Laut neuem Postgesetz vom 1. Januar 2025 ist geregelt, dass 95 Prozent der innerhalb Deutschlands verschickten Briefe spätestens am dritten und 99 Prozent am vierten auf den Einlieferungstag folgenden Werktag zugestellt werden müssen. Gänzlich könne die Post Unregelmäßigkeiten aufgrund von etwa kurzfristigen Erkrankungen oder Witterungseinbrüchen aber nicht ausschließen. Jede einzelne Beschwerde werde ernst genommen und den konkreten Fällen nachgegangen, dafür stehe unter anderem die zentrale Kunden-Hotline (Telefon 0228/4333112) zur Verfügung, heißt es.