Ein Brunnen erinnert an den Kini

von Redaktion

Grassauer Wahrzeichen mit bewegter Geschichte – Vor 114 Jahren errichtet

Grassau – Der König-Ludwig-Brunnen im Zentrum von Grassau gilt als eines der imposantesten Denkmäler der Gemeinde und erinnert an den Märchenkönig Ludwig II., der am Montag, 25. August, vor 180 Jahren geboren wurde. Wie aus Informationen der Marktgemeinde hervorgeht, wurde das Denkmal vor 114 Jahren errichtet und seither mehrfach restauriert, versetzt und umgestaltet.

Die Entstehung des Brunnens war mit einigen Hürden verbunden, wie Fritz Seibold senior, ehemaliger Kulturreferent und Träger der Bürgermedaille, berichtet. Der Großvater Paul Seibold, Steinmetzmeister aus Grassau, schuf den Brunnen im Jahr 1911. Die Idee für das Denkmal stammte von Freiherr Vogt von Hunoltstein, dem Vorsitzenden der Veteranen- und Kriegerkameradschaft, der 1910 einen Antrag beim königlichen Bezirksamt in Traunstein stellte. Der Entwurf für das Denkmal und die Büste von König Ludwig II. wurde dem Bildhauer Joseph Köpf aus München übertragen.

Die Fertigung des Brunnens übernahm Paul Seibold, der die Anlage mit Ornamentik, Beschriftung und einer Königskrone ausstattete. Unterstützt wurde das Projekt von zahlreichen Spendern, darunter Kapellmeister Michael Moritz und die Veteranenvereine aus Rottau und Egerndach. Die Büste des Königs wurde aus weißem Carrara-Marmor gefertigt und zeigt Ludwig II. in ziviler Kleidung, was damals unüblich war.

Am Sonntag, 20. August 1911, wurde der Brunnen offiziell eingeweiht. Die Namen der Gefallenen der Kriege von 1866 und 1870/71, die ursprünglich auf den Seitenteilen angebracht waren, wurden später unleserlich, woraufhin 1923 ein neues Kriegerdenkmal entstand. Aufgrund häufiger Überschwemmungen am ursprünglichen Standort wurde ab 1928 eine Steinrinne angelegt.

Im Laufe der Jahre kam es immer wieder zu Diskussionen über den Standort des Brunnens. Pfarrer Johannes Hausladen sprach sich gegen den Standort vor der Kirche aus, doch der Gemeinderat entschied, den Brunnen dort zu belassen. 1959 übernahm Dr. Franz Zech die Sanierung, unterstützt von Steinmetzmeister Fritz Seibold, der die Marmorbüste reinigte, die Beschriftung erneuerte und die Wasserleitungen instand setzte.

Die Sanierung wurde am Wochenende, 8. und 9. August 1959, mit einem großen Fest gefeiert, an dem unter anderem Prinzessin Helmtrud und Prinz Ludwig aus dem Hause Wittelsbach teilnahmen. Rund 5000 Besucher kamen zu den Feierlichkeiten, die ein Standkonzert, eine Festmesse und einen Festzug umfassten.

Ein weiterer Höhepunkt war 1961 die Anbringung des Holzkreuzes, das an die Todesstelle von König Ludwig II. im Starnberger See erinnert.

Das Originalkreuz wurde von Dr. Zech gesichert und schließlich an der Rückseite des Brunnens angebracht. 1970 musste der Brunnen wegen der Verbreiterung der Bundesstraße 305 erneut versetzt werden. Dabei ging der ursprüngliche Wassertrog verloren und wurde durch ein neues Brunnenbecken aus Muschelkalk ersetzt. Zum 100. Todestag des Königs 1986 sowie zum 120. Todestag und 95. Geburtstag des Brunnens im Jahr 2006 fanden weitere große Feiern statt.

Das Brunnenfest 2006 diente als Probelauf für das Jubiläumsfest 2011 zum 100-jährigen Bestehen des Denkmals, bei dem unter anderem der Kunsthistoriker Professor Michael Petzet als Festredner gewonnen werden konnte.

Bis heute steht der König-Ludwig-Brunnen im Zentrum Grassaus vor der Kirche. Die originale Büste ist erhalten, das Brunnenbecken wurde modernisiert. Viele Bürger nutzen den Brunnen als Treffpunkt, während der Blick des Königs von der Straße abgewandt ist. Fritz Seibold interpretiert dies als Zeichen für die zurückhaltende Art des Monarchen: „Der König war ein zurückhaltender Mensch, er wollte wohl gar nicht sehen, wie viel Verkehr durch den Ort geht.“

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