Rimsting – Zu einem „Mondscheinkonzert“ hatte der Schafwaschener Segelverein Chiemsee (SSVC) geladen. Im Rimstinger Strandbad trat die ukrainisch-stämmigen Konzertpianistin Katerina Antonova auf, die seit mehr als 30 Jahren in München und Rimsting lebt.
In einer herzensöffnenden Choreografie spielte Antonova noch stehend unmittelbar am Ufer zur untergehenden Sonne einen spontan-improvisierten ruhig-sanften Klanggruß, den sie gekonnt in die Fantasie-Impromptu von Frederic Chopin – op. 66 einwob.
Romantische
Spiegelung im See
Das Publikum lag zum großen Teil im Halbkreis auf Strandliegen um die romantisch, von zahlreichen Kerzen illuminierte Bühne, deren Schein sich im See spiegelte. Aber schon beim zweiten Stück wich die zarte Aura dem stürmischen Presto „Moment Musicaux“ von Sergei Rachmaninoff – e-Moll, op 16, mit den fliegenden Händen der großartigen Pianistin. Wie nach einem heftigen Gewitter legten sich anschließend die aufgewühlten musikalischen Wogen mit dem selten gehörten und wunderbar zart gespielten Prelude von Anatolij Ljadow – op.11 Nr. 1.
Der erste Teil des außergewöhnlichen Mondscheinkonzerts endete mit den weichen Klängen des „Impromptu“ von Franz Schubert und schloss mit der temperamentvollen „Tarantella“ von Franz Liszt, der solche Kompositionen als der wohl größte Klaviervirtuose seiner Zeit für sich selbst schuf, und die im geforderten Tempo als unspielbar galten.
Die letzten Töne des ersten Teils schienen noch in der Luft zu liegen, da trat aus dem Publikum eine Dame spontan zu einer ergreifenden Lobeshymne ans Mikrofon: „Katerina Antonova schenkt uns einen Genuss mit Weltniveau, der mich, aus einer berühmten Musikerfamilie stammend, sehr glücklich macht.“ Im Anschluss an diese Rede herrschte feierliche Stille. Nach der Pause schien das Publikum ganz besonders aufmerksam dem zweiten Teil des Klavierkonzerts zu lauschen. Es folgten, zart beginnend, die Etude von Frederic Chopin – op. 25 Nr. 1 und danach Sergei Rachmaninoffs heiter-bewegte „Etudes Tableaux“ op. 33 Nr. 5, gefolgt vom Prelude op. 23. Die Pianistin haucht dem ohnehin von heftigen Tempi und rasenden Passagen geprägten Meisterstück der Spätromantik ihr ganz eigenes Leben ein.
Am Ende des „Mondscheinkonzerts“ ließ sich dann auch tatsächlich der Mond ein wenig hinter den Wolken erblicken. Passend dazu erklang der erste Satz der „Mondscheinsonate“ von Ludwig van Beethoven op. 27 Nr. 14. Nach der fröhlich-bewegten Klavierfassung des Festzugs aus „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew und als Zugabe einer beschwingten Blues-Improvisation genoss die Künstlerin den lang anhaltenden Schlussapplaus ihres begeisterten und gleichzeitig tief berührten Publikums.