Staudach-Egerndach – Dass derzeit das Trinkwasser in der Gemeinde gechlort werden muss, gefällt weder dem Gemeinderat noch Bürgermeisterin Martina Gaukler, auch wenn die Chlorkonzentration so gering wie möglich und im unteren Bereich des gesetzlichen Grenzwertes liegt. So wird nun alles getan, um eine Lösung zu finden. In der Sondersitzung des Gemeinderats wurden hierfür notwendige Beschlüsse gefasst. Damit wird der Bau des neuen Hochbehälters wohl ein Jahr schneller erfolgen und auch der Unterbrecherschacht mit der Aufbereitungstechnik wird erneuert.
Zur Vorgeschichte: In regelmäßigen Abständen wird das Trinkwasser geprüft, um den Bürgern nur beste Qualität bereitstellen zu können. Doch im Juni 2024 gab es eine Grenzwertüberschreitung von coliformen Keimen, erinnerte Bürgermeisterin Martina Gaukler.
Wasserwerk und
Bauhof aktiv
Sofort wurden Wasserwerk und Bauhof aktiv, reinigten und desinfizierten den Hochbehälter. Damals, so die Bürgermeisterin, sei man mit einem blauen Auge davongekommen. Zudem wurde ein Trübungsmessgerät zusätzlich zur UV-Anlage angeschafft, um eine Entkeimung des Wassers zu jeder Zeit sicherzustellen. Am 16. Juli mittags, Martina Gaukler konnte sich ganz genau erinnern, teilte das Labor mit, dass die letzte Wasserprobe aus dem Hochbehälter eine Grenzwertüberschreitung der Konzentration von Enterokokken festgestellt habe. Die weiteren vier Proben waren einwandfrei, bestätigte die Bürgermeisterin. Dennoch ordnete das Gesundheitsamt eine sofortige Abkochverfügung und Chlorung an.
Um alle Bürger schnell und umfassend zu informieren, wurde eine Postwurfsendung verfasst, die von der Feuerwehr und den neun Mitarbeitern der Bauhöfe verteilt wurde. Ein Notfalltelefon für besorgte Bürger wurde eingerichtet. Bereits einen Tag später konnte die Chlorungsanlage in Betrieb gehen. Nachdem dann in den am weitesten entfernten Ortsgebieten ausreichende Chlorgehalte festgestellt werden konnten, durfte die Abkochverfügung aufgehoben werden. Gaukler berichtete über die umfassende Hilfe, die auch von den Adelholzener Alpenquellen kam, die zwei Paletten Trinkwasser für die Schule und Ehrenamtliche sowie für Bürger bereitstellten, die keine Möglichkeit hatten, Trinkwasser zu besorgen. „In Krisensituationen merkt man den Zusammenhalt“, betonte sie und lobte Verwaltung, Wasserwerk, Bauhof und Feuerwehr. Am 30. Juli habe es dann ein weiteres Gespräch mit dem Gesundheitsamt Traunstein über das weitere Vorgehen gegeben. Es konnte eine „schlaue“ Chlordosieranlage in den Hochbehälter eingebracht werden, die die Abgabe des Chlors der benötigten Wassermenge anpasst, sodass die Chlorkonzentration immer im unteren gesetzlichen Bereich liegt. Das Trinkwasser kommt aus der Quelle in Mehrenthal und läuft in den Unterbrecherschacht Hafenberg, in welchem eine UV-Anlage das Wasser behandelt und keimfrei macht. Wie die Bürgermeisterin versicherte, waren alle seither entnommenen Proben einwandfrei.
Persönliche
Haftung
Das Gesundheitsamt hat dennoch Besorgnis hinsichtlich des 1954 gebauten Hochbehälters.
Nach Auskunft des Gesundheitsamtes könne, so die Bürgermeisterin, die Gemeinde die Chlorung einstellen. Dann jedoch würde sie persönlich haften und würde etwas passieren, stünde der Tatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung im Raum. Wasserwerksleiter Georg Hacher fügte an, dass alle bislang gezogenen Wasserproben seit der Verkeimung ohne Belastung waren. „Doch diese eine Momentaufnahme, dieser eine Probenbefund, ist für das weitere Handeln ausschlaggebend“, sagte er.
Der Zustand des Hochbehälters wurde vom Amt als altersentsprechend gut angesehen und doch liege für das Amt die Vermutung nahe, dass die Verkeimung hier ihren Ursprung habe, so Wasserwerksleiter Hacher. Er erklärte, dass der Hochbehälter noch absolut betriebsbereit sei, aber natürlich nicht mit neuen Behältern, die sehr glatte Oberflächen haben und technisch auf dem neuesten Stand seien, zu vergleichen sei. Schließlich ist der Behälter über 70 Jahre alt. Neben dem Hochbehälter könnte aber auch die Gewinnung, also der Wasserzulauf, für die Verkeimung verantwortlich sein. Aufgrund dieser Tatsache müssen nun alle Schwachstellen geprüft werden.
Verkeimung nur
in einer Kammer
Nachdem die Verkeimung nur in einer Kammer des Hochbehälters zu finden war und die andere Kammer kein Problem aufwies, fragte Bastian Starflinger, ob man diese Kammer nicht stilllegen könnte. Laut Georg Hacher sei dies nicht möglich, da es sich dann immer noch um ein Bauwerk mit einer Außenwand und Decke handele und weitere Einträge so nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden können. Den alten Behälter neu auszukleiden, wäre möglich, aber auch keine Dauerlösung.
Bereits 2022 sei mit der Planung eines neuen Hochbehälters begonnen worden, erinnerte Martina Gaukler. Man habe schon eine gute Wegstrecke geschafft, einen Standort gefunden und mit den Grundstückseignern Gespräche geführt.
80 Meter oberhalb
des Denkmals
Der neue Hochbehälter soll etwa 80 Meter oberhalb des Staudach-Denkmals gebaut werden. Ein regionales Ingenieurbüro wurde bereits mit der Planung beauftragt, mit den Trägern öffentlicher Belange wurde bereits gesprochen. Vom Gesundheitsamt werde man ein Empfehlungsschreiben erhalten, das die Dringlichkeit belegt und die Behörden um bevorzugte Behandlung bittet. Georg Hacher fügte hinzu, dass man aufgrund der aktuell gewonnenen Erkenntnisse im Wassernetz der Gemeinde die bisher geplante Dimension von zwei Kammern mit je 250 Kubikmetern Wasser nach Absprache mit den Planern eventuell etwas nach unten korrigieren kann.
Bislang war die Gemeinde der Ansicht, die Erneuerung des Hochbehälters reiche aus, um die bislang sehr gute Wasserqualität auch weiterhin aufrechtzuerhalten. Nachdem aber nicht eindeutig zu klären ist, wo die Schwachstelle liegt, und um möglichen Komplikationen in der Zukunft vorzubeugen, soll die Aufbereitungsanlage am Unterbrecherschacht ebenfalls sofort erneuert werden. Diese wurde 1997 gebaut und technisch erweitert, so Martina Gaukler. So wurden eine UV-Anlage und eine Turbine zur Stromgewinnung eingebaut.
Das Gesundheitsamt sehe auch hier eine mögliche Schwachstelle, die im Zuge der Modernisierung der Anlagen ebenfalls technisch gelöst werden soll. Werkleiter Hacher ergänzte, dass die Quelle bei Starkregen Wasser mit Trübung aufgrund kleinster Schwebeteilchen liefere, die die Entkeimung mit UV-Licht stören. Folglich sollte in Zukunft eine Filtrationsanlage vorgeschaltet werden.
Nicht genügend
Platz im Schacht
Diese technischen Anlagen benötigen Platz, der im jetzigen Schacht nicht vorhanden ist. Bürgermeisterin Gaukler schlug folglich einen Ersatzbau für den Schacht an dem Standort vor. Dieser Ersatzbau wäre nach dem aktuellen Planungsstand relativ schnell zu realisieren, so führte Hacher aus. Die Planungen, Kalkulation sowie Ausschreibungen könnten im Wasserwerk selbst erfolgen. Zu den Kosten konnte noch keine Auskunft gegeben werden, dies hänge auch vom Standort und der Zugänglichkeit ab. „Dass eine solche Momentaufnahme einer einzigen Probe einen solchen Aufwand auslösen kann ist für Michael Hofer unerklärlich und doch steht der Besorgnisgrundsatz im Raum. „Ich bin nicht zufrieden und es muss alles unternommen werden, um möglichst schnell von der Chlorung wegzukommen“, betonte Bastian Starflinger. Ob das Wasser von Marquartstein bezogen werden kann, fragte Thomas Bauer. Laut Georg Hacher ist das im Notverbund möglich, aber auf Dauer nicht tragfähig. Spitzenverbräuche könnten nur schwer abgedeckt werden. Hierfür müssten ebenfalls bauliche Maßnahmen mit einer größeren Leitung erfolgen. Zudem würde die Notverbundsleitung wiederum in den alten Hochbehälter einspeisen. „Wir sind alle nicht zufrieden mit der Chlorung und wir denken in alle Richtungen“, versicherte die Rathauschefin. Auch für sie sei es wichtig, so schnell wie möglich wieder reinstes Quellwasser bieten zu können. Gut sei, dass bereits einiges an Vorarbeit für den Bau eines neuen Hochbehälters erledigt wurde. Demzufolge könnte die Gewinnung, also das kleinere Bauwerk Unterbrecherschacht Hafenberg, bereits im kommenden Jahr erneuert werden und der Hochbehälter dann 2027 gebaut werden. Ob es Zuschüsse gibt, muss auch noch geklärt werden. Bis die neuen Anlagen in Betrieb sind, muss weiterhin gechlort werden. Damit steht die Gemeinde jedoch nicht allein da. Viele Gemeinden chloren zum Schutz der Bürger ihr Wasser, um vor möglichen gesundheitlichen Gefahren zu schützen. Das gechlorte Wasser dient der Reinigung und Desinfektion, um die Wasserqualität sicherzustellen. Zudem wurde die Chlorkonzentration auf das notwendigste Maß reduziert.
Beschlüsse wurden
einstimmig gefasst
Nach langer Diskussion beschloss das Gremium, die Notwendigkeit, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, anzuerkennen. Es sieht die eingeleiteten Maßnahmen (Chlorung, Bau-Hochbehälter) als alternativlos an. Ebenso einstimmig erkennt der Rat den Handlungsbedarf beim Unterbrecherschacht Hafenberg an und beauftragt eine detaillierte Bestandsaufnahme und das Einholen von Angeboten. Zudem soll das beauftragte Ingenieurbüro eine mögliche Förderung überprüfen. Dieses Thema wird den Gemeinderat weiterhin beschäftigen. Die Weichen für eine schnelle Umsetzung sind gestellt.