Grabenstätt – Eine 100 Meter lange Sohlgleite ermöglicht es Fischen, den Rothgraben auf Höhe von Osterbuchberg zu passieren. Arten wie Nase, Seeforelle und Barbe können nun bis in den Bergener Bach schwimmen und sich neue Lebensräume erschließen. Dies wird durch den Ausbau zweier Abstürze im Wasser ermöglicht. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hatte bei der Realisierung dieses Projekts einige Herausforderungen zu bewältigen.
Schwimmen wie
auf Treppenstufen
Sohlgleiten werden aus Wasserbausteinen errichtet, wobei die Lage der einzelnen Steine sich nach dem Gefälle richtet, das erreicht werden muss, damit Fische einen Höhenunterschied im Gewässer überwinden können. Sie können von Stein zu Stein schwimmen, wie auf Treppenstufen. Um das Optimum für die Tiere zu erreichen, waren Berechnungen zufolge etwa 1500 Tonnen Stein notwendig, was rund 90 Lkw-Ladungen entspricht.
Im Sinne der Nachhaltigkeit wurden Wasserbausteine vom Uferrückbau an der Salzach in der Lebenau verwendet, da das Material sonst aus noch größerer Entfernung hätte angeliefert werden müssen. Die Steine wurden mit Sattelzügen auf einen Lagerplatz an der Tiroler Achen zwischengelagert. Der Weitertransport zur Baustelle konnte aufgrund der Bodenverhältnisse nicht direkt erfolgen, sondern über zwei neu eingerichtete Behelfsbrücken über den Almbach und den Buchbach.
Nur dank dieser baulichen Veränderungen und der Unterstützung der umliegenden Landwirte gelang der Transport an den Rothgraben. Der Zeitaufwand hierfür betrug rund zwei Wochen, während der Einbau der Sohlgleite lediglich acht Tage dauerte. Da das Wetter schön war und die Landwirte bereits gemäht hatten, konnte auch am Almbach ein Querbauwerk umgestaltet und durch eine Sohlgleite ersetzt werden.
Die Fische können nun den Bergener Bach ohne größere Hindernisse erreichen. Die Durchgängigkeit der Gewässer ist für die guten Schwimmer unter ihnen auf einer Länge von neun Kilometern erreicht. Einige kleinere Bauwerke wird das Wasserwirtschaftsamt zu einem späteren Zeitpunkt umbauen.
Im späten Herbst beginnt am Bergener Bach eine weitere Renaturierung, die sich an das erste, 300 Meter lange Teilstück anschließt, welches das Wasserwirtschaftsamt Traunstein jüngst revitalisiert hat. Insgesamt ergibt sich eine elf Kilometer lange Strecke ohne größere Hindernisse. Diese sogenannte Durchgängigkeit von Gewässern gilt grundsätzlich als wichtiger Baustein auf dem Weg zum ökologisch guten Zustand von Gewässern, wie ihn die Europäische Wasserrahmenrichtlinie fordert.