Neuer, größer – nur die Aussicht fehlt

von Redaktion

Dialyse-Zentrum findet nach drei Jahren Vorlauf in Rimsting neues Domizil

Prien/Rimsting – Schon mal bei Sport einen Schlag oder Tritt in die Nieren bekommen? Das schmerzt. Zerkleinerte Nierensteine ausscheiden? Frauen, die beides erlebt haben, sagen „so schlimm wie Wehen“. Die beiden etwa 150 Gramm schweren Organe im hinteren oberen Bauchraum sind Schwerstarbeiter: Sie filtern täglich 1500 bis 1800 Liter Blut. Tun sie das nicht, sind die Nephrologen – die Fachärzte für Nierenheilkunde – gefragt. Und die DialyseZentren.

Eigenbedarf
angemeldet

Seit 13 Jahren gibt es das KfH-Gesundheitszentrum an der Romed-Klinik Prien. Bis zum Samstag, 30. August. Da ist Schluss. „Die Romed-Klinik hat Eigenbedarf angemeldet“, erklärt Stefan Fuchs, kaufmännischer Leiter des Zentrums. Das war schon 2021, mitten in der Pandemie. Der Vertrag lief bis Ende 2024. „Drei Jahre Vorlauf hören sich nach viel an, sind es bei einem Projekt dieser Größenordnung aber nicht“, sagt Fuchs. Denn neben dem reinen Platzbedarf gilt es auch technische Voraussetzungen zu beachten oder zu schaffen, wie zum Beispiel Reinstwasserleitungen. „Sehr, sehr schwierig in Prien etwas Passendes zu finden“, hat der kaufmännische Leiter festgestellt.

Es fand sich nichts. Zumindest nicht in Prien. Ein paar Kilometer weiter schon.

Am heutigen Montag rücken die ersten Dialyse-Patienten in der Rimstinger Nordstraße ein. Hier hat das KfH in einem modernen Neubau knapp 1100 Quadratmeter angemietet, die mehrere hundert Quadratmeter mehr Platz und auch mehr Komfort für die Patientinnen und Patienten während der Dialyse bieten. Die Räume in dem Büro- und Ärztehaus mussten eigens umgeplant werden, der Landkreis verlängerte den Vertrag für die Räume in der Romed-Klinik.

Für die Dialysebehandlung stehen nun in Rimsting 24 Plätze in mittels Heiz-/Kühldecken klimatisierten Behandlungszimmern zur Verfügung. Ist der Ortswechsel ein Problem? Nein, denkt Fuchs: Die Stammpatienten wissen schon eine Weile von dem Umzug, zu den Erzählungen des Fachpersonals kam eine schriftliche Information des KfH-Zentrums. Die neuen Räume sind barrierefrei zu erreichen, es gibt genug Parkplätze in einer Tiefgarage, für den Fahrdienst sind die paar Kilometer unwesentlich. Ein guter Teil der Patienten kommt ohnehin aus Wasserburg, Halfing oder Bad Endorf, ist künftig sogar schneller am Ziel.

Rund 50 Menschen werden dreimal wöchentlich behandelt. Einen Dialyse-Termin sitzt der Patient nicht auf einer Pobacke ab: Vier bis fünf Stunden vergehen, bis das Blut gereinigt ist. Bücherfreunde sind ohnehin Selbstversorger – und an jedem Platz gibt es ein individuelles Entertainment-Angebot mit TV, WLAN und Co. Und eine Kleinigkeit gegen den Hunger gibt es auch. Die Rückmeldungen, die auch bisher schon beim kaufmännischen Chef ankamen: Die Patienten fühlen sich aufgehoben, loben die gute Atmosphäre.

Bisher war es, räumt Fuchs ein, für nierenkranke Menschen, die am Chiemsee ihren Urlaub verbringen oder eine Reha-Maßnahme erhalten, nicht immer einfach, das Angebot der Gast- oder Urlaubsdialyse im Zentrum zu nutzen. „Jetzt haben wir sieben Behandlungsplätze mehr, können die Nachfrage erfüllen.“ Anspruch des Teams rund um die ärztliche Leiterin Dr. Anja Großhennig-Heiss: Der Gastpatient sucht sich die Zeit für die Dialyse aus, die ihn den Urlaub auch noch genießen lässt. Bei Dialysezeiten von 7 bis 19.15 Uhr montags bis samstags scheint das machbar.

Das KfH-Zentrum bietet nicht ausschließlich Dialyse an. In der Sprechstunde wird zudem die umfassende nephrologische Versorgung von rund 200 Patientinnen und Patienten pro Quartal sichergestellt; dabei stehen die Vorbeugung und Früherkennung chronischer Nierenfunktionsstörungen sowie möglicher Folgeerkrankungen und auch die Vorbereitung auf eine Nierentransplantation inklusive Nachsorge im Mittelpunkt. „Unsere Patientinnen und Patienten können in Rimsting in großzügigen Räumen mit moderner technischer Ausstattung behandelt werden. Wir haben jetzt mehr Platz und mehr Komfort für alle“, freut sich Dr. Anja Großhennig-Heiss.

Situation
wird verbessert

Nicht nur für die Patienten. Die etwa ein Drittel größeren Räume verbessern auch die Situation des 20-köpfigen Teams. Breitere Flure und bessere Lagermöglichkeiten erleichtern den Alltag, die Arbeitsplätze sind nun viel ergonomischer. „Wir freuen uns auf den Umzug und sind alle eifrig am Packen“, berichtete Fuchs am Donnerstag, zwei Tage, bevor die ersten Umzugswagen rollten.

Einen gravierenden Nachteil hat das neue Domizil in den großzügigen, lichtdurchfluteten Räumen für Stefan Fuchs aber doch, gesteht er amüsiert und bedauernd zugleich: „Was wir nicht mehr bieten können, ist der grandiose Blick auf den Chiemsee!“

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