Prien/Bernau/Chiemgau – „Das ist ein gängiges Phänomen. Eine klassische Betrugsmasche“, sagt Erster Polizeihauptkommissar Jürgen Thalmeier, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Prien gegenüber dem OVB. Gemeint sind sogenannte „falsche Handwerker“, die in der Region unterwegs waren – oder es womöglich immer noch sind. Diese bieten Leistungen an, führen diese jedoch minderwertig aus und rechnen dann überteuert ab. Dabei bestehen sie auf Barzahlung und drohen Kunden mit Inkassounternehmen oder der Polizei.
Polizei wurde
verständigt
Am vergangenen Dienstag waren zwei Männer am Nachmittag in der Lärchenstraße in Bernau unterwegs und boten von sich aus an, die Dachrinne an einem Wohnhaus zu reparieren. Laut Pressemitteilung der Polizei Prien, erkundigten sie sich zudem nach den Nachbarn und ob diese in Urlaub seien. Doch die Anwohner gingen nicht auf das Angebot ein, verständigten stattdessen die Polizei.
Ende Juli waren solche unseriösen Handwerker dort unterwegs und haben sogar Arbeiten an einem Gebäude verrichtet. Das jedoch wenig fachgerecht. Als sie dann vom Hausbesitzer einen deutlich überteuerten Preis im vierstelligen Bereich verlangt haben, weigerte sich dieser das zu zahlen. Die Handwerker waren aber auch mit einem deutlichen niedrigeren Betrag zufrieden, heißt es weiter von der Polizei Prien.
Ermittlungen in den beiden Fällen wurden eingeleitet. „Da ist es gut, dass die Betroffenen in Bernau richtig reagiert haben und sich das Kennzeichen gemerkt haben“, fügt Thalmeier hinzu. Dennoch ist es nicht so einfach, die Täter zu schnappen. Zum einen müsse erst geklärt werden, auf wen das Auto zugelassen ist. Und der Halter muss nicht gleich der Fahrer sein.
In den Fällen, in denen Arbeit und Bezahlung bereits erfolgt sind, sei es zum anderen schwierig, die Täter des Betrugs zu beschuldigen. Zum einen müsse erstmal nachgewiesen werden, dass eine minderwertige Arbeit zu einem überteuerten Preis geleistet wurde. Außerdem gehen Hausbesitzer rechtlich gesehen einen Vertrag ein, wenn sie dem Betrag der Handwerker zustimmen. Weitere Vorfälle wurden der Polizei Prien in jüngster Zeit nicht gemeldet, jedoch ist es laut Thalmeier eine Masche, die immer wieder vorkommt, und das in verschiedenen Ausführungen. Mal seien es Zimmerer, dann Dachdecker und so weiter.
Nachdem die Pressemitteilung der Polizei auf chiemgau24 veröffentlicht wurde, hat sich jedoch ein Leser aus Ruhpolding in der Redaktion gemeldet. Er habe Ähnliches erlebt. Er war Anfang der Woche bei seiner Mutter, als drei osteuropäische Handwerker an der Tür klingelten. „Die sind zielgerichtet zum Haus hin, weil sie sonst in der Straße nirgendwo stehen geblieben sind“, erinnert er sich. „Der Eine wollte mir erklären, dass am Gartenhaus Arbeiten gemacht werden müssen. Und dabei war er ziemlich aufdringlich.“ Doch damit nicht genug. Der Unbekannte sei auch mit der Leiter auf den Carport gestiegen und wollte dem Leser weismachen, dass hier ebenfalls etwas repariert werden müsse. Die Schäden seien dringend zu beseitigen, die Handwerker könnten das noch am selben Tag oder am darauffolgenden machen, sagte der Unbekannte dem Ruhpoldinger. Doch der lehnte ab.
Einer der Handwerker habe zudem vorgeschlagen, dass sie gemeinsam ins Haus gehen und einen Kaffee trinken. Aber auch das lehnte er ab. „Ich wollte eine Visitenkarte von ihrem Unternehmen sehen, aber dann sagte er nur, er hat keine dabei“, erklärt der Leser weiter.
Als die Männer weg waren, hat er auch umgehend die Polizei Traunstein verständigt. Die drei Männer waren laut dem Ruhpoldinger in einem weißen Ford Transit mit Hamburger Kennzeichen unterwegs. Ganz konnte er sich das Nummernschild aber nicht merken, denn „die waren so aufdringlich und das ging so schnell“. In dem Fahrzeug der Unbekannten haben sich Dachrinnen und Dachpappe befunden. „Sie waren also schon dementsprechend ausgestattet“, fügt der Leser hinzu. Sollten auch vor Ihrer Türe solche Handwerker stehen, sei es wichtig, skeptisch zu sein, betont Jürgen Thalmeier. „Vor allem dann, wenn jemand sagt, dort ist ein Schaden, Sie aber wissen, da passt alles.“ Gehen Sie deshalb keine Straßengeschäfte ein.
Grundsätzlich sollte sich auch jeder genau über die Firma informieren, die er beauftragen will. Zuverlässige, regionale Firmen sind auch nach Abschluss der Arbeiten erreichbar und bieten eine Gewährleistung für die erbrachten Handwerkleistungen. Unterschreiben Sie daher einen Auftrag nur, wenn Sie alles verstanden haben. Holen Sie sich auch eine Zweitmeinung von einem anderen Handwerker.
Rechnung
verlangen
Zudem rät die Polizei: Verlangen Sie eine Rechnung und prüfen Sie, ob die aufgeführten Leistungen ausgeführt wurden. Sie sind nicht verpflichtet, die Rechnung sofort zu begleichen. Auch die Drohung mit der Polizei oder einem Inkassounternehmen ist haltlos.
Fühlen Sie sich unsicher, dann holen Sie sich Angehörige oder Nachbarn hinzu. Lassen Sie niemals Unbekannte in ihr Haus oder ihre Wohnung. Und werden Sie bedrängt oder bedroht, rufen Sie die Polizei. Scheuen Sie sich auch nicht, Anzeige bei der Polizei gegen die Firma zu erstatten.