Inzell – Die Hofbeschilderungen in der Gemeinde Inzell erfreuen sich großer Beliebtheit. Nachdem bereits mehreren Eigentümern die Haus- und Hofbeschriftungen überreicht werden konnten, waren nun der ehemalige Vorsitzende des Verkehrs- und Heimatvereins Inzell, Alfons Schrittenlocher, seine Nachfolgerin Cornelia Stöger und Heimatpfleger Markus Preinfalk bei Julia und Franz Egger sowie der Familie Dufter vorstellig, um die Haustafeln „Lindlbauer“ und „Beim Sottern“ zu überreichen. Die erste Erwähnung der beiden Gebäude fand bereits in den Jahren 1532 und 1308 statt.
Wie funktioniert
die Recherche?
Alte Häuser könnten viel erzählen, doch wie verfolgt man das zurück? Es ist nicht immer einfach, die ganze Geschichte eines Gebäudes wiederzugeben, doch durch alte Aufzeichnungen gelingt dies in den meisten Fällen. Sämtliche wichtigen Daten werden dann auf dem neuen Hausschild, einer Einzelanfertigung von Chris Niggl, niedergeschrieben und am Gebäude angebracht. Somit ist es möglich, auch für Außenstehende und Gäste, die an den jeweiligen Häusern vorbeigehen, die Geschichte der alten Gebäude in der Gemeinde Inzell genau nachzuvollziehen. Es ist doch immer wieder interessant, welche Geschichten sich hinter der jeweiligen Fassade verbergen. Auch die alten Bilder sagen schon viel über die Entwicklung eines Hauses aus. Die Vorbereitung einer solchen Maßnahme kann natürlich nicht von heute auf morgen umgesetzt werden, denn jede Tafel ist ein Einzelstück und soll die Geschichte des jeweiligen Hauses nachvollziehbar wiedergeben. Es müssen die entscheidenden Bilder ausgesucht, Texte abgestimmt und auch der richtige Platz zur Anbringung gefunden werden.
Der Lindlbauer in Inzell wurde 1532 erstmals in den Stiftsbüchern des Klosters St. Zeno erwähnt. Als Verantwortlicher ist dort Christian Lechner genannt, der dem Kloster als Erbrechter diente. Leonhard Dufter ist 1600 als erster Besitzer im Familienbuch eingetragen, und der Hof blieb bis 1865 im Besitz der Familie. Daher stammt auch der Name „Lindlbauer“, abgeleitet vom Namen Leonhard. 1865 erwarb dann Franz Egger, der Marxenbauer am Höllenbach, das Anwesen, und seither ist der Hof im Besitz der Familie Egger. Im Jahr 1967 wurde ein neuer Hof gebaut, doch das alte Bauernhaus aus dem Jahr 1754 blieb erfreulicherweise erhalten. 2011 errichteten die jetzigen Hofbesitzer Julia und Franz Egger auf der Nordseite des Anwesens einen Campingplatz, und seit 2021 gibt es das Kaiserschmarrn Café im alten Bauernhaus, das sich großer Beliebtheit erfreut und sehr gut besucht ist.
Um einige Jahre älter ist das Gebäude „Beim Sottern“, das 1308 in den Urbarien des Herzogs von Niederbayern mit der Bezeichnung „Gut am Schwarzberg“ erwähnt wurde. Wie der „Lealbauer“ gab es auch einen Eintrag im Jahr 1532 in den Stiftsbüchern des Klosters St. Zeno. Damals war als Besitzer Andre Sottan eingetragen, von dem der Hausname „Sottern“ abgeleitet wurde und bis heute besteht.
1936 erscheint dann erstmals der Name Dufter in den Taufbüchern der Pfarrei Inzell, und seither wurden die Besitzer abwechselnd mit den Namen Sottan und Dufter erwähnt. 1722 wurde das Haus neu gebaut, und 1966 kam es dann zu einem Neubau des Bauernhauses, wobei der Stall zum überwiegenden Teil erhalten blieb. Die Hofübernahme durch Nicolle und Sepp Dufter erfolgte 2009 mit der Sanierung des Bauernhauses inklusive dreier komfortabler Ferienwohnungen. Somit setzten sie die Tradition von Großmutter Therese und den Eltern Line und Josef Dufter fort, die bereits in den 1950er-Jahren Zimmer an Feriengäste vermieteten.
Laufend
Gespräche
Die Verteilung von Haus- und Hofbeschilderungen, die von Hersteller Tychsen Mattina sehr professionell gefertigt werden, läuft in Inzell weiter. Wer Interesse bekundet, dass das eigene Anwesen auch in die Liste der erwähnenswerten Gebäude aufgenommen wird, kann sich bei Heimatpfleger Markus Preinfalk unter 0151/54844830 oder per E-Mail an heimatpfleger-inzell@web.de oder bei Cornelia Stöger melden. Es werden laufend Gespräche mit Haus- und Hofbesitzern geführt, und die nächsten Tafeln, die aus wetter- und UV-beständigem Material hergestellt werden, sind schon in Vorbereitung. Die Geschichtstafeln sind für Mitglieder des Verkehrs- und Heimatvereins Inzell kostenlos.