Vermisstensuche mit allen Mitteln

von Redaktion

Dramatische Augenblicke am Chiemsee: Zwei Männer sind im August von ihrem Ausflug auf dem Bayerischen Meer nicht zurückgekehrt. Mit groß angelegten Suchaktionen wird das Gebiet seitdem immer wieder durchkämmt. Dabei greifen die Einsatzkräfte von Polizei, DLRG und Wasserwacht zu allen Mitteln. Wir erklären, wie so eine Suche abläuft.

Chiemsee – Seit Mitte August werden zwei Männer am Chiemsee vermisst – und gesucht. DLRG-Pressesprecher Andreas Rösch weiß, wie eine solche Suchaktion abläuft und koordiniert wird. Die Antwort, kurz und knapp: „Mit aller Kraft.“

Der entscheidende Faktor bei Wasserrettungseinsätzen ist die Zeit: „Sobald bei der Rettungsleitstelle ein entsprechender Notruf eingeht, alarmiert diese alle im Umkreis verfügbaren Schnell-einsatzgruppen von DLRG und Wasserwacht. Such- und Rettungsmaßnahmen beginnen daher sofort nach Alarmierung, mit starken Kräften und allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Das sind bei Fällen wie am Chiemsee mindestens 50 Personen – und das in dieser Stärke im Schichtdienst.“

Suche auch mit
Spezialgeräten

Die Koordination der Rettungskräfte obliegt dabei dem Einsatzleiter Wasserrettung, welchen DLRG und Wasserwacht im Wechsel stellen, erklärt Rösch: „Für die Personensuche verfügen die Wasserretter über bewährte Suchmuster wie die Kontrolle des Suchgebietes durch parallele Fahrt mehrerer Boote. Der Einsatzleiter passt die Vorgehensweise den konkreten Bedingungen vor Ort an.“

Kann ein Vermisster an Flüssen bereits abgetrieben sein, muss die Person am Chiemsee auch in größerer Tiefe vermutet werden. Daher wird Rösch zufolge zunächst versucht, seitens des Einsatzleiters Wasserrettung den Unfallhergang zu rekonstruieren und den Unfallort so genau wie möglich einzugrenzen. Davon ausgehend wird das Suchgebiet bestimmt.

„Bei der Suche werden zunächst Geräte eingesetzt, die jede Ortsgliederung der DLRG besitzt. Später werden Spezialgeräte hinzugezogen. Es kommen insbesondere Rettungsboote mit Sonargeräten, Boote der Wasserschutzpolizei und Taucher der Wasserrettung zum Einsatz“, so der DLRG-Sprecher.

Sonargeräte können ähnlich wie Radargeräte Objekte unter Wasser lokalisieren. Um die vom Sonargerät empfangenen Bilder auszuwerten, sei „viel Erfahrung nötig“, die ebenfalls von den Ehrenamtlichen der Wasserrettung ausgeht.

Gerätetaucher der Wasserrettung dürfen in der Regel bis zu einer Tiefe von 20 Meter in den See absteigen. An seiner tiefsten Stelle ist der Chiemsee 74 Meter tief. Nach wenigen Stunden müssen Gerätetaucher wegen der hohen Belastungen bei ihrer Arbeit von weiteren Kollegen abgelöst werden. In Ufernähe indes sind Schnorcheltaucher im Einsatz. Sie haben den Vorteil, dass sie mit Schnorchel, Tauchbrille und Flossen nur wenig Ausrüstung benötigen, weswegen sie sehr schnell eingesetzt werden können.

Nur wenige Meter
Sicht unter Wasser

Gerätetaucher dagegen benötigen eine Druckluftflasche und weiteres schweres Gerät. Beide – Gerätetaucher und Schnorcheltaucher – haben unter Wasser meist nur wenige Meter Sicht, was die Suche sehr erschwert.

Ergänzend werden Hubschrauber von Rettungsdienst und Polizei mit Wärmebildkameras, Flugdrohnen sowie im weiteren Verlauf Suchhunde eingesetzt. Suchhunde am Wasser?

Rösch erläutert: „Für die Suche von Ertrunkenen unter Wasser verfügt in der Nähe des Chiemsees die DLRG Bad Aibling über drei speziell ausgebildete, geprüfte Wasserortungshunde.

Drei speziell
ausgebildete Hunde

Die Polizei kann die Wasserorter jederzeit bei der DLRG anfordern. Sie fahren dann, in sehr langsamer Fahrt, auf Rettungsbooten mit und können mit ihren feinen Nasen untergegangene Menschen anhand des Leichengeruchs aufspüren.“

Diese Arbeit fordert von den Hunden große Konzentration. Deshalb können sie nur erfolgreich arbeiten, wenn kein Hubschrauber in der Luft kreist. Am besten sind die Bedingungen auf dem Wasser für die Hunde am frühen Morgen.

Kommunikation unter den Einsatzkräften ist das A und O: Der Einsatzleiter Wasserrettung stimmt sich mit allen Kräften der Wasserrettung, dem Notarzt und auch der Polizei eng ab. „Gelangt der Einsatzleiter Wasserrettung zu der Einschätzung, dass die gesuchte Person nicht mehr lebend gefunden werden kann, gibt er die Einsatzleitung für die Vermisstensuche an die Polizei ab. Wann dies der Fall ist, hängt jeweils vom Einzelfall ab und ist nicht pauschal geregelt. Danach handelt es sich bei den Tauchern in der Regel um Polizeibeamte und nicht mehr um die Ehrenamtlichen der Wasserrettung“, erklärt Rösch.

Von den Vermissten
fehlt noch jede Spur

Bei den aktuellen Fällen am Chiemsee kann man nur vom Schlimmsten ausgehen: Ein Schnaitsseer wird bereits seit dem 12. August vermisst. Der 39-Jährige hatte sich der Priener Polizei zufolge gegen 16 Uhr ein  Elektroboot in Gstadt ausgeliehen und war damit auf den Chiemsee gefahren. Gegen 18.45 Uhr wurde ein Segler auf das herrenlose Boot  zwischen Gstadt und der Fraueninsel aufmerksam und verständigte die Polizei. Kurze Zeit später wurde das Boot im Schilf auf Höhe Aisching gefunden. Von dem Mann fehlte jede Spur. Trotz umfangreicher Suchaktionen seitens der Wasserschutzpolizei, der DLRG und der örtlichen Wasserwacht blieb der Mann bislang verschwunden.

Nur wenige Tage später, am 17. August, löste ein 85-Jähriger einen Großeinsatz diverser Rettungskräfte aus. Er wurde zuletzt mit seinem Surfbrett auf dem See gesehen. Bei einer  groß angelegten Suchaktion wurde nur noch das herrenlose Brett gefunden. Von dem Senior fehlt seitdem jede Spur.

70 Meter Tiefe, Kälte
und Strömungen

70 Meter Tiefe, Kälte und Strömungen machen den Einsatzkräften zu schaffen. Doch die Suche nach den beiden Männern geht weiter.

Immer wieder sind Beamte der Bereitschaftspolizei mit Tauchergruppe, Tauchboot und einer Schlauchbootbesatzung mit Sonar-Ausrüstung auf dem Chiemsee unterwegs. Zuletzt konnten Suchaktionen in der letzten Augustwoche von Übersee aus im Bereich Feldwieser Bucht beobachtet werden.

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