Klagen für eine lebendige Nachbarschaft

von Redaktion

Wohnraum für einheimische Familien, eine lebendige Nachbarschaft, Nachverdichtung. Damit haben die Nachbarn in der Osternacher Straße kein Problem. Dass sie zum Bauprojekt im Priener Norden nicht gehört werden, stört sie hingegen so sehr, dass sie klagen.

Prien – „Als Nachbarn wünschen wir uns bezahlbaren Wohnraum für einheimische Familien, eine lebendige Nachbarschaft, gerne mit Kindergeschrei und natürlich erwarten wir auch Nachverdichtung. Die von der Firma veröffentlichten Preise und die genehmigten Pläne lassen all das nicht erwarten – nur fünf der 15 Wohnungen haben zwei Schlafzimmer.“ So steht es in einem Brief, den die Nachbarn der geplanten Mehrfamilienhäuser an der Osternacher Straße an die Redaktion der Chiemgau-Zeitung schickten.

Bezahlbarer Wohnraum

Nachverdichtung ja, aber es solle bezahlbarer Wohnraum für Normalbürger rauskommen, „Zweitwohnungen (die sicher ruhiger sind!) haben wir schon genug!“, so schreibt Johannes Koch im Namen der Nachbarn unter anderem auf die Frage der Redaktion nach einem Gespräch. Mehr hätten die Nachbarn dazu nicht zu sagen.

15 Wohnungen mit 930 Quadratmetern Wohnfläche in zwei Gebäuden sollen an der Osternacher Straße entstehen. 14 Stellplätze will Bauträger Peter Sprus in einer Tiefgarage unterbringen, sieben oberirdisch. „Vonseiten der Gemeinde haben wir lediglich bauplanungsrechtlich zu prüfen, ob sich das geplante Vorhaben hinsichtlich Art (Wohnen) und Maß in die nähere Umgebung einfügt. Das tut es und nichts weiter hat der Bauausschuss mit seinem Votum bestätigt“, so Bürgermeister Andreas Friedrich.

„Bürgermeister und Bauausschuss haben uns explizit erklärt, dass Nachbarn nicht gehört werden und die einzige Möglichkeit, Einfluss darauf zu nehmen, wie sich unser Ortsteil entwickeln wird, darin bestehe, zu klagen. Wir wünschten uns ein abgestimmteres Vorgehen, bei dem auch die Nachbarn angehört werden: mühsamer, aber sicher besser für das Miteinander in der Gemeinde“, schreibt Johannes Koch im Namen der Nachbarn Michaela Wruk, Claudia Wruk, Alexander Simon, Andreas Shell und Petra Wandinger.

Sprus wollte eigentlich noch in diesem Jahr anfangen zu bauen und laut Firmen-Homepage im zweiten Quartal 2027 fertig sein. Das verhindert wohl die Klage vor dem Verwaltungsgericht. Wobei Sprus gar nicht weiß, was der Klagegrund ist. „Man kann beim Verwaltungsgericht auch ohne Begründung klagen und diese erst zur mündlichen Verhandlung nachreichen“, sagt Sprus. Es nehme ihm aber die Möglichkeit, zu reagieren. Bei einem anderen Projekt in einer Nachbargemeinde hätte sich herausgestellt, berichtet er, dass Nachbarn Bedenken wegen der Entwässerung hatten. Die seien ausgeräumt worden. Im Falle der Osternacher Straße muss er warten. Was beim Verwaltungsgericht erfahrungsgemäß leicht zwei Jahre und mehr dauert. Denn, weiß Sprus, „die Klagen vor dem Verwaltungsgericht werden immer mehr.“

Weiteres Projekt
im Blick

Auf der Homepage der Firma Sprus heißt es aktuell, die Wohnungen an der Osternacher Straße sollen ab 289000 Euro kosten. Die kleinste Wohneinheit hat laut – genehmigtem – Bauantrag knapp 32 Quadratmeter Wohnfläche. Da sorgte die angekündigte günstige Miete für Verwunderung, denn je nach Bauausführung, Kosten für das Grundstück, Finanzierung und weiteren Variablen dürften sowohl Kaufpreise wie Mieten höher ausfallen.

Eine schnelle Internet-Recherche ergab aktuelle Mietpreise zwischen knapp 13 und gut 15 Euro kalt pro Quadratmeter. Die günstigen Mieten an der Osternacher Straße waren ein klarer Fall von „aneinander vorbeireden“. Die zehn Euro pro Quadratmeter beziehen sich laut Sprus auf ein „Projekt im Ortskern von Prien, das ich bereits seit einigen Jahren plane. Dort wären zehn Euro/Quadratmeter möglich.“

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